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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Maus

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Maury - Maus.

Als einst zwei liberale Damen seinen Vortrag durch Reden und Gebärden störten, rief er dem Präsidenten zu: "Bringen Sie doch die beiden Ohnehosen (sans-culottes) zum Schweigen!" Das derbe Wort ward fortan der Name der revolutionären Proletarier. 1791 zog er sich vom öffentlichen Leben zurück und ging nach Auflösung der Konstituierenden Versammlung nach Rom, wo er im Triumph empfangen und vom Papst zum Erzbischof von Nicäa in partibus und zum Nunzius bei der Krönung Franz' II. sowie 1794 zum Kardinal ernannt wurde. Bei dem Einzug der Franzosen 1798 verließ er Rom und begab sich zuerst nach Toscana, dann nach Venedig und endlich nach Rußland. 1799 wurde er von Ludwig XVIII. zu seinem Gesandten am römischen Hof ernannt. So entschieden er sich anfangs gegen Napoleons I. Usurpation des französischen Throns erklärt hatte, verleitete ihn doch der Wunsch, in sein Vaterland zurückkehren zu dürfen, 1804 einen so schmeichlerischen Brief an den Kaiser zu richten, daß ihn dieser zurückrief und zum Großalmosenier bei seinem Bruder Jérôme und 1810 zum Erzbischof von Paris ernannte. Da der Papst letztere Ernennung nicht bestätigt hatte, so mußte M. nach der Restauration seinen Sitz aufgeben. Er begab sich nach Rom, wurde aber hier gefangen genommen und erhielt seine Freilassung sechs Monate später nur gegen die Verzichtleistung auf seine geistlichen Würden. Er starb 11. Mai 1817. Sein Hauptwerk ist der "Essai sur l'éloquence de la chaire" (Par. 1810, 2 Bde.; neue Ausg. 1850). Seine "Œuvres choisies" (Par. 1827, 5 Bde.) enthalten auch seine Reden in der Nationalversammlung. Sein Leben beschrieben sein Neffe L. S. Maury (Par. 1827), Poujoulat (2. Aufl., das. 1859), Hergenröther (Würzb. 1879) und Ricard (Par. 1887).

2) Juan Maria, span. Dichter und Kritiker, zu Malaga geboren, erhielt seine Bildung in Frankreich und England, besuchte Italien und ließ sich zuletzt in Paris nieder, wo er 2. Okt. 1845 starb. Er veröffentlichte ein episches Gedicht: "La agresion británica" (Madr. 1806); das romantische Rittergedicht "Esvero y Almedora" (Par. 1840); "Poesías castellanas" (Valencia 1845, 3 Bde.), kleinere Gedichte und Aufsätze enthaltend, und "Espagne poétique" (Par. 1826-27, 2 Bde.), eine Blütenlese der spanischen Lyrik mit beigegebener französischer Übersetzung und wertvollen Bemerkungen. Eine Auswahl seiner kleinern Gedichte ist im 67. Bande der "Biblioteca de autores españoles" enthalten.

3) Mathew Fontaine, Hydrograph, geb. 14. Jan. 1807 in der Grafschaft Spottsylvania in Virginia, trat 1824 als Kadett in die Marine und machte unter anderm eine Erdumseglung mit. 1836 zum Leutnant befördert, mußte er sich schon nach drei Jahren, infolge eines Sturzes lahm geworden, aus dem aktiven Dienst zurückziehen und wurde an der "Hydrographical Office" und 1844 als Superintendent des "Naval Observatory" in Washington angestellt. 1853 wirkte er auf dem Kongreß der Seemächte in Brüssel für die Annahme eines gleichmäßigen Systems der Beobachtungen zur See. 1855 zum Commander ernannt, quittierte er 1861 beim Ausbruch des Kriegs den Dienst und schloß sich den Südstaaten an. Bald darauf begab er sich nach England, begleitete dann den Kaiser Maximilian nach Mexiko und unterstützte ihn namentlich beim Anpflanzen der Chinarindenbäume. Von Mexiko zurückgekehrt, ließ er sich zu Lexington in Virginia nieder, wo er bis zu seinem Tode die Stelle eines Professors am College bekleidete. Er starb 1. Febr. 1873. Seine bedeutendsten Leistungen sind: "Wind- and current-charts" (8. Aufl. 1859), "Sailing directions" und "The physical geography of the sea" (New York 1856, über 20 Auflagen; deutsch von Böttger, 2. Aufl., Leipz. 1859) nebst den "Nautical monographs" (Washingt. 1859-61), Werke, worin die physische Geographie des Meers, die Wind- und Meeresströmungen zuerst genauer erforscht erscheinen und ihre Kenntnis zu einer Wissenschaft erhoben ist, welcher man seitdem das regste Studium zugewendet hat. Außerdem veröffentlichte er: "Letters on the Amazon and the Atlantic slopes of South America", "Relation between navigation and the circulation of the atmosphere", "Astronomical observations" (1853) u. a. Maurys Biographie schrieb seine Tochter (hrsg. von Markham, Lond. 1887).

4) Louis Ferdinand Alfred, franz. Altertumsforscher und Kulturhistoriker, geb. 23. März 1817 zu Meaux, erhielt nach den verschiedenartigsten Studien 1840 eine Anstellung an der königlichen Bibliothek in Paris, ward 1844 Unterbibliothekar des Instituts, 1857 selbst Mitglied desselben, 1860 Bibliothekar der Tuilerien, 1862 Professor der Geschichte und Moral am Collège de France und 1868 Generaldirektor der Archive. Von seinen Werken, welche sich durch große Belesenheit und gewissenhafte Benutzung auch der deutschen Forschungen auszeichnen, heben wir hervor: "Essai sur les légendes pieuses du moyen-âge" (1843); "Les fées du moyen-âge" (1843); "Histoire des grandes forêts de la Gaule" (1850); "La terre et l'homme" (1856, 4. Aufl. 1878); "La magie et l'astrologie dans l'antiquité et au moyen-âge" (1860, 4. Aufl. 1877); "Histoire des religions de la Grèce antique" (1857-60, 3 Bde.); "Le sommeil et les rêves" (1861, 4. Aufl. 1877); "Croyances et légendes de l'antiquité" (1862, 2. Aufl. 1865); "Les forêts de la Gaule et de l'ancienne France" (1867); "Rapport sur les progrès de l'archéologie en France" (1867). Auch setzte er das "Musée de sculpture" von Clarac fort, beteiligte sich an den "Religions de l'antiquité" von Gugniant ^[richtig: Guigniaut] und andern Sammelwerken.

Maus (Mus L.), Säugetiergattung aus der Ordnung der Nagetiere und der Familie der Mäuse (Murina), kleine Tiere mit schlankem Kopf, spitzer, behaarter Schnauze, schuppig geringeltem, fast nacktem Schwanz von Körperlänge und darüber, fünfzehigen Hinter- und vierzehigen, mit einer Daumenwarze versehenen Vorderfüßen. Die Gattung umfaßt zahlreiche Arten, welche fast über die ganze Erde verbreitet sind und sich auf Kosten des Menschen besonders von Vegetabilien nähren, aber auch animalische Stoffe nicht verschmähen. Man teilt sie in zwei Gruppen: Ratten, erwachsen über 30 cm lang, mit plumpen Füßen, Schwanz mit 200-260 Schuppenringen; Mäuse, nur bis 24 cm lang, mit schlanken, zierlichen Füßen, Schwanz mit 120-180 Schuppenringen. Die Hausmaus (Mus musculus L.) ist 9 cm lang, mit ebenso langem Schwanz, grauschwarz mit gelblichem Anflug, unten heller; Füße und Zehen sind gelblichgrau, die Sohlen ganz nackt; die Ohren bedecken angedrückt die Augen. Ihre Heimat ist nicht bekannt. Sie findet sich gegenwärtig auf der ganzen bewohnten Erde in den Wohnungen der Menschen, im Sommer auch in Gärten und Feldern, gräbt Röhren und Löcher, ist ein sehr munteres und flinkes Tierchen, welches weit springt, trefflich klettert, aber nur mit Anstrengung eine kurze Strecke schwimmt. Sie wirft jährlich drei- bis fünfmal, 22-24 Tage nach der Paarung, 4-8 nackte, blinde Junge, so daß