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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Maximilian

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Maximilian (deutsche Kaiser).

und 1500 mußte M. Ludwig XII. von Frankreich mit Mailand belehnen. Bei einem zweiten Einfall, 1508 auf Bitten Papst Julius' II. für das Versprechen der Kaiserkrönung unternommen, versperrten ihm die Venezianer das Etschthal und hinderten ihn am Vordringen über Trient; damals war es, wo er den Titel "Erwählter römischer Kaiser" annahm. Um sich an Venedig zu rächen, schloß er mit Frankreich, dem Papst und Spanien 1508 die Liga von Cambrai und eroberte auch Verona, Vicenza und Triest; aber die Belagerung Paduas 1509 mißglückte. Er hielt noch eine Zeitlang zu Frankreich gegen die Heilige Liga, trat ihr aber dann bei und erklärte Frankreich den Krieg; jedoch mußte er 1515 im Frieden zu Brüssel dem König Franz I. von Frankreich Mailand und den Venezianern Verona abtreten. Zwar gelang es ihm nicht, seinen Enkel Karl von Spanien 1518 auf dem Augsburger Reichstag zu seinem Nachfolger wählen zu lassen; doch erwarb er seinem Haus neben der Krone Spaniens durch die Verlobung seines Enkels Ferdinand mit Anna von Ungarn und Böhmen auch im Osten die glänzendsten Aussichten. Mitten unter Plänen und Entwürfen starb M. zu Wels in Oberösterreich 12. Jan. 1519 und wurde in Wiener-Neustadt begraben. In der Hofkirche zu Innsbruck wurde ihm später ein prachtvolles Grabmal errichtet. M. war von ansehnlicher Statur, in allen Leibesübungen geübt, rasch und feurig, von großem Unternehmungsgeist, tapfer, der erste Ritter seiner Zeit, dabei die geistigen Strebungen der Nation mit Aufmerksamkeit verfolgend. Ein leidenschaftlicher Jäger, hatte er sich einst an der steilen Martinswand in Tirol so hoch verstiegen, daß es erst am dritten Tag einem kühnen Bergknappen mit Mühe gelang, ihn zu retten. Den französischen Ritter Claude de Barré, der auf dem Reichstag zu Worms 1495 die ganze deutsche Ritterschaft herausforderte, warf er unerkannt im Zweikampf nieder. An den Festlichkeiten der Städte nahm er gern Anteil, und bei ihren Schießübungen that er nicht selten den besten Schuß mit der Armbrust. In seinen Erblanden saß er oft noch in Person zu Gericht. Wir besitzen in der deutschen Litteratur zwei Werke von Bedeutung, an deren Entstehung M. nicht geringen Anteil hat, den "Theuerdank" (s. d.), dessen Held er ist, und den "Weißkunig" (s. d.), eine romanhafte Beschreibung seines Lebens, die er in die Feder diktierte. Von ihm selbst rühren einige kleinere Schriften her, meist auf die Geschichte seines Hauses bezüglich. "Ehrenpforten", "Triumphwagen", "Der weisen Könige Stammbaum", oder Gewerbe und Künste betreffend, wie: "Das Stahlbuch", "Die Baumeisterei", "Die Gärtnerei". Auch führte er ein Memoirenbuch über seine Pläne und deren Ausführung, Überhaupt hat M. an den Wissenschaften und Künsten regen Anteil genommen. Er sprach das Lateinische, Deutsche, Französische, Italienische, Englische und Böhmische mit gleicher Geläufigkeit, beschäftigte sich viel mit Mathematik und Geschichte und übte die Malerei, Musik, Poesie und Baukunst. Die Nation sah in ihm das Ideal eines Kaisers verwirklicht und hoffte von ihm die Durchführung der großen Ideen, von welchen die öffentliche Meinung getragen war. Wenn M. gleichwohl die von ihm gehegten Erwartungen nur zum geringsten Teil erfüllte, so liegt der Grund davon teilweise in den Zeitverhältnissen, teilweise aber auch in Maximilians Charakter: er war eine sanguinische Natur und entbehrte der Energie zur Durchführung des Begonnenen, wurde auch durch die Reichhaltigkeit seines Geistes in zu vielerlei Unternehmungen zu gleicher Zeit gezogen; er war unermüdlich im Entwerfen neuer Pläne; hat er doch, als die gewaltsame Eroberung Italiens nicht glückte, Papst werden wollen, um das Land auf friedliche Weise unter seine Herrschaft zu bringen. Von seiner zweiten Gemahlin hatte er keine Kinder, dagegen 14 außereheliche. Sein Nachfolger war sein Enkel Karl V. Vgl. Hegewisch, Geschichte der Regierung Maximilians I. (Hamb. 1782); Chmel, Urkunden, Briefe und Aktenstücke zur Geschichte Maximilians I. (Stuttg. 1845); Klüpfel, Kaiser M. I. (Berl. 1864); Ulmann, Kaiser M. I. (Stuttg. 1884, Bd. 1); Kirchlechner, M. I. als Jäger (Linz 1887); Adler, Die Organisation der Zentralverwaltung unter Kaiser M. I. (Leipz. 1886). Eine dichterische Darstellung des Lebens Maximilians gab A. Grün in seinem Romanzencyklus "Der letzte Ritter" (1829).

2) M. II., der Sohn Kaiser Ferdinands I. und der Anna von Ungarn, geb. 31. Juli 1527 zu Wien, wurde in Spanien mit seinem Vetter Philipp unter Karls V. Aufsicht erzogen, focht 1544 gegen die Franzosen und 1547 im Schmalkaldischen Krieg und war 1549-51 Vizekönig von Spanien. Er bewies sich dem Protestantismus sehr günstig und wirkte nach seiner Rückkehr nach Deutschland für das Zustandekommen des Passauer Vertrags mit. 1552 ward er Gubernator von Ungarn. Er hatte an seinem Hof, obwohl er seit 1548 mit einer Spanierin, Karls V. Tochter Maria, vermählt war, einen lutherischen Hofprediger und deshalb selbst von seinem Vater viele Vorwürfe und Anfechtungen zu erleiden. Nachdem er im November 1562 in Frankfurt zum römischen König gewählt und gekrönt und auch als König von Böhmen, 1563 als König von Ungarn gekrönt worden war, bestieg er nach seines Vaters Ferdinand I. Tod (25. Juli 1564) den Thron. Auch jetzt übte er Toleranz, gewährte den österreichischen Ständen die Erlaubnis zu freier Religionsübung, verwilligte den evangelischen Ständen ein eignes Kirchenregiment in der Religionsdeputation und hob in Böhmen 1567 die Prager Kompaktaten auf. Aber weiter als bis zur Toleranz ist M., obwohl selbst dem Augsburgischen Bekenntnis geneigt, nicht gegangen. Die gehässigen Streitigkeiten zwischen den Protestanten selbst hielten ihn vom offenen Übertritt ab, und seitdem der Tod des Don Karlos in Spanien seinen Söhnen Aussicht auf den spanischen Thron eröffnet und er 1569 seine Tochter Anna mit Philipp II. vermählt hatte, kämpfte in ihm der Gedanke, an die Spitze der religiösen Reform zu treten, mit der Rücksicht auf die habsburgisch-spanische Hauspolitik. Er hielt sich äußerlich wieder zur katholischen Kirche und besuchte die Messe. Deutschland genoß unter seiner Regierung, die Grumbachschen Händel ausgenommen, einen dauernden Frieden. In dem Türkenkrieg, für welchen ihm 1566 zu Augsburg eine bedeutende Streitmacht zur Verfügung gestellt wurde, entwickelte M. eine von ihm nicht erwartete Thatkraft. Als Soliman II., vom Fürsten Johann Siegmund von Siebenbürgen zu Hilfe gerufen, sich selbst an die Spitze des Heers stellte, sammelte M. bei Raab eine Streitmacht von 80,000 Mann, hielt sich aber in kluger Defensive. Solimans Nachfolger Selim II. schloß endlich 1568 einen achtjährigen Waffenstillstand ab, kraft dessen jeder Teil in dem Besitz seiner Eroberungen blieb, und den M. benutzte, um die Festungen Ungarns in einen bessern Verteidigungszustand zu setzen. Er starb 12. Okt. 1576. Seine Gemahlin hatte ihm neun Söhne und sechs Töchter geboren. Sein ältester Sohn, Rudolf, folgte ihm in der Kaiserwürde. Vgl. v. Miller, Epistolae Ferdinandi I. et Maximiliani II. (Pest 1808); Koch, Quellen zur Geschichte