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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Meran - Mercier.

Meran 1887) und Plant (4. Aufl., das. 1886); Pircher, M. als klimatischer Kurort (4. Aufl., Wien 1884); v. Reinsberg-Düringsfeld, Kulturhistorische Studien aus M. (Leipz. 1871); Schönherr, Geschichte der landesfürstlichen Burg in M. (Meran 1882); Edlinger, Aus deutschem Süden. Schilderungen aus M. (das. 1887, illustriert); Örtel, Über Terrainkurorte (mit Beziehung auf M., Leipz. 1886); Stampfer, Chronik von M. (2. Aufl., Innsbr. 1867).

Merān, Franz, Graf von, geb. 11. März 1839, Sohn des Erzherzogs Johann (s. d. 13) aus seiner Ehe mit Anna Plochel, welche nach der Vermählung zur Gräfin von M. erhoben wurde.

Merāsch (Marasch), Stadt im asiatisch-türk. Wilajet Aleppo, Hauptort eines Liwa, am Südabhang des Aghir Dagh, über fruchtbarer Ebene, macht von außen einen großartigen Eindruck, hat 25 unansehnliche Moscheen, mehrere armenische Kirchen, zahlreiche öffentliche Bäder und 10-15,000 Einw. (viel Armenier). Unter den Handwerkern zeichnen sich die Türkischrotfärber, die Weber und Kammmacher aus.

Mercadánte, Saverio, Opernkomponist, geb. 26. Juni 1797 zu Altamura in Apulien, erhielt seine künstlerische Ausbildung in der königlichen Musikschule San Sebastiano zu Neapel unter Zingarelli und errang 1818 mit der Kantate "L'unione delle belle arti" einen ersten und glänzenden Erfolg. Fortan widmete er seine Thätigkeit als Komponist fast nur noch der Bühne und schrieb für dieselbe allein in den nächsten fünf Jahren 21 Opern, von denen jedoch nur eine, "Elisa e Claudio", Anspruch auf höhern künstlerischen Wert erheben kann. Von 1827 bis 1830 war er in Madrid und andern Städten Spaniens als Komponist und Dirigent der italienischen Operntheater thätig. In sein Vaterland zurückgekehrt, wurde er 1833 zum Kapellmeister am Dom zu Novara und 1840 zum Direktor des königlichen Konservatoriums in Neapel ernannt, wo er, seit 1861 erblindet, 17. Dez. 1870 starb. Im August 1876 wurde ihm daselbst ein Denkmal errichtet. Wiewohl M. in seinem Vaterland den Ruf des gelehrtesten italienischen Tonsetzers der Gegenwart genießt, haben doch selbst dort nur wenige seiner zahlreichen Opern, wie "L'apoteosi d'Ercole", "Anacreonte", "Didone" und namentlich "Il giuramento" (1837) etc., nachhaltigen Erfolg gehabt, da ihnen Originalität, melodischer Reiz und schwunghafter dramatischer Ausdruck, wenigstens in höherm Maß, abgehen.

Mercātor (Latinisierung des Namens Kremer), Gerhard, berühmter Mathematiker und Geograph des 16. Jahrh., geb. 5. März 1512 zu Rupelmonde in Flandern, aber deutscher Abkunft, studierte zu Löwen, erlernte nebenbei die Kunst des Kupferstichs, wurde in der Folge Kosmograph des Herzogs von Jülich und starb 2. Dez. 1594 in Duisburg, wo ihm 1878 ein Denkmal gesetzt wurde. Sein Hauptwerk ist der große, von ihm selbst entworfene und sauber in Kupfer gestochene Atlas: "Atlas sive cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figura" (Duisb. 1594), der aber erst in der zweiten, von Hondius besorgten Ausgabe 1607 vollständig erschien. Außerdem veröffentlichte M.: "Tabulae geographicae ad mentem Ptolemaei restitutae" (Köln 1578) und verfertigte mehrere Globen. Sein "Atlas minor" (von Hondius 1628 herausgegeben) erschien auch deutsch mit illuminierten Karten (1633, 2 Bde.). Von M. rührt das nach ihm benannte Projektionssystem (Mercators Projektion) her, das besonders auf Seekarten Anwendung findet (s. Landkarten, S. 457). Vgl. Breusing, G. M. (Duisb. 1869).

Mercēdes, 1) Stadt in der Argentin. Republik, Provinz Buenos Ayres, 90 km westlich von Buenos Ayres, inmitten von Pfirsichgärten, mit schönem Rathaus, Hospital, 2 Seifensiedereien, 2 Dampfmühlen und (1882) 6600 Einw. - 2) (Villa M.) Stadt in der Argentin. Republik, s. Rio Quinto. - 3) Stadt in Uruguay, s. Soriano.

Mercedonĭus, ein von Numa Pompilius in dem altrömischen Kalender aller zwei Jahre nach dem 23. Febr. eingeschobener Schaltmonat von abwechselnd 22 und 23 Tagen.

Mercenär (lat.), Söldner, Mietling.

Mercerie (franz., spr. merß'rih), Kram, Kramware.

Mercerisieren, s. Cellulose.

Mercers Liquor, s. Ferricyankalium.

Merci (franz., spr. -ssih), Dank.

Mercia (spr. mérssĭa, Merce), das Land der Mercier, eines Stammes der Angelsachsen, als dessen ersten König die Sage Creoda, einen Sprößling Wodans, nennt. Es reichte vom Meer auf beiden Seiten des Flusses Trent bis an die Gebirge von Wales, erlangte unter den Königen Äthelbald (716-757) und Offa (758-796) seine höchste Macht, kam aber 825 nach Besiegung des mercischen Königs Wiglaf durch Egbert, den König der Westsachsen, unter dessen Herrschaft.

Mercier (spr. mersijeh, Mercerius), 1) Josias M. des Bordes, franz. Philolog, aus Uzès im Languedoc, wurde Staatsrat unter Heinrich IV., war Schwiegervater des berühmten Salmasius (1623) und starb 5. Dez. 1626 in Paris. Er ist Herausgeber des Nonius (Par. 1583, 1614; Leipz. 1826), Aristänetos (Par. 1595, zuletzt 1639), Apulejus ("De deo Socratis", das. 1625). Von großer Divinationsgabe zeugt besonders seine Edition des Nonius.

2) Louis Sébastien, franz. Schriftsteller, geb. 6. Juni 1740 zu Paris, war Professor der Rhetorik in Bordeaux, schrieb dann in Paris Romane und Übersetzungen, wurde aber erst durch seine dem Deutschen und Englischen nachgeahmten Dramen bekannt. Als das Théâtre français die Aufführung eines derselben verweigerte, suchte er Hilfe bei den Gerichten und wurde selbst Advokat, um seinen Prozeß besser zu verfechten. Die heftige Sprache seines "Tableau de Paris" zwang ihn zur Flucht nach der Schweiz und nach Deutschland; erst mit dem Beginn der Revolution kehrte er zurück und begründete mit Carra die "Annales patriotiques" und die "Chronique du mois". Als Konventsdeputierter stimmte er für lebenslängliche Gefangenschaft Ludwigs XVI., wurde darauf eingekerkert und erst durch den 9. Thermidor befreit. Dann wurde er in den Rat der Fünfhundert gewählt, erhielt eine Geschichtsprofessur an der Zentralschule, wurde Mitglied des Instituts und starb 25. April 1814. Geistvoll und originell, aber so sehr das Paradoxe liebend, daß man ihn Rousseaus Affen genannt hat, vereinigte M. auch in seinem Stil Eleganz und glänzende Beredsamkeit mit Schwulst und Streben nach dem Absonderlichen und vermischte in seinem Urteil Richtiges und Absurdes. Das beweist am besten sein "Tableau de Paris" (1781-89, 12 Bde.), eine Schilderung nicht der Sitten, sondern des Lasters. Aber der Erfolg war, besonders in Deutschland, ein ungeheurer. Auszüge daraus veröffentlichen Desnoiresterres (s. unten) und Lacour (1862, 2 Bde.). Die Fortsetzung desselben: "Le nouveau Paris" (Braunschw. 1800, 6 Bde.), eine Schilderung der Revolutionszeit, ist womöglich noch maßloser. Charakteristisch sind noch die Werke: "L'essai sur l'art dramatique" (Amsterd. 1773), in welchem