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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Menschenfresserei; Menschenfreund; Menschenhaut; Menschenopfer; Menschenrassen

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Menschenfresserei - Menschenrassen.

den aufgefundenen Verhältniszahlen sollen die Gesetze des "goldenen Schnittes" zur Geltung kommen. Man berechnet in der Regel die Größe der einzelnen Teile nach Kopf- oder Nasenlängen. Die genaue Ausmessung der sämtlichen Körperteile ist Aufgabe der Anthropometrie, welche die Grundlage für die Rassen- und Völkerkunde bildet. Vgl. Schadow, Polyklet, oder von den Maßen der Menschen (3. Aufl., Berl. 1877); Quételet, Über den Menschen und die Entwickelung seiner Fähigkeiten (deutsch von Riecke, Stuttg. 1838); Weisbach, Körpermessungen verschiedener Menschenrassen (in der "Novara-Reise", Wien 1868, und in der "Zeitschrift für Ethnologie", Berl. 1878); Gould, Investigations in the military and anthropological statistics of American soldiers (New York 1869); Quételet, Physique sociale, Bd. 2 (Brüssel 1869); Derselbe, Anthropométrie (das. 1870); Harleß, Lehrbuch der plastischen Anatomie (2. Aufl. von R. Hartmann, Stuttg. 1876). Die Körperlänge erreicht nach Quételet ihr Maximum erst im 25.-30. Jahr und nimmt vom 50. Jahr an wieder ab. Ebenso wie die einzelnen Lebensabschnitte, haben auch das männliche und das weibliche Geschlecht verschiedene Wachstums- und Proportionsverhältnisse. Das erste Lebensjahr umfaßt das Säuglingsalter; die ersten sieben Lebensjahre, d. h. die Zeit vom Durchbruch der Zähne bis zum Wechseln derselben, werden als Kindesalter bezeichnet; das Jugendalter (Knaben- und Mädchenjahre) reicht bis zur eintretenden Mannbarkeit; hieran reiht sich das Jünglings- und Jungfrauenalter bis zum vollendeten Wachstum im 24. Jahr für den Mann, im 20. Jahr für das Weib; von da an beginnt das Mannesalter, vom 50.-55. Jahr an das Greisenalter. Das höhere Greisenalter ist die Zeit des Welkens (Involutionsperiode), und schon in dem Alter von 40-45 Jahren hört das Weib auf, zeugungsfähig zu sein (klimakterische Jahre). Das Körpergewicht des Neugebornen beträgt meistens 3-3½ kg, das mittlere des Mannes 63-75 kg, das des Weibes 55-65 kg; im höhern Alter gehen 6-7 kg durchschnittlich wieder verloren. Klima, Lebensweise etc. beeinflussen die Lebensdauer (s. Sterblichkeit); der Tod an Altersschwäche tritt in der Regel zwischen dem 60. und 80. Jahr ein.

Vgl. Huxley, Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur (deutsch von Carus, Braunschw. 1863); Vogt, Vorlesungen über den Menschen (Gieß. 1863, 2 Bde.); Lyell, Das Alter des Menschengeschlechts (deutsch, 2. Aufl., Leipz. 1873); Le Hon, L'homme fossil (4. Aufl., Brüssel 1877); Lubbock, Die vorgeschichtliche Zeit (deutsch, Jena 1874, 2 Bde.); Darwin, Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl (deutsch, 4. Aufl., Stuttg. 1882, 2 Bde.); Derselbe, Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren (deutsch, 4. Aufl., das. 1884); Fuhlrott, Der fossile M. aus dem Neanderthal (Duisb. 1865); Ratzel, Vorgeschichte des europäischen Menschen (Münch. 1874); Dawkins, Die Höhlen und die Ureinwohner Europas (deutsch, Leipz. 1876); Baer, Der vorgeschichtliche M. (hrsg. von Hellwald, das. 1873-74); de Quatrefages, Das Menschengeschlecht (deutsch, das. 1878, 2 Bde.); Joly, Der M. vor der Zeit der Metalle (deutsch, das. 1880); Marquis de Nadaillac, Les premiers hommes et les temps préhistoriques (Par. 1881) und "L'Amérique préhistorique" (das. 1883; beide Werke vereinigt deutsch von Schlösser u. Seler u. d. T.: "Die ersten Menschen und die prähistorischen Zeiten", Stuttg. 1884); Geikie, Prehistoric Europe (Lond. 1881); Ranke, Der M. (Leipz. 1886, 2 Bde.). Vgl. auch die Litteratur bei Anthropologie.

Menschenfresserei, s. Anthropophagie.

Menschenfreund, s. Philanthrop.

Menschenhaut ist mehrfach zur Herstellung von Leder benutzt worden. In der Zittauer Ratsbibliothek befindet sich eine vollständige gegerbte M., die von einem Räuber stammt. Sie ist weiß und fühlt sich wie derbes Handschuhleder an. Ein Graf von Erbach in Hessen ließ sich einst aus der Haut eines Wildschützen Hosen machen, und ebenso wurden früher in Hessen vielfach Leibriemen und Hirschfängerscheiden aus M. vom gräflichen Forstpersonal getragen. Im bayrischen Armeemuseum befindet sich eine Janitscharentrommel, welche mit M. bespannt ist, und Ziska soll angeordnet haben, daß nach seinem Tod seine Haut auf eine Trommel gezogen werde, um mit deren wildem Klang seine Scharen zu begeistern. Am ausgiebigsten hat die französische Revolution Gebrauch von M. gemacht. Ein Rapport vom 20. Sept. 1794 berichtet von einem Fabrikanten in Meudon, der die Haut Guillotinierter zu Leder verarbeitete, und der Nationalkonvent unterstützte diese Industrie mit 45,000 Fr. Der Citoyen Egalité soll Hosen nur noch aus solchem Leder getragen haben. Nach Hyrtl ("Anatomie") besaß Granier de Cassagnac ein in M. gebundenes Exemplar der Konstitution von 1793. Auf der Göttinger Bibliothek befindet sich ein Exemplar des Hippokrates, in M. gebunden.

Menschenopfer, in vielen ältern Kulten gebräuchliche Opfer lebender Menschen. In Ägypten wurden z. B. dem Busiris rothaarige Menschen geopfert, in verschiedenen semitischen Kulten dem Moloch (Melkart) die menschliche Erstgeburt dargebracht, und selbst den alten indischen, griechischen und italienischen Kulten fehlte dieser grausame Gebrauch nicht. Mit dem Fortschreiten der Gesittung wurden diese Opfer gemildert oder abgeschafft, so z. B. zunächst statt der Eingebornen Kriegsgefangene und Sklaven, dann stellvertretende Tiere und zuletzt nur noch Puppen u. dgl. geopfert. Auch wurden statt der Menschen Teile von ihrem Körper, z. B. die Vorhaut bei den Semiten, Haar und auch wohl ein einzelner Finger oder eine Portion Blut, als Lösungsmittel für das Leben hergegeben. Der Akt der Ablösung wurde in besondern Mythen (Iphigenia) verherrlicht und bestimmten Wohlthätern der Menschheit (z. B. dem Herkules, Perseus und Numa) als Verdienst angerechnet. Während das M. (namentlich das eines Kindes) als das Teuerste galt, was man den Göttern darbringen konnte, also immer den Sinn des Opfers beibehielt, gehören die ehemals sehr verbreiteten M. am Grab Verstorbener (s. Manendienst, Trauerverstümmelung und Totenbestattung) einem andern Ideenkreis an, obwohl sie einer ähnlichen Ablösung unterlagen. M. fanden in prähistorischer Zeit auch in unsern Gegenden sicher statt, wie dies ja auch von den alten Germanen von den alten Schriftstellern (Tacitus) berichtet wird. Sichere Spuren davon sind bis jetzt in den Altertümern nur selten gefunden worden, obgleich früher viel darüber geschrieben worden ist. Fraas fand z. B. in einer alten Ansiedelung auf dem Lochenstein in Württemberg einen zertrümmerten menschlichen Schädel mit ungewöhnlich starken Wandungen und ein zerhacktes Schienbein, welche in alten Zeiten und wahrscheinlich in noch frischem Zustand so übel hergerichtet worden waren.

Menschenrassen, die verschiedenen durch besondere typische Eigenschaften (Rassencharaktere) gekennzeich-^[folgende Seite]