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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Meer

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Meer (Temperatur des Meerwassers, Strömungen).

von der amerikanischen Korvette Tuscarora in 48° 21' nördl. Br. und 155° 25' östl. L. am 5. Juli 1874 gemessen wurde. Oberfläche: 6,6°, 91 m Tiefe 0,4°, 183 m Tiefe 0,3°, 366 m Tiefe 0,7°, am Boden in 3500 m Tiefe - 0,4° C. Im Atlantischen Ozean zeigt die Grenzfläche der kalten Schicht eine deutliche Neigung von S. nach N. Der Challenger fand die 3° Temperaturfläche zwischen den Falklandinseln und Tristan d'Acunha in 1000 m, zwischen Salvador und dem Kap der Guten Hoffnung in 1100 m, auf dem Äquator in 1800-2000 m, zwischen Bermudas und Madeira nahe ebenso in 1800-2200 m.

Die Temperaturverhältnisse am Grund lassen folgende Zusammenstellung der in den verschiedenen Meeresteilen gefundenen niedrigsten Bodentemperaturen erkennen:

Östlicher Teil: niedrigste Temperatur °C. Tiefe Meter Mittlerer Teil: niedrigste Temperatur °C. Tiefe Meter Westlicher Teil: niedrigste Temperatur °C. Tiefe Meter

Nördlicher Atlantischer Ozean 1,6^{1} 4526 0,9^{2} 4160 0,8 3482

Südlicher Atlantischer Ozean 0,5 4252 0,4^{3} 5170 -0,6 4892

Nördlicher Stiller Ozean 0,3^{4} 3948 0,3 4636 -0,4 3509

Südlicher Stiller Ozean 0,7 4151 0,5^{5} 5303 0,6 4755

Indischer Ozean -0,6 3566 0,7 4618 1,4 3475

^{1} In 2° 52' nördl. Br. ^{2} In 0° 9' nördl. Br. ^{3} In 2° 42' südl. Br. ^{4} In 26° 22' nördl. Br. ^{5} In 25° 5' südl. Br.

Nicht minder auffallend wie die Temperaturen dieser Kaltwasserschicht ist die Verbreitung der darüber liegenden wärmern Wasserbedeckung. Im Atlantischen Ozean findet man in unmittelbarer Nähe und nördlich vom Äquator erstaunliche Temperaturabnahmen in den obern 100-200 m. So fand der Challenger in 12° 15' nördl. Br., 22° 28' westl. L.

Oberfläche 25 Faden 50 Faden 75 Faden 100 Faden

25,9° 15,7° 12,3° 11,8° 10,8°

200 Faden 300 Faden 400 Faden 500 Faden

9,3° 7,8° 6,2° 5,0°

Im nördlichen Atlantischen Ozean zwischen 30 und 40° nördl. Br. dagegen ist die größte Ansammlung warmen Wassers vorhanden, welche überhaupt im offenen Ozean angetroffen wird. Bis zu 600 m Tiefe findet man hier noch warmes Wasser von 15° und darüber. Dieses Reservoir warmen Wassers bildet die so überaus wirksame Wärmequelle für das gemäßigte Klima Westeuropas bis nach Spitzbergen hinauf und wird von warmen Oberflächenströmen gespeist. Die Ursache der geschilderten Temperaturverteilung in den Ozeanen muß in den oben berührten Dichtigkeitsverhältnissen gesucht werden, welchen zufolge das von oben her abgekühlte Wasser stets in die Tiefe sinkt, während das von oben her erwärmte Wasser sich an der Oberfläche ausdehnt. Das kalte Wasser wird infolgedessen in der Tiefe auch einen seitlichen Druck ausüben und sich in der ganzen Ausdehnung des Meeresbeckens über den Boden hin auszubreiten streben. Ist dann eine solche Anordnung der kalten Wasserschichten erreicht, wie sie thatsächlich angetroffen wird, so ist ein äußerst langsames Zudrängen des polaren Wassers am Boden hinreichend, um diesen Zustand aufrecht zu erhalten und einer Erwärmung der tiefen Schichten in der heißen Zone von oben her das Gleichgewicht zu halten. Von der Annahme kalter Strömungen von meßbarer Geschwindigkeit in der Tiefe ist also ganz abzusehen. Das Zudrängen des polaren Wassers nach dem Äquator hin verrät sich aber dadurch, daß überall da die kältesten Bodentemperaturen angetroffen werden, wo in der Tiefe die freieste Kommunikation mit den Eismeeren vorhanden ist. Besonders deutlich zeigt sich dies an dem westlichen tiefen Teil des Südatlantischen Ozeans, wo sich Tiefentemperaturen unter 0° bis zum Äquator hin finden. Ebenso deutet das Emporsteigen der kalten Schichten im nördlichen Teil des Indischen Ozeans und des Stillen Ozeans auf ein Nachdrängen kalten Wassers von Süden her in das gegen Norden abgeschlossene Becken hinein. Da auch der Atlantische Ozean gegen das Nördliche Eismeer durch ein unterseeisches Plateau (von Grönland nach England verlaufend) abgeschlossen ist, so lassen sich alle drei Ozeane in Bezug auf ihre thermalen Verhältnisse als große Meerbusen des antarktischen Wassergebiets betrachten. Vgl. Polareis.

Die Temperaturverteilung in Binnenmeeren, welche bis zu einer gewissen Tiefe gegen den offenen Ozean abgesperrt sind, bietet den klarsten Beleg für den polaren Ursprung der niedrigen Bodentemperaturen. In solchen abgeschlossenen Becken übersteigt die Temperaturerniedrigung nämlich in keinem Fall diejenige, welche der Tiefenschicht auf der absperrenden Bodenerhebung zukommt. Nur wenn die Winterkälte des Ortes niedriger ist als die Temperatur dieser Schicht, kann die Temperatur noch um diese Differenz erniedrigt werden. Solche Verhältnisse werden beobachtet im Mittelmeer, welches nur bis 350 m Tiefe mit dem Atlantischen Ozean in Verbindung steht, welcher Tiefe eine Temperatur von 14° C. im Atlantischen Ozean zukommt. Die Temperatur in den größten Tiefen des Mittelmeers entspricht daher der Wintertemperatur der Luft (12,8-13,6°). Im Karibischen M. und im Mexikanischen Meerbusen sinkt ebenso die Bodentemperatur nirgends unter 4,4°, entsprechend der Tiefe auf dem absperrenden submarinen Rücken von 1500 m, während außerhalb dieses Rückens die Bodentemperatur noch um mehrere Grad sinkt. Umgekehrt hat diese Erfahrung aus den beobachteten Tiefentemperaturen auf eine nicht direkt ausgelotete absperrende Bodenerhebung zu schließen gestattet, so für die Sulusee (s. Fig. 2), welche von 740 m bis zum Grund in 4700 m eine konstante Temperatur von 10-10,3° aufweist. Die Differenzen der Temperaturminima in den verschiedenen Teilen des Südatlantischen Ozeans (s. die Tabelle oben) u. a. sind ebenfalls auf solche submarine Bodenerhebungen zurückzuführen.

[Meeresströmungen.] Ganz anders als die Wasserzirkulation in der Tiefe gestaltet sich die des Oberflächenwassers. In allen Ozeanen (vgl. die Karte) beobachtet man eine äquatoriale Strömung in der Richtung von O. nach W., welche sich im W., der Konfiguration der Küsten entsprechend, nach N. oder S. weiter verfolgen läßt (Nordatlantischer Ozean: Golfstrom, Südatlantischer Ozean: Brasilischer Strom, Stiller Ozean: Kurosiwo, Indischer Ozean: Agulhasstrom). Die primäre Ursache dieser Strömungen ist in den Passatwinden zu suchen. Diese beständig nach dem Äquator zu gerichteten und nach W. abgelenkten Luftströmungen treiben die zu Wellen aufgeregte Oberflächenschicht in westlicher Richtung fort, und vermöge