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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Medio - Medizin.

Medĭo, Getreidemaß in Guatemala, an Gewicht (bei Mais) = 7,5 kg, auch Flüssigkeitsmaß der La Plata-Staaten (vgl. Frasco).

Medĭokrität (lat.), Mittelmäßigkeit.

Mediolānum (besser Mediolanium), Hauptstadt der keltischen Insubrer in Gallia transpadana, nach Zerstörung des etruskischen Melpum 396 v. Chr. von Bellovesus gegründet, 222 von den Römern belagert und erobert, dann zu einem stark befestigten Munizipium gemacht und als solches ein blühender Sitz der Künste und Wissenschaften. Unter den spätern Kaisern galt M. als eine der wichtigsten Städte des Reichs und ward 303 unter Maximianus kaiserliche Residenz, wurde aber 452 durch die Hunnen unter Attila verwüstet. Auch nach dem Untergang des weströmischen Kaisertums blieb M. Sitz eines Erzbischofs und übertraf unter der Herrschaft Theoderichs d. Gr. sogar Rom an Wohlstand und Volkszahl. 539 von Belisar besetzt und dann von den Burgundern und Ostgoten unter Vitiges erobert und teilweise zerstört, wurde es doch bald wiederhergestellt und erholte sich sehr schnell. Jetzt Mailand (s. d.). - M. Aulercorum, antike Stadt, jetzt Evreux; M. Santonum, antike Stadt, jetzt Saintes.

Mediomatrĭca, Stadt, s. Metz.

Mediomatriker (Mediomatrici), kelt. Volk im belgischen Gallien, das mittlere Moselgebiet westlich bis zur Maas, östlich bis an das Rheingebiet bewohnend, mit der Hauptstadt Divodurum (Matrici, jetzt Metz).

Medio tutissimus ibis (lat.), "in der Mitte wirst du am sichersten gehen", d. h. der Mittelweg ist der beste, Citat aus Ovid ("Metam.", 2, 137).

Médisance (franz., spr. -sāngs), Schmähsucht; Schmährede; medisieren, schmähen, lästern.

Medische Mauer, eine 20 Parasangen (150 km) lange, 32 (?) m hohe und 6½ m dicke Mauer, welche vom Euphrat nach dem Tigris herüber aufgeführt war (etwa 37 km nördlich von Bagdad) und Babylonien gegen die Einfälle der Meder schützte. Strabon nennt sie die "Mauer der Semiramis". Der Engländer Lynch hat sie 1837 wieder aufgefunden.

Meditation (lat.), Nachdenken, sinnende Betrachtung, Andacht.

Mediterrān (lat.), mittelländisch.

Medĭum (lat.), Mitte, Mittel, etwas Vermittelndes; in der griech. Sprache ein eignes Genus des Verbums (s. d.); in der spiritistischen Weltanschauung jemand, der mit einem Magnetiseur oder der Geisterwelt in Rapport steht (s. Spiritismus).

Medĭum tenuēre beāti, lat. Sprichwort: "die Glücklichen hielten die Mittelstraße", d. h. der Mittelweg ist der beste.

Medizīn (lat. Medicina, Heilkunde und Heilkunst), die Wissenschaft vom Menschen im gesunden und kranken Zustand und die Kunst, die Gesundheit zu erhalten, der Krankheit vorzubeugen und die Heilung zu fördern. Demgemäß kann sie in wissenschaftlicher (theoretischer) und in praktischer, künstlerischer Hinsicht und Form bearbeitet, dargestellt und gelehrt werden. Als Wissenschaft hat die M. von alters her die Schicksale der Naturwissenschaften überhaupt geteilt, und noch heute gibt es keine derselben, welche nicht von Einfluß auf die M. wäre.

Die M., in ihrer weitesten Bedeutung aufgefaßt, zerfällt in eine Anzahl von Fächern, die sich wiederum in zwei Gruppen sammeln, von denen die eine den gesunden, die andre den kranken menschlichen Körper zum Gegenstand hat. Zu der ersten Gruppe gehören die Anatomie mit der Histologie, die Physiologie, die Hygieine mit der Diätetik und Eubiotik sowie die Prophylaktik. Die zweite Gruppe umfaßt die Pathologie mit Nosologie, Pathogenie und pathologische Ätiologie, die Anamnestik, Symptomatologie, Semiotik, Diagnostik und Prognostik, auch die Texikologie und namentlich die pathologische Anatomie.

Die Lehre von der Heilung der Krankheiten, von den dabei stattfindenden Lebensprozessen, ihren Zeichen, ursachlichen Momenten und der Wahl der dazu erforderlichen Mittel wird Therapie genannt. Sie zerfällt in die allgemeine und spezielle Therapie, von welchen sich die letztere mit der Heilung der einzelnen Krankheitsspezies befaßt. An die Therapie schließen sich die Pharmakologie oder Materia medica, die Pharmakodynamik und die Pharmazie mit der Rezeptierkunst an, welch letztere die Regeln zu angemessenen Vorschriften und Zusammensetzungen der einzelnen Arzneikörper enthält. Als einzelne Zweige der Pathologie und Therapie stellt man gewöhnlich auf: die Chirurgie oder Wundarzneikunst, die sogen. innere M. (welche sich mit den Krankheiten und der Heilung innerer Organe befaßt), die Geburtshilfelehre, die Seelenheilkunde, Augen- und Ohrenheilkunde etc. Die Chirurgie handelt von der Kunst, mechanische Hilfsmittel zur Beförderung der Heilung in Gebrauch zu ziehen, beschäftigt sich aber zugleich mit den einzelnen Krankheiten, welche vorzüglich durch mechanische Heilmittel kuriert werden, auf der äußern Oberfläche des Körpers ihren Sitz haben und durch äußere, besonders mechanisch wirkende, Ursachen entstanden sind. Die Geburtshilfelehre (ars obstetricia, franz. accouchement), in welcher alles abgehandelt zu werden pflegt, was sich auf das Geburtsgeschäft bezieht, ist ein besonderer Teil der Gynäkologie. Letztere beschäftigt sich mit allen denjenigen anatomischen, physiologischen, pathologischen und therapeutischen Verhältnissen, welche sich auf den weiblichen Organismus beziehen. Augen- und Ohrenheilkunde sind nur Unterabteilungen der Chirurgie. Die Seelenheilkunde (Psychiatrie) handelt von den Störungen des psychischen Lebens und von der Kunst, auf die Seele des Menschen zum Behuf der Heilung einzuwirken, die gerichtliche M. von den Untersuchungen an lebenden Personen sowie an Leichen zum Zweck der Beantwortung von Rechtsfragen. Schon diese Übersicht der Wissenschaften, aus denen sich die eigentliche M. aufbauen muß, lehrt, daß sie nur eine Tochter der Zeit ist und sein kann. Sie mußte jahrtausendelang voll Irrtümer bleiben und eine Unzahl zusammenhangsloser Einzelerfahrungen und Einzelregeln darstellen, bis die Grundwissenschaften, Physik, Chemie, Naturgeschichte, Anatomie und Physiologie, sich zu dem Rang wirklich exakter Naturwissenschaften erhoben, worauf auch die M. angefangen hat, sich auf diese Stufe zu erheben. Man nennt diese die "neuere M.", weniger richtig die "neuere Schule", indem hier von keiner dogmatischen Schule, sondern nur von der Gesamtheit der echt naturwissenschaftlich denkenden und forschenden Ärzte die Rede sein kann.

Geschichte der Medizin.

Die Geschichte der M. beginnt mit dem ersten Versuch einer rationellen Beobachtung und Behandlung der Krankheiten und bewegt sich auch ferner ganz auf diesem Gebiet, indes sie die rein empirischen Bestrebungen beiseite liegen läßt. Diese haben zu allen Zeiten und besonders im Altertum unter dem Volk existiert, während die eigentliche M. als Beruf immer von einem bestimmten Stand gepflegt und weitergebildet wurde. Bei den Völkern des Altertums stand die Heilkunst wesentlich mit dem religiösen Kultus