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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Menstrŭum; Mensuāl; Mensūr; Mensurābel; Mensurālmusik

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Menstruum - Mensuralmusik.

zeichnet das Aufhören dieser Fähigkeit. In südlichen Klimaten tritt die M. schon bei Mädchen von 8-12 Jahren ein, erlischt dafür auch um so früher; in nördlichen Gegenden dagegen fällt der Eintritt der M. erst in das 18.-20. Jahr. Die physiologische Bedeutung der M. beruht in der jedesmal dabei stattfindenden Abstoßung eines reifen, befruchtungsfähigen Eies aus dem Eierstock, welches in den Eileiter und durch diesen in die Gebärmutter übertritt. Dabei wird die Schleimhaut der Gebärmutter sehr blutreich und schwillt bedeutend an, die oberflächliche Schicht der Schleimhaut wird abgestoßen, so daß Bestandteile derselben im Menstrualblut sich vorfinden. Die Schleimabsonderung in der Scheide, in geringerm Grad auch in der Gebärmutter, nimmt zu, die äußern Genitalien werden blutreicher und wärmer; viele Kapillargefäße der Gebärmutterschleimhaut zerreißen infolge ihrer übermäßigen Anfüllung mit Blut, und das vergossene Blut läuft eben als Menstrualblut ab. Bei gesunden weiblichen Individuen dauert die Menstrualblutung 2-5 Tage; die Menge des vergossenen Bluts wechselt zwischen 0,1 u. 0,2 kg. Die M. verläuft unter Symptomen, welche sonst nur pathologischen Prozessen zukommen. Der Blutandrang zu den Beckenorganen, vorzugsweise die Veränderungen an der Gebärmutter, wodurch sich letztere gleichsam zur Aufnahme des Eies vorbereitet, veranlassen das Gefühl von Zerren und erhöhter Wärme in der Beckengegend; auch die Brüste, welche anschwellen, sind öfters der Sitz leichter Schmerzempfindungen. Die Zahl der Pulsschläge ist vermehrt, der Puls manchmal unregelmäßig, der Herzstoß kräftiger, die Atemzüge etwas beschleunigt, die Hautausdünstung häufig von ganz eigentümlichem Geruch. Der Appetit ist bald vermindert, bald auch merklich gesteigert. Schmerzen in der Kreuzgegend und im Rücken sowie flüchtige, kolikartige Schmerzen stellen sich manchmal ein. Die Haut ist blässer, etwas gedunsen, die Stimme rauher, die Schilddrüse etwas angeschwollen. Die Leistungsfähigkeit der Muskeln ist während der M. geringer, die Gesichtszüge sind schlaffer, das Auge ist weniger lebhaft. Übrigens besteht eine größere Empfindlichkeit der Sinnesorgane gegen äußere Eindrücke. Das Schlafbedürfnis ist größer; Hitzegefühl abwechselnd mit Frösteln, Eingenommenheit des Kopfes, Unlust zu geistigen Anstrengungen und eine gewisse Reizbarkeit des Gemüts sind ganz gewöhnliche Erscheinungen bei der M. Während der Schwangerschaft und der Säugungsperiode setzt die M. aus; doch findet in seltenen Fällen eine Menstrualblutung auch während der Schwangerschaft, meist jedoch nur in den ersten zwei oder drei Monaten derselben, statt. Sehr selten kehrt die Menstrualblutung bis zu Ende der Schwangerschaft ganz in der nämlichen Weise wie außer derselben regelmäßig wieder. Die subjektiven Beschwerden, mit welchen die M. gewöhnlich einhergeht, erheischen nur ein geregeltes diätetisches Verhalten: körperliche und geistige Ruhe, Aufenthalt in kühler Luft, aber Vermeidung von Erkältung und Diätfehlern. Die Menstruationsstörungen und Menstruationsanomalien gehören zu den häufigsten pathologischen Vorkommnissen während der Zeit der Fortpflanzungsfähigkeit des weiblichen Organismus. Ein zu früher Eintritt der M. (Menstruatio praecox) kommt nicht häufig vor. Wenn in unserm Klima die M. nicht im 14.-16., sondern schon im 12.-14. Jahr eintritt, so ist dies nur dann eine krankhafte Erscheinung, wenn der Körper noch verhältnismäßig unentwickelt ist. Man beobachtet aber auch bei scheinbar völlig unentwickelten elf- bis zwölfjährigen Mädchen zuweilen regelmäßig wiederkehrende und von allen Symptomen der M. begleitete Blutungen aus den Genitalien, und die Erfahrung lehrt, daß fast alle solche Mädchen später an hartnäckiger Bleichsucht erkranken. Unter vikarierender M. versteht man Blutungen aus Schleimhäuten, aus Wunden in Gefäßgeschwülsten, welche statt der ausbleibenden Blutung aus den Genitalien oder neben einem geringfügigen Blutverlust aus denselben stattfinden. Allzu reichliche menstruale Blutungen nennt man Menorrhagien. Sie erfordern eine umsichtige ärztliche Behandlung. Über erschwerte M. s. Dysmenorrhöe, über Verspätung des Eintritts etc. der M. s. Amenorrhöe.

Menstrŭum (lat.), das Monatliche, besonders in der Mehrzahl (Menstrua) s. v. w. Menstruation; in der chemischen Technik jede als Auflösungs- oder Extraktionsmittel dienende Flüssigkeit (so genannt nach dem Glauben der Alchimisten, daß eine vollkommene Auflösung einen "philosophischen" Monat oder 40 Tage Zeit erfordere).

Mensuāl (lat.), monatlich.

Mensūr (lat., "Maß"), in der Musik 1) das Verhältnis der Weite einer Orgelpfeife zu ihrer Länge, wobei man eine weite (z. B. Hohlflöte), mittlere (Prinzipal-) und enge (Gamben-) M. unterscheidet. Die M. differiert etwa zwischen 1:10 und 1:24. Weite M. gibt einen weichen, enge einen scharfen, streichenden Ton. Überhaupt heißen M. bei Musikinstrumenten allerlei Maßverhältnisse, z. B. bei Flöten die Bestimmung der Stellen für die Tonlöcher, bei Saiteninstrumenten die Länge der Saiten etc. - 2) Ein heute veralteter, aber historisch sehr wichtiger Begriff, die Bestimmung der verschiedenen Geltung der Notenwerte je nach den Taktvorzeichen in der sogen. Mensuralmusik (s. d.). In der Hauptsache unterschied man dreiteilige und zweiteilige M., nannte jene die vollkommene (Mensura perfecta, im Hinblick auf die göttliche Trinität), diese die unvollkommene (Mensura imperfecta). Bei perfekter M. galt eine Note drei der nächst kleinern Wertgattung, bei imperfekter nur zwei; es gab aber auch eine Anzahl Kombinationen von dreiteiliger und zweiteiliger M., z. B. wenn die Longa drei Breves galt (Modus perfectus), die Brevis aber nur zwei Semibreves (Tempus imperfectum). Die dreiteilige Geltung der Brevis wurde durch einen Kreis (, die zweiteilige durch einen Halbkreis O, angedeutet, welch letzterer sich noch bis heute als Zeichen des 4/4-Takts erhalten hat. - In der Fechtkunst (s. d.) ist M. der im Zweikampf unter den Gegnern vereinbarte Abstand voneinander und allgemeiner in der Studentensprache s. v. w. Kampfplatz.

Mensurābel (lat.), meßbar.

Mensurālmusik (Musica mensurabilis), eigentlich jede mit bestimmten Zeichen für die Dauer der Töne aufgezeichnete Musik; im besondern versteht man darunter die Notierungen aus der Zeit seit Erfindung der Mensuralnote (12. Jahrh.) bis zur Einführung des Taktstrichs und zum Verschwinden der Ligaturen (17. Jahrh.), weil bei diesen dieselben Noten je nach der durch das Taktvorzeichen bestimmten Mensur (s. d.) verschiedene relative Werte haben konnten. Die Glanzzeit der M. ist die Zeit der Niederländer (14.-16. Jahrh.) sowie ihrer deutschen und italienischen Zeitgenossen Heinrich Isaak, Ludwig Senfl, Palestrina, A. und Joh. Gabrieli etc. Besondere Verdienste um die Geschichtschreibung der M. haben Fétis ("Biographie universelle") und A. W. Ambros ("Ge-^[folgende Seite]