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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Medea - Mediasch.

Medēa, s. Medeia.

Medebach, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Brilon, 411 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht und (1885) 2068 meist kath. Einwohner. M., das 1180 nach dem Sturz Heinrichs des Löwen an Kurköln fiel, trat später der Hansa bei.

Medeia (Medēa), eine mit der Argonautensage eng verwobene mächtige Zauberin des Altertums, Tochter des kolchischen Königs Äetes und der Okeanide Idyia oder der Hekate, verhalf dem Iason (s. d.) zum Goldenen Vlies und entfloh mit ihm in Begleitung ihres Bruders Absyrtos, den sie aber unterwegs, als ihr Vater Äetes die Argonauten verfolgte, tötete und, in Stücke zerschnitten, ins Meer warf. Während sich Äetes damit aufhielt, die einzelnen Stücke zu sammeln, entkamen M. und Iason nach Iolkos, nachdem sie sich auf der Insel der Phäaken vermählt hatten. Da Pelias (s. d.) seinem Neffen Iason das väterliche Reich nicht abtreten wollte, wurde er von M. mit Hilfe der Töchter des Pelias, denen sie vorspiegelte, ihn in ihrem Zauberkessel zu verjüngen, aus dem Wege geschafft. Dann von Pelias' Sohn Akastos vertrieben, ging Iason mit M. nach Korinth, verstieß sie aber nach zehnjähriger Ehe, um sich mit der Glauke oder Krëusa, der Tochter des Königs Kreon, zu vermählen. Aus Rache sandte M. der Braut ein vergiftetes Gewand und Diadem zum Hochzeitsgeschenk, und jene ward, als sie es angelegt, von Flammen verzehrt. Auf Kreons Palast ließ sie dann Feuer regnen, ermordete ihre beiden Kinder Mermeros und Pheres, die sie dem Iason geboren hatte, und entfloh auf ihrem von Helios erhaltenen Drachenwagen nach Athen zum König Ägeus, dessen Gattin sie wurde, und dem sie den Medos gebar. Da sie ihren neuen Gemahl aber beinahe zur Ermordung seines Sohns Theseus verleitet hätte, mußte sie auch aus Athen fliehen und begab sich mit ihrem Sohn Medos wieder in ihre väterliche Heimat, wo sie ihren Bruder Perses, der den Vater vom Thron gestürzt hatte, ermordete und den Vater wieder in seine Herrschaft einsetzte. Zuletzt unsterblich, genoß sie göttlicher Verehrung und wurde in den Elysischen Gefilden Gemahlin des Achilleus (vgl. Argonauten). Die Sagen von M. sind oft von antiken und modernen Tragikern behandelt worden. Die Tragödien des Euripides und Seneca sind uns erhalten, die des Äschylos, Ennius u. a. verloren gegangen. Aus neuerer Zeit sind besonders die Dramen von Corneille und Grillparzer, das Melodram von Benda (Text von Gotter) und die Oper "Medea" von Cherubini zu erwähnen. Über antike Darstellungen der M. vgl. Dilthey in den "Annali dell' Institute" (1869, S. 1 ff.) und Conze in den "Historisch-philologischen Aufsätzen für E. Curtius" (Berl. 1884).

Medellin, 1) Stadt in der span. Provinz Badajoz, am Guadiana, mit (1878) 1246 Einw.; Geburtsort des Fernando Cortez. - 2) Hauptstadt des Departements Antioquia der südamerikan. Republik Kolumbien, liegt im Thal des obern Porcé, 1480 m ü. M., hat eine neue Kathedrale, eine Universität, eine Gewerbeschule, 4 Druckereien, Theater, Münze, Hospital und etwa 20,000 Einw. (1870 mit Gebiet 29,765). Porzellan und Töpferwaren werden hergestellt, Gold und Silber ausgeführt (1883 gingen vom ganzen Staat Antioquia für 3 Mill. Doll. nach Europa). M. ist Sitz eines deutschen Konsuls.

Medelpad, eine an Naturschönheiten reiche Küstenlandschaft in Schweden, bildet den südlichen Teil des Läns Westernorrland (s. d.).

Medĕls, Val, das bei Disentis (1048 m) abzweigende rechtsseitige Nebenthal des Graubündner Vorderrheins. Sein großer Thalbach, der Medelser Rhein, beginnt im Lago Scuro (2453 m), einem Gletschersee des Val Cadlimo, und bricht mit einem Wasserfall in das Hauptthal hinaus. Bei Santa Maria (1842 m), der obersten Häusergruppe des Thals, zweigt sich der Weg zum Lukmanier ab. In die wilde Hochgebirgswelt zwischen Scopi und Camotsch steigt Val Cristallina an, das an Bergkristallen reiche rechtsseitige Nebenthal, das in seiner Oberstufe zum düster-wilden Ufiern übergeht. Die Bevölkerung des ganzen Thals, 561 Köpfe stark, ist rätoromanischer Abkunft und katholisch.

Medem, der Hauptfluß des Landes Hadeln im preuß. Regierungsbezirk Stade, entfließt dem See von Bederkesa als Aue und mündet unterhalb Otterndorf schiffbar in die Elbmündung.

Medemblik, Hafenstadt in der niederländ. Provinz Nordholland, an dem Zuidersee, mit Ruinen eines alten Kastells, berühmten Käsemärkten und (1883) 2168 Einw. Das früher hier befindliche Marineinstitut wurde nach Nieuwe-Diep verlegt.

Meder, Volk, s. Medien.

Medesĭmo tempo (ital.), musikal. Vortragsbezeichnung: "im gleichen Tempo", d. h. wie im vorhergehenden Satz.

Medewi (Medwi), Dorf und Badeort in der schwed. Provinz Ostgotland, am Wettersee, mit kalten eisenhaltigen Mineralquellen und Mineralschlammbädern.

Medford, Gemeinde im nordamerikan. Staat Massachusetts, am schiffbaren Mystic River, nördlich von Boston, mit Schiffbau, dem Tuft's College der Universalisten und (1880) 7573 Einw.

Medĭa (lat., "Mittellaut"), alte Bezeichnung der drei tönenden Laute g, d, b, als in der Mitte zwischen den drei Tenues k, t, p und den drei Aspiraten kh, th, ph stehend. Vgl. Lautlehre.

Medĭa gratĭae (media salutis, lat.), s. v. w. Gnadenmittel.

Mediāl (lat.), in der Mitte befindlich.

Mediān (lat.), mittelgroß, besonders als Bezeichnung von Papierformaten üblich.

Mediānschnitt, s. v. w. Durchschnitt.

Mediante (Mittelton), in der ältern Harmonielehre die Terz der Tonika, in C dur also e; Submediante ist der unter der M. gelegene Ton (d, vgl. Dominante). Wenn die neuere Harmonielehre, welche unter der Tonika und der Dominante die Dreiklänge dieser Töne (des Tonarthaupttons, seiner Ober- und seiner Unterquinte) versteht, auch die Benennung M. zu bequemerer Ausdrucksweise beibehält, so bezeichnet sie alle drei leitereigne Mollakkorde der Durtonart, resp. die drei leitereignen Durakkorde der Molltonart als Medianten (Mittelakkorde), und zwar ist dann in C dur: a c e die M. schlechthin, d f a die Untermediante, e g h die Obermediante; in A moll: c e g die M., f a c die Untermediante und g h d die Obermediante.

Mediasch (ungar. Medgyes), Stadt im ungar. Komitat Groß-Kokelburg (Siebenbürgen), am Großen Kokel und Station der Ungarischen Staatsbahn (Klausenburg-Kronstadt), mit einer schönen, großen evang. Pfarrkirche aus dem 14. Jahrh. und vier andern Kirchen, (1881) 6499 Einw. (Sachsen, Ungarn und Rumänen, meist Evangelische Augsburger Konfession), die Handel, Gewerbe und insbesondere berühmten Weinbau treiben. M. hat eine Dampfmühle, ein evang. Obergymnasium, eine Ackerbauschule und ein Bezirksgericht. M. erhielt 1552 von Ferdinand I.