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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Meer

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Meer (Pflanzenleben).

Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit solcher Wellen ist unabhängig von der Höhe, aber nimmt mit der Wellenlänge (l) zu nach der Relation v = √(gl / 2π) = 1,25 √l, wo v die Geschwindigkeit in Metern pro Sekunde bezeichnet. Dem entsprechend fand sich die Geschwindigkeit in der Bucht von Viscaya auch zu 21 m.

Am meisten der Theorie entsprechend bilden sich die Wellenformen aus, wenn der Wind nicht mehr direkt einwirkt, also in der sich weit fortpflanzenden und lange anhaltenden Wellenbewegung, welche man als Dünung bezeichnet. Eine solche Dünung ist im offenen Ozean bei Windstille fast die Regel, sie macht sich auf außerordentlich weite Entfernungen bemerklich und ist daher ebensowenig als Anzeichen eines bevorstehenden wie als Nachwirkung eines erloschenen Sturmes anzusehen. Im Atlantischen Ozean findet man nicht selten im ganzen Gebiet des Nordostpassats und noch südlich vom Äquator hohe Nordwestdünung, welche aus den nördlichen Breiten stammt. Die merkwürdige Erscheinung der Roller an den Inseln des Südatlantischen Ozeans und den Antillen, welche auch an der Westküste Afrikas unter der Bezeichnung Kaléma bekannt ist, muß als von den Stürmen in höhern Breiten herrührend erklärt werden. Diese Roller sind hohe Wellenzüge, welche, zeitweise auf die Küste zulaufend, eine hohe Brandung erregen, welche jeden Verkehr der Schiffe mit dem Land unterbrechen und auf flachem Wasser ankernden Schiffen gefährlich werden.

Pflanzen- und Tierleben des Meers. Nutzen etc.

Wie das Festland, ist auch das M. reich belebt von Pflanzen und Tieren. Die Pflanzen bilden eine von der des festen Landes wesentlich abweichende Vegetation, welche auch mit der Flora des süßen Wassers wenig Übereinstimmendes hat. Sie besteht, wenn man von den Rhizophoren und Avicennien absieht, die mit andern Holzgewächsen die undurchdringlichen Mangrovewaldungen an den Küsten des tropischen Südamerika bilden und so sehr Kinder des Meers sind, daß die Brandung oft über ihre Kronen hinwegbraust, ohne ihr Wachstum zu beeinträchtigen, fast ausschließlich aus dem M. eigentümlichen Gattungen von Algen (s. Tafel "Algen"), und besonders haben die Tange (Fukaceen und Florideen) hier ihre eigentliche Heimat; sie bedingen den eigenartigen Charakter der marinen Flora, welche, wenn auch aus andern Formen gebildet, doch an Fülle und Großartigkeit der Landvegetation kaum nachsteht. Die Tange mit ihrem auf Klippen und dem Meeresgrund festgewachsenen, an verzweigte und beblätterte Stämme der höhern Pflanzen erinnernden, äußerst mannigfaltig gestalteten, ansehnlichen Thallus sind zur Bildung einer so formenreichen Vegetation besonders geeignet. Zu den stets dunkel olivenbraun gefärbten Fukaceen gehören die größern und kräftigern Pflanzen und die Riesen des Meers. So bildet der Blasentang (Fucus vesiculosus) ausgedehnte buschige Rasen in den Meeren der gemäßigten und kältern Zone. Ebendaselbst finden sich die Laminarien mit holzigem Stiel und riesenhaftem, lederartigem Blatt. Lessonia fuscescens Bory bildet unterseeische Wälder an der Küste von Chile und in der Südsee. Ebenfalls in der Südsee findet sich die gigantische Macrocystis pyrifera Ag., deren bis 300 m langer, federkieldicker Thallus bis 1,25 m lange Blätter trägt und durch Luftblasen sich schwimmend erhält. Das Sargassokraut (Sargassum), ein vielfach verästeltes Gewächs mit kleinen, gezahnten Blättern und zahlreichen, luftgefüllten, großen, roten Blasen, treibt massenhaft im Atlantischen Ozean, von Strömungen u. Winden abhängig, auf einem großen, aber immerhin begrenzten Terrain und hat Veranlassung gegeben zu den Berichten über ein Sargassomeer oder die Fucusbank, welche seit Jahrhunderten Ort und Grenze nicht verändert haben und Schiffe in ihrem Lauf zu hemmen vermögen sollte. Diese Vorstellungen sind durch neue Beobachtungen wesentlich modifiziert worden. Anhäufungen von solcher Mannhaftigkeit gibt es nicht, und von einem konstanten Areal eines Sargassomeers ist nicht zu reden. Die Florideen schmücken als kleinere, zartere Gewächse von rosenroter Farbe die Klippen und Tiefen des Meers. Plocamium coccineum Lyngb., Porphyra vulgaris Ag., Chondrus crispus Lyngb., Delesseria alata Lamour. u. a. bilden hauptsächlich diese Vegetation. Außerdem ist aber das M. auch reich an kleinern Algen, welche ähnlich wie in unsern süßen Gewässern größere Pflanzen, Fels etc. wie Flocken oder Filz überziehen. Auch dies sind meist Fukaceen und Florideen, zum Teil auch grüne Konfervaceen und Siphoneen. Von den mikroskopisch kleinen, einzelligen Algen finden sich besonders Diatomeen in Menge und in einer großen Anzahl von Arten, welche teils Gattungen, die auch Süßwasserarten enthalten, teils rein marinen Gattungen angehören. Von dem massenhaften Auftreten gewisser Protokokkaceen und Oscillarien rühren die periodischen Rotfärbungen der Meeresoberfläche her. So gab Trichodesmium erythraeum Ehrb., eine aus geraden, rötlichen Fäden bestehende Oscillarie, dem Roten M. den Namen. Sie erfüllt das Wasser desselben in den obern Schichten, und die Wellen führen sie als blutrote, schleimige Masse ans Ufer, welche zur Ebbezeit einen breiten roten Saum erzeugt. Protococcus atlanticus Mont. färbt bisweilen die Oberfläche des Meers an der Westküste von Portugal auf mehrere Quadratmeilen rot. Bakterien tragen zum Leuchten des Meers wesentlich bei. Außer den Algen finden sich im M. wenige kleine Schmarotzerpilze und von Phanerogamen nur 26 Arten, welche den monokotylen Pflanzenfamilien der Potameen und Hydrochoridaceen angehören. Man faßt sie als Seegräser zusammen, weil sie meist aus schlankem, kriechendem Stämmchen schmale, grasartige, mit langen Scheiden versehene Blätter entsenden. Sie leben meist gesellig und überziehen in dichtem Rasen wiesenartig oft weite Strecken des Meeresgrundes. Am bekanntesten ist das Seegras der Nord- und Ostsee (Zostera marina). Wie die Flora des Landes, zeigen die Algen die größte Artenzahl und die größte Entwickelung unter den Tropen; doch nähren auch die Meere in höhern Breiten oft eine reiche Vegetation, und die großen submarinen Wälder sind besonders im nördlichen Stillen Ozean und im südlichen Atlantischen Ozean bei den Falklandinseln beobachtet worden. Nur die Küsten des antarktischen Kontinents sollen nicht mit Algen geschmückt sein. Auch die Seegräser sind mit Ausnahme der arktischen (und vermutlich auch der antarktischen) Gewässer unter allen Breiten gefunden worden. Eigentümlich ist die Verteilung der verschieden gefärbten Algen nach gewissen Standorten. So sind fast alle lebhaft grünen Algen Bewohner des ganz flachen Wassers. Die olivengrünen Algen finden sich vorzugsweise zwischen der Grenze der höchsten Flut und tiefsten Ebbe; die roten bevorzugen das tiefste Wasser, aber sehr tief gehen die höhern Algen nicht in das M. hinab.