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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Maurokordātos; Mauromichālis; Maurs; Maursmünster; Maurus, Hrabanus; Maury

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Maurokordatos - Maury.

lien mit neuen Statuten versehen. Der Orden hat jetzt fünf Klassen: Rittergroßkreuze, Großoffiziere, Kommandeure, Offiziere und Ritter. Die Dekoration ist ein weißes Kreuz mit in Lilienform ausgehenden Armen, zwischen denen wieder ein Kreuz mit grün emaillierten Armen, darüber eine Krone. Die Großkreuze tragen ein großes gekröntes Kreuz und einen vierstrahligen Silberstern mit dem Kreuz darauf, die Großoffiziere das Kreuz mit einem Silberstern, die Kommandeure das Kreuz allein um den Hals, die Offiziere das Kreuz auf der linken Brust, die Ritter das Kreuz ohne Krone. Das Band ist grün.

Maurokordātos, berühmte griech. Fanariotenfamilie, die von Alexander M. (1636-1709), berühmtem griechischen Gelehrten, der von der Pforte wiederholt zu wichtigen Gesandtschaften ernannt wurde, abstammt und der Moldau und Walachei (s. d., Geschichte) mehrere Hospodare gegeben hat. Der namhafteste Sprößling des Geschlechts ist Alexander, Fürst von M., eine der hervorragendsten Persönlichkeiten des griechischen Befreiungskampfes. Geb. 11. Febr. 1791 zu Konstantinopel, begleitete er 1817 seinen Oheim Karadja, der Hospodar der Walachei geworden, nach Bukarest, trat hier in die Hetärie und betrieb, seit 1821 in Griechenland, um die Bildung eines geordneten Staats nach europäischem Muster zu erreichen, die Einsetzung einer regelmäßigen Regierung sowie die Bildung eines allgemeinen griechischen Kongresses und die Organisation des Heerwesens. Er führte den Vorsitz in der ersten griechischen Nationalversammlung zu Epidauros (Januar 1822). Dann wandte er sich als Stratarch nach Westgriechenland, ward 16. Juli bei Peta geschlagen, rettete aber den Peloponnes durch die Verteidigung Missolunghis von November 1822 bis Januar 1823. Wiewohl als Anhänger Englands von Kolokotronis und Demetrios Ypsilanti mehrfach angefeindet, bewirkte er doch eine augenblickliche Versöhnung der Faktionen, namentlich indem er die ihm angetragene Präsidentschaft ablehnte und sie dem P. Mauromichalis zuwandte, während er sich mit dem Posten eines Ministers der auswärtigen Angelegenheiten begnügte. Neue Zwistigkeiten mit Kolokotronis veranlaßten ihn jedoch, sich nach Hydra zurückzuziehen. Am 7. Febr. 1825 übernahm er wieder die Stelle des Staatssekretärs, kehrte jedoch nach der Ankunft der ägyptischen Truppen unter Ibrahim Pascha zur Armee zurück. Als 9. Mai 1825 die Insel Sphagia von Ibrahim im Sturm genommen wurde, rettete sich M. schwimmend nach Navarino. Nach dem Fall Missolunghis (22. April 1826) zog er sich von den öffentlichen Geschäften zurück. Von dem Präsidenten Kapo d'Istrias wurde er zwar wieder zum Staatsdienst berufen; doch legte er, unzufrieden mit den Maßregeln der Regierung, schon 1828 seine Stelle als Mitglied der Kommission für die Verwaltung der Kriegsvorräte nieder. Nach Kapo d'Istrias' Ermordung (9. Okt. 1831) und der Abdankung seines Bruders Augustin Kapo d'Istrias (13. April 1832) ernannte die provisorische Regierungskommission M. zum Sekretär der Finanzen. Bei Eröffnung der Nationalversammlung zu Argos (27. Juli 1832) wurde er zum Vizepräsidenten erwählt und unter König Otto zum Minister der Finanzen und 1833 zum Präsidenten des Ministeriums ernannt. Seit 1834 bekleidete er nacheinander den griechischen Gesandtschaftsposten in München, Berlin und London. Nachdem er 1841 wieder eine kurze Zeit Ministerpräsident gewesen war, ging er als Gesandter nach Konstantinopel. Nach der Septemberrevolution von 1843 nach Griechenland zurückgekehrt, trat er als Minister ohne Portefeuille in das Kabinett Metaxas ein, bildete sodann 11. April 1844, nach dem Sturz der russischen Partei, als Ministerpräsident ein neues Ministerium, mußte aber schon im August d. J. abtreten und machte nun in der Kammer dem Ministerium, namentlich Kolettis, die heftigste Opposition. 1854 bis 1855 war er wieder auf kurze Zeit Ministerpräsident. Er starb 18. Aug. 1865 in Ägina.

Mauromichālis, berühmte Mainotenfamilie, die den fürstlichen beigezählt zu werden pflegt. Georg M. leitete hauptsächlich die Empörung der Mainoten 1770. Petrus M., gewöhnlich Petro Bei genannt, geb. 1775, erhielt 1816 das Beilik Maina, schloß sich der Hetärie an und erhob im April 1821 im Peloponnes die Fahne des Aufstandes. 1821 wurde er Mitglied des moreotischen Senats, 1822 Präsident auf dem Kongreß zu Astros und 1824 Chef der exekutiven Gewalt. Da er gegen Kolokotronis und Kapo d'Istrias wegen deren Abhängigkeit von russischen Einflüssen in Opposition trat, ließ ihn letzterer im Februar 1831 zu Nauplia verhaften und in den Kerker werfen, ward aber dafür von Petros Sohn Georg, welcher sich 1822 bei dem Entsatz von Missolunghi sehr ausgezeichnet hatte, und seinem Bruder Konstantin, der bis 1817 bei der Pforte Dolmetsch gewesen war und sich im Freiheitskampf ebenfalls hervorgethan hatte, 9. Okt. 1831 ermordet. Konstantin ward sogleich nach der That vom Gefolge Kapo d'Istrias' niedergehauen, Georg 22. Okt. kriegsrechtlich erschossen. Petro wurde von dem neuen Kabinett in Freiheit gesetzt und 1836 vom König Otto, als dessen treuesten Anhänger er sich dann bewies, zu einem der Vizepräsidenten des Staatsrats ernannt. Er starb 29. Jan. 1848.

Maurs (spr. mōr), Stadt im franz. Departement Cantal, Arrondissement Aurillac, an der Orléansbahn, mit (1881) 1862 Einw., Kastanienbau, starker Schweinezucht, Handel mit Schinken, Leinwand etc.

Maursmünster (franz. Marmoutier), Stadt im deutschen Bezirk Unterelsaß, Kreis Zabern, am Fuß der Vogesen und an der Eisenbahn Schlettstadt-Zabern, hat eine alte kath. Pfarr- (ehemalige Benediktiner-) Kirche, Steinbrüche und (1885) 1937 Einw. (237 Juden). Über dem Orte die beiden Bergschlösser Groß- und Klein-Geroldseck. M. verdankt seinen Ursprung dem ältesten Kloster des Elsaß, das unter Childebert II. im 6. Jahrh. gegründet und 1789 aufgehoben wurde.

Maurus, Hrabanus, s. Hrabanus.

Maury, 1) (spr. morí) Jean Siffrein, ausgezeichneter franz. Redner, geb. 26. Juni 1746 zu Vauréas in der Grafschaft Venaissin als Sohn eines Schuhmachers, machte seine Studien in der Vaterstadt und zu Avignon, trat dann in den geistlichen Stand und kam in seinem 20. Jahr nach Paris, wo er als Lehrer wirkte, als Kanzelredner und durch seine Lobreden ("Éloge funèbre du Dauphin", "Éloge de Stanislas" [1766] und "Éloge de Charles V" u. a.) Ansehen und Gunst gewann sowie vom König zum Abt von Frénade und Prior von Lions ernannt wurde. 1785 ward er auch Mitglied der Akademie, und 1789 sandte ihn der Klerus von Lions in die Nationalversammlung. Mit seltenen Kenntnissen ausgerüstet, nahm er an den Verhandlungen der Versammlung einen hervorragenden Anteil, verteidigte in gewandter, mitunter derber Rede mit Kaltblütigkeit und Mut die Rechte des Königs und der Kirche und war besonders ein erbitterter und nicht unebenbürtiger Gegner seines Landsmanns Mirabeau.