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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Menthōl; Mentōne; Mentor; Mentschikow; Mentzel; Mentzer; Menu; Menü; Menuétt; Menuiserie; Menūra; Menus plaisirs; Menyanthes

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Menthol - Menyanthes.

gel Gliederhaare und zu endständigen Köpfen vereinigte Blütenquirle mit violetten Blüten. Sie wird besonders in der Schweiz, in Norddeutschland und Skandinavien kultiviert, wurde schon im 16. Jahrh. benutzt, ist aber seit Ende des vorigen Jahrhunderts durch die Pfefferminze stark zurückgedrängt worden. In Süddeutschland findet sich als Krauseminze mehr eine Varietät von M. sylvestris L., in den mittel- und niederrheinischen Ländern, auch in England, eine Varietät von M. viridis L. Welche Art die Griechen unter Minthe, die Römer unter Menta oder M. verstanden, läßt sich nicht ermitteln.

Menthōl (Menthylalkohol, Menthakampfer, Pfefferminzölkampfer) C10H20O ^[C_{10}H_{20}O], Bestandteil des Pfefferminzöls, namentlich des japanischen, scheidet sich aus, wenn man von dem ätherischen Öl etwa die Hälfte abdestilliert und den Rückstand abkühlt. Durch Umkristallisieren gereinigt, bildet M. lange, farblose, nadelförmige Kristalle, welche intensiv nach Pfefferminze riechen, in Wasser wenig, in Alkohol und Äther leicht löslich sind, bei 34° schmelzen und bei 213° sieden. M. findet in der Form der sogen. Migränestifte und des Nervenkristalls Anwendung gegen Kopfschmerz.

Mentōne (franz. Menton, spr. mangton), Stadt im franz. Departement Seealpen, Arrondissement Nizza, am Golf von Genua, in welchen hier der Carrei mündet, und an der Eisenbahn von Marseille nach Genua, besteht aus der alten Stadt mit engen Gassen und hohen Häusern und der an der Meeresbucht gelegenen Neustadt mit breiten Straßen, schönen Villen und Gärten, hat (1886) 8433 Einw., schöne Zitronen- und Orangengärten, Fabrikation von Parfümeriewaren, Handel mit Südfrüchten, Öl, gesalzenen Fischen, einen Hafen, in welchem durchschnittlich 180 Schiffe mit 6500 Ton. jährlich einlaufen, und ein Collège. M. ist seit neuerer Zeit infolge seiner günstigen klimatischen Verhältnisse ein sehr besuchter klimatischer Kurort (vgl. Klimatische Kurorte), welcher besonders bei katarrhalischen Kehlkopf- und Lungenleiden empfohlen wird. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 16,1° C., die jährliche Zahl der Regentage ist 80. Das Erdbeben vom 23. Febr. 1887 hat auch in M. große Verwüstungen angerichtet. Vgl. Gsell Fels, Reisehandbuch für Südfrankreich (Leipz. 1886); Stiege, M. und sein Klima (Berl. 1868); Farina, M. sous le rapport climatologique et médical (Par. 1875).

Mentor, im griech. Mythus Sohn des Alkimos, aus Ithaka, Freund des Odysseus, von diesem bei seiner Abreise nach Troja mit der Sorge für sein Hauswesen und der Erziehung seines Sohns Telemach betraut; daher s. v. w. Erzieher oder Berater.

Mentschikow, s. Menschikow.

Mentzel, Oswald, Landwirt, geb. 1801 zu Waldenburg in Schlesien, bezog 1818 die landwirtschaftliche Akademie zu Möglin, studierte 1820 in Breslau, folgte dann einem Ruf Thaers nach Möglin als Privatsekretär und Beamter der Schäferei, erhielt 1824 die Administration des neuerrichteten königlichen Remontedepots auf der Domäne Friedrichsaue im Oderbruch, übernahm 1829 die interimistische Direktion der Depots diesseit der Weichsel, ward 1835 wirklicher Direktor derselben und zugleich zum Geheimen Kriegsrat und vortragenden Rat im Kriegsministerium erhoben. In demselben Jahr erhielt er auch noch die Direktion der jenseit der Weichsel gelegenen Remontedepots. Er starb 22. Febr. 1874 in Berlin. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Über die Vollblutfrage" (Berl. 1833); "Die Remontierung der preußischen Armee in ihrer historischen Entwickelung und jetzigen Gestaltung" (das. 1845-71, 2 Bde.); "Handbuch der rationellen Schafzucht", gekrönte Preisschrift (das. 1859, 2. Aufl. 1861); auch gründete er mit A. v. Lengerke den "Landwirtschaftlichen Hilfs- und Schreibkalender" (seit 1847).

Mentzer, Johann, geistlicher Liederdichter, geb. 1658 zu Jahmen bei Niesky in der Oberlausitz, bekleidete Pfarreien in Merzdorf, Hauswalde und zuletzt (seit 1696) in Kemnitz bei Löbau, wo er 1734 starb. Von ihm rühren die Lieder: "O, daß ich tausend Zungen hätt'" und "O Jesu, einig wahres Haupt" her.

Menu, s. v. w. Manu.

Menü (frz.), Speiseliste, Tischkarte; vgl. Gastmahl.

Menuétt (franz. menuet, ital. minuetto), ursprünglich nationaler französischer, aus Poitou stammender graziöser Reihentanz, der sich nur in gravitätischem Tempo bewegte und daher vornehmlich eine schöne gerade Haltung des Körpers und zierliche Bewegung der Füße und Arme erforderte. Er war der Lieblingstanz im Zeitalter Ludwigs XIV. und kam in Frankreich erst durch die Revolution außer Gebrauch. Die M., die in vielfachster Weise variiert wurde, gut zu tanzen, gehörte lange Zeit zur feinern Bildung, und in der That gibt es keinen Tanz, in dem die Schönheit der Körperbewegung mit mehr Grazie und würdevollem Anstand zum Ausdruck kommt, als gerade die M. Die Musik bewegt sich dabei in einem mäßig geschwinden Trippeltakt und hat zwei Reprisen, von denen jede acht Takte enthält und in dem vierten Takt immer einen sehr merklichen Absatz macht. Um dem ganzen Tanz und der Musik mehr Mannigfaltigkeit zu geben, hat man mit der Hauptmelodie noch eine zweite Melodie (Trio) von der nämlichen rhythmischen Einrichtung verbunden. Ein Musterstück der ältern M. ist die bekannte in Mozarts "Don Juan". Bach und Händel führten die M. gelegentlich in die Suite ein, Haydn nahm sie zuerst in die Symphonie auf, gab ihr jedoch eine etwas schnellere Bewegung, einen lustigern, launigern Charakter, während Mozart mehr Anmut und Zartheit hineinlegte; Beethoven steigerte die Haydnsche M. weiter zum Scherzo (s. d.) und versteht unter tempo di minuetto wieder eine etwas gemäßigtere Bewegung. Eine eigne Gattung in musikalischer Hinsicht bildet die sogen. Krebsmenuett, welche vor- und rückwärts gespielt werden kann.

Menuiserie (franz.), Tischler-, Schreinerarbeit.

Menūra, Leierschwanz; Menuridae (Leierschwänze), Familie aus der Ordnung der Sperlingsvögel (s. d.).

Menus plaisirs (franz., spr. m'nü pläsihr), "kleine Vergnügungen" und die Ausgaben dafür; ehedem in Frankreich auch die Hofbelustigungen und die für diese bestehende Kasse und Intendanz.

Menyanthes Tourn. (Zottenblume, Fieber-, Bitterklee, Dreiblatt), Gattung aus der Familie der Gentianeen, mit der einzigen Art M. trifoliata L. (Biberklee, Wiesenmangold). Diese in Sümpfen Mittel- und Nordeuropas, Sibiriens und Nordamerikas vorkommende ausdauernde Pflanze hat einen kriechenden, geringelten Wurzelstock, welcher aus den Astgipfeln einige langgestielte, dreiteilige Blätter mit rundlich-eiförmigen, ganzrandigen, kahlen Blättchen treibt. Der 30 cm hohe, blattlose Blütenschaft trägt eine Traube zarter, weiß und rosenrot gefärbter Blüten. Die kugelige Kapsel enthält nur wenige Samen. Die Blätter schmecken stark und rein bitter, enthalten farbloses, amorphes, höchst bitteres Menyanthin, sind offizinell und werben als beliebtes Bittermittel bei Verdauungsschwäche gegeben. Als Fiebermittel sind sie ganz unwirksam.