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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mehlkreide; Mehlsack; Mehlschraube; Mehltau; Mehlwurm; Mehmed; Mehren; Mehrlader; Mehrwert; Mehrzahl; Mehs; Méhul

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Mehlkreide - Méhul.

den, durch die Backen eingeschnittenen Augen, ziemlich kurzen, schnurförmigen Fühlern, quer viereckigem Thorax und schlanken Beinen, pechbraun, etwas glänzend, unten rotbraun, mit länglichen, schwach punktiert gestreiften Flügeldecken, findet sich häufig in den Häusern der Bäcker, Müller, Mehlhändler, auf Böden, unter Mehlkisten etc., wo sich auch die gelblichbraune, sehr glatte Larve mit kleinem, augenlosem Kopf, kurzen Fühlern, sechs Beinen und am letzten Leibesring mit zwei schwarzen, nach oben gerichteten Hornspitzchen, der bekannte Mehlwurm, entwickelt, welcher von Mehl, Kleie, Brot etc. lebt. Er kann bei bedeutender Vermehrung sehr lästig und schädlich werden, wird aber als treffliches Futter für die meisten Stubenvögel und Reptilien in Töpfen, die man mit Kleie, Brot, alten Lappen etc. füllt, und in welche man ab und zu eine tote Maus oder einen toten Vogel legt, gezogen. Die Puppe entwickelt sich Ende Juli, und nach einigen Wochen schlüpft der Käfer aus. Die ganze Entwickelung nimmt etwa ein Jahr in Anspruch.

Mehlkreide, s. Bergmilch.

Mehlsack, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Braunsberg, an der Walsch, Knotenpunkt der Linien Allenstein-Kobbelbude und Braunsberg-M. der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und 2 kath. Kirchen, eine Synagoge, ein altes Schloß, ein Amtsgericht, Mahl- und Schneidemühlen, Eisengießerei und Maschinenbau, Ziegeleien, Flachsbau und (1885) 3945 meist kath. Einwohner.

Mehlschraube (Mehlschnecke), Vorrichtung in Mühlen zum Transport des Mehls vom Mahlgang zum Sieb etc.

Mehltau, s. Meltau.

Mehlwurm, s. Mehlkäfer.

Mehmed, türk. Name, s. v. w. Mahmud.

Mehren, in der alten. Rechtssprache s. v. w. teilen; daher abgemehrte Kinder, abgefundene Kinder, die statt ihres einstigen Erbes eine Summe voraus bekommen haben.

Mehrlader, s. v. w. Repetiergewehr, s. Handfeuerwaffen, S. 107.

Mehrwert, eine sozialistische Bezeichnung, nach Marx der Unterschied zwischen dem Arbeitsertrag und dem Arbeitslohn. Der Wert der Waren soll nach Marx durch die Arbeitszeit bemessen werden, welche nach Maßgabe der gegebenen gesamten wirtschaftlichen Bedingungen notwendig sei, um dieselben herzustellen. Der Arbeiter brauche zur Herstellung dessen, was er mit Hilfe seines erzielten Lohns erlangt, eine bestimmte (die notwendige) Arbeitszeit. Thatsächlich aber werde er eine längere Zeit (wirkliche Arbeitszeit) hindurch beschäftigt. Der Unterschied zwischen der wirklichen und der notwendigen Arbeitszeit sei ebenfalls gleich dem M., welcher dem Kapitalisten als unverdiente Frucht in den Schoß falle. Doch steckt in der Marxschen Darstellung ein logischer Fehler. Marx selbst gibt zu, daß die kapitalistische Verfassung der Gesellschaft eine unentbehrliche Entwickelungsstufe für die Kultur sei. Wollte man diese Verfassung, solange sie eben wirklich unentbehrlich ist, beseitigen, so würde leicht die notwendige Arbeitszeit länger als die heutige wirkliche sein. Die heute thatsächlich notwendige Arbeitszeit verhält sich darum zur wirklichen keineswegs wie die Gesamtsumme der Löhne zum gesamten Volkseinkommen.

Mehrzahl (Pluralis), s. Numerus.

Mehs, Gewicht und Münze, s. Mas.

Méhul (spr- me-ül), Etienne Nicolas, Komponist, geb. 22. Juni 1763 zu Givet, zeigte sehr früh ein außerordentliches Talent zur Musik und machte trotz mangelhafter Unterweisung solche Fortschritte, daß er im elften Jahr die Organistenstelle an der Franziskanerkirche zu Givet und darauf eine Alumnenstelle in der Abtei Lavaldieu erhielt. Dort hatte er zeitweilig die Absicht, sich dem geistlichen Stand zu widmen, gab dieselbe jedoch auf, als sich ihm Gelegenheit bot, behufs weiterer künstlerischer Ausbildung nach Paris zu gehen. Hier machte die Bekanntschaft mit der Gluckschen Opernmusik ihn zu deren begeistertem Verehrer und gab seinem Schaffen die entsprechende Richtung; zugleich trat er dem Meister persönlich nahe, der ihn mit seinen Ratschlägen unterstützte, und unter dessen Leitung M. drei Opern: "Psyche", "Anacréon" und "Lausus et Lydie", komponierte. Die erste Oper Mehúls, welche (1790) zur Aufführung gelangte, war "Euphrosine et Corradin"; sie machte seinen Namen rasch bekannt. Indessen fanden die nachfolgenden Werke ("Adrien" 1793, "La caverne" 1795 u. a.) nur geringen Beifall, und seine 1797 aufgeführte Oper "La chasse du jeune Henri" wurde, nachdem die Ouvertüre mit Begeisterung aufgenommen war, sogar erbarmungslos ausgepfiffen, weil man eine der Republik feindliche politische Gesinnung in ihr zu entdecken glaubte. Auch in den folgenden Jahren gelang es ihm nicht, die Aufmerksamkeit des Pariser Publikums auf sich zu lenken, weil dasselbe, Napoleon I. an der Spitze, der neapolitanischen Oper der Paesiello, Zingarelli etc. einseitig ergeben war. M. rächte sich dafür durch eine Mystifikation, indem er seine im italienischen Stil gehaltene Oper "L'Irato" für das Werk eines Neapolitaners ausgab und in Szene gehen ließ, das nun den allgemeinsten Beifall erhielt. Es folgten dann die Opern: "Une folie" (1801, in Deutschland bekannt u. d. T.: "Je toller, je besser"), "Les aveugles de Tolède" (1806) u. a., die warme Teilnahme fanden. Seine bedeutendste Schöpfung ist die 1807 vollendete Oper "Joseph", die seinen Ruhm auch für die Nachwelt begründete, indessen anfangs mehr in den französischen Provinzen und in Deutschland (u. d. T.: "Joseph in Ägypten") als in Paris gewürdigt wurde. Außer den Symphonien, welche M. für die Konzerte des Konservatoriums schrieb, ist noch seiner musikalischen Thätigkeit auf politischem Gebiet zu gedenken. Er war recht eigentlich der Komponist der Revolution. Auf ihn ist die Melodie des "Chant du départ" von Chénier zurückzuführen, welcher neben der Marseillaise die Soldaten der Revolutionsarmee zur Schlacht begeisterte. Auch der "Chant de victoire", "Chant de retour" und "Chanson de Roland" errangen Popularität, und die Gelegenheitskompositionen zu den großen republikanischen Festen, z. B. "Le pont de Lodi", die Musik für zwei Chöre und zwei Orchester zur Feier der Schlacht bei Marengo, die Musik zu Chéniers "Timoléon", sowie andre Werke dieser Art fanden enthusiastische Aufnahme. Daneben widmete sich M. mit Eifer dem Unterricht und beteiligte sich namentlich als einer der vier Inspektoren des Konservatoriums an der Reorganisation dieser Anstalt von 1795 (dem Jahr ihrer Eröffnung) bis 1810, wo er, zum Ritter der Ehrenlegion ernannt und mit einem lebenslänglichen Jahresgehalt von 2000 Frank, den man dem Meister auch nach dem Sturz Napoleons nicht entzog, in den Ruhestand trat. Mitglied der französischen Akademie und hochgeehrt als Künstler sowie als Mann von energischem Charakter, unwandelbarer Redlichkeit und großer Herzensgüte, starb M. 18. Okt. 1817. Gründlichkeit, Tiefe, Charakteristik und Wahrheit waren die Vor-^[folgende Seite]