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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Merck; Mercoeur; Mercredi; Mercurialĭa; Mercuriālis; Mercurĭus; Mercury-Expedition; Mercy

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Merck - Mercy.

die Angriffe gegen den Klassizismus systematisch zusammengefaßt und Racine und Boileau, ja sogar Molière aufs äußerste bekämpft werden, und "L'an 2440" (das. 1770; 1786, 3 Bde.), eine Phantasie über die Verwirklichung der revolutionärsten Gedanken über Umgestaltung des sozialen und politischen Lebens. Seine seinen Theorien entsprechenden Dramen sind vereinigt im "Théâtre de M." (Amsterd. 1778-84, 4 Bde.). Von seinen übrigen Werken sind zu erwähnen: der Roman "L'homme sauvage" (Amsterd. 1767), von dem er behauptete, Chateaubriand habe ihn im "Atala" ausgeschrieben; "Songes et visions philosophiques" (1768; 1789, 2 Bde.) u. "Mon bonnet de nuit" (1784, 4 Bde.), eine Kritik des Klassizismus. M. besorgte auch eine Ausgabe von J. J. Rousseaus Werken (mit. Anmerkungen, 1788-93, 38 Bde.) und gab die erste Übersetzung von Schillers "Jungfrau von Orléans" (1802) heraus. Vgl. Desnoiresterres, Tableau de Paris, études sur la vie et les ouvrages de M. (Par. 1852).

Merck, Johann Heinrich, Schriftsteller, eine Originalgestalt der Sturm- und Drangperiode, war 11. April 1741 zu Darmstadt geboren. Nachdem er in Altdorf und Göttingen seine Universitätsstudien, welche zufolge seiner günstigen Familienverhältnisse mehr auf allgemeine als fachwissenschaftliche Bildung sich richteten, beendigt hatte, begleitete er einen jungen Edelmann auf Reisen, heiratete in Genf eine Französin und wurde 1767 in seiner Vaterstadt als Sekretär der Geheimkanzlei, im folgenden Jahr als Kriegskassierer mit dem Titel eines Kriegsrats angestellt. Seine eigne schriftstellerische Wirksamkeit, die er schon im 21. Jahr durch anonyme Veröffentlichung von Übersetzungen englischer Werke begann, hatte weniger Bedeutung als der von ihm kritisch geübte Einfluß auf die Produktivität hervorragender Zeitgenossen. Goethes Genius ist von keinem Menschen so früh erkannt und in den ersten Schaffensjahren so günstig geleitet worden als von M. Aber auch zahlreiche andre ausgezeichnete Männer empfingen von ihm unmittelbar und mittelbar geistige Förderung und Beratung. Außer mit Goethe stand M. mit Herder, G. Schlosser, Boie, Wieland, Nicolai, den Brüdern Jacobi, Claudius, Lavater, G. Forster, Lichtenberg u. a. m. in eifriger Korrespondenz. Er war eine Zeitlang die Seele der auf seine Anregung 1772 gegründeten "Frankfurter gelehrten Anzeigen" und gehörte später zu den wichtigsten Mitarbeitern des Wielandschen "Merkur" und der "Allgemeinen deutschen Bibliothek" Nicolais. Fürstliche Personen suchten den Verkehr mit ihm; die Landgräfin Karoline von Hessen-Darmstadt wählte ihn 1783 zum Begleiter auf ihrer Reise nach Petersburg; der Herzog Karl August von Weimar, der ihn wochenlang auf der Wartburg bei sich hielt, ließ sich von ihm nicht nur in Kunst-, sondern auch in Staatsangelegenheiten gern beraten. Neben so vielfacher Thätigkeit, zu welcher seit 1782 eifrig betriebene paläontologische Studien kamen, befaßte sich M. auch mit mancherlei industriellen Unternehmungen. Hier schien ihm aber alles zu mißlingen. Fehlgeschlagene Versuche auf diesem Gebiet im Verein mit häuslichem Mißgeschick (es starben ihm binnen kurzer Zeit fünf Kinder) trübten zuletzt die Klarheit seines Geistes. Die Verdüsterung seiner Seele, die sich auf einer Reise nach Paris 1790 nur vorübergehend lichtete, äußerte sich zuletzt in der völlig ungegründeten Sorge, Verwirrung in seinen Kassengeschäften werde ihn in Schmach und Armut stürzen. Am 27. Juni 1791 endete er selbst sein Leben durch einen Pistolenschuß. Mercks zahlreiche Korrespondenz wurde gesammelt von Wagner in: "Briefe an Joh. Heinr. M. von Goethe, Herder, Wieland und andern bedeutenden Zeitgenossen" (Darmst. 1835), "Briefe an und von J. H. M." (das. 1838), "Briefe aus dem Freundeskreise von Goethe, Herder, Höpfner und M." (Leipz. 1847). Ungedruckte Briefe Mercks an Wieland wurden veröffentlicht in "Im neuen Reich" 1877. Seine "Ausgewählten Schriften zur schönen Litteratur und Kunst" gab Stahr heraus (Oldenb. 1840). Vgl. Zimmermann, J. H. M., seine Umgebung und Zeit (Frankf. 1871).

Mercoeur (spr. -kör), Elisa, franz. Dichterin, geb. 24. Juni 1809 zu Nantes, bewies schon als Kind poetisches Talent und gab 1827 einen Band Poesien heraus, der Oden, Elegien, Stanzen etc. enthielt; 1829 folgte eine zweite Ausgabe. Von allen Seiten wurden der Dichterin Beifall und Unterstützungen gespendet. Als dann nach der Julirevolution die Pensionen nicht mehr gezahlt wurden, schrieb sie, um ihr Leben zu fristen, Novellen, die aber nur wenig Beachtung gefunden haben. Sie starb 7. Jan. 1835. Ihre Werke, denen Natürlichkeit, Anmut und tiefes Gefühl nachgerühmt werden, erschienen 1843, 3 Bde. Vgl. J. ^[Jules] Claretie, Les contemporains oubliés (Par. 1864).

Mercredi (franz.), Mittwoch.

Mercurialĭa (sc. remedia, lat.), s. v. w. Quecksilberpräparate.

Mercuriālis Tourn. (Bingelkraut), Gattung aus der Familie der Euphorbiaceen, einjährige oder perennierende Kräuter, selten Halbsträucher mit gegenständigen, gestielten, meist kerbig gesägten Blättern, diözischen, selten einhäusigen, axillaren Blüten, die männlichen in unterbrochen knäueligen Ähren, die weiblichen in armblütigen Trauben oder Ähren gebüschelt. Sechs meist europäische Arten. M. annua L. (Speckmelde, Klystier-, Mercurius- oder Merkurialkraut, Hundskohl), einjährig, auf Feldern und in Gärten in Europa, riecht unangenehm und wurde früher häufig als purgierendes Mittel angewendet. M. perennis L. (Waldbingelkraut), ausdauernd in Europa in schattigen Bergwäldern, wirkt kräftiger purgierend und brechenerregend, ist aber in bedeutendem Grad scharf giftig. Beide Arten, besonders die letztere, werden beim Trocknen infolge der Bildung von Indigo dunkelblau.

Mercurĭus, s. Merkur.

Mercury-Expedition, 1870-71 und 1872-73, s. Maritime wissenschaftl. Expeditionen, S. 257.

Mercy (spr. -ssi), 1) Franz, Freiherr von, General im Dreißigjährigen Kriege, geboren zu Longwy in Lothringen, trat früh in bayrische, dann in kaiserliche Dienste und focht bei Leipzig (1631) als Oberstwachtmeister unter Piccolomini mit Auszeichnung. 1633 bereits zum Obersten aufgerückt, fiel er bei einem Ausfall aus Breisach in französische Gefangenschaft, wurde jedoch bald ausgewechselt und verteidigte 1634 Rheinfelden einige Monate mit Glück gegen den Herzog von Weimar. Von 1635 bis 1637 wohnte er als Generalwachtmeister der Belagerung von Kolmar, dem Entsatz von Dôle und dem Treffen von Gray bei, befehligte 1641 ein bayrisches Korps in der Unterpfalz gegen den Herzog von Longueville, vertrieb 1642 Banér von Regensburg, nahm den Obersten Schlange, welcher den Rückzug der Schweden nach Sachsen decken sollte, bei Waldneuburg gefangen, vernichtete 24. Nov. 1643 das Korps des Generals Rantzau bei Tuttlingen und wurde hierauf zum Feldmarschall ernannt und ihm der Befehl über das vereinigte kaiserliche und bayrische Heer übertragen.