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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mére-Gyügy; Meredith; Merenchym; Merĕtrices; Mergel

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Meredith - Mergel.

Mit diesem eroberte er 1644 Freiburg und bestand im Lager bei dieser Stadt 3.-5. Aug. einen hartnäckigen Kampf gegen die vereinigten Kräfte des Herzogs von Enghien und des Marschalls Turenne. Obgleich er bei Mergentheim 5. Mai 1645 Turenne geschlagen hatte, mußte er doch, da Condé herbeieilte, gegen Nördlingen zurückweichen und fand 3. Aug. in der Schlacht bei Allerheim auf dem von ihm verteidigten Friedhof den Tod. Sein Leichnam wurde auf dem Schlachtfeld beerdigt, und die Franzosen selbst setzten ihm einen Denkstein mit der Inschrift: "Sta viator, heroem calcas". Sein Bruder Kaspar von M., bayrischer Generalwachtmeister, fiel bei Freiburg.

2) Claudius Florimund, Graf von, kaiserl. Feldherr, Enkel des vorigen, geb. 1666 in Lothringen, trat 1682 als Volontär bei der Armee ein, erwarb sich bei dem Entsatz von Wien (1683) den Leutnantsgrad und wohnte den Feldzügen in Ungarn (1684-1690) mit Auszeichnung bei. 1701 als Oberstleutnant in Italien fechtend, schlug er bei Borgoforte mit 300 Reitern sechs feindliche Eskadrons zurück, geriet mehrere Male in Gefangenschaft, wurde aber immer wieder ausgewechselt. Hierauf befehligte er am Rhein ein Kürassierregiment und erwarb sich bei Friedlingen hohen Ruhm. 1705 drängte er, inzwischen zum Generalmajor befördert, die Franzosen aus ihren Linien bei Pfaffenhofen bis unter die Kanonen von Straßburg zurück. Er versah (1706) Landau mit der nötigen Zufuhr und zersprengte bei Orlenberg (1707) das fliegende Korps des Marquis de Vivans. Zum Feldmarschallleutnant erhoben, deckte er die Gegend von Landau. Im Feldzug von 1709 führte er sechs Regimenter nach Mantua, ging nach seiner Rückkehr über den Rhein und nahm eine Stellung bei Neuburg. Von Dubourg bei Rumersheim geschlagen, mußte er sich zwar nach Rheinfelden zurückziehen, deckte jedoch den Schwarzwald und die Waldstädte. Im Kriege gegen die Türken (1716) trug er bei Peterwardein viel zum Sieg bei, deckte die Belagerung von Temesvár und nahm an letzterer 1717 mit Auszeichnung teil. 1718 befehligte er im Krieg mit Spanien in Sizilien mit wachsendem Erfolg. Seit 1720 Gouverneur von Temesvár, machte er sich durch unermüdliche segensreiche Thätigkeit um die Kultur des Banats sehr verdient. Als Generalfeldmarschall übernahm er 1733 den Oberbefehl in Italien. Er fiel 29. Juni 1734 beim Angriff auf das feste Schloß Crocetta bei Parma. - Da er keine Kinder hinterließ, erbten sein Lehen mit dem Grafentitel, den er 1720 erhalten hatte, seine Adoptivsöhne Antoine M. d'Argenteau, der 1767 als Generalgouverneur in Essek starb, und Florimund M. d'Argenteau, der, zufolge seiner vorzüglichen Begabung ein Günstling des Grafen Kaunitz, in den diplomatischen Dienst trat, unter Peter III. und Katharina den Botschafterposten in Rußland bekleidete und 1786 Gesandter in Paris ward. Als Vertrauter Maria Theresias und als Ratgeber der Königin Marie Antoinette spielte er im Anfang der Revolution eine wichtige, aber undankbare Rolle, verließ im September 1790 den französischen Hof und ging als Gesandter nach London, wo er 25. Aug. 1794 starb. Viele seiner Briefe an die unglückliche Königin sind in den neuern Publikationen über Marie Antoinette enthalten (s. Maria 10). Die an den Grafen Louis Starhemberg aus den Jahren 1791-94 gab Graf Thürheim heraus (Innsbr. 1884).

Meredith, 1) George, engl. Novellist, geb. 1828 in Hampshire, wurde zum Teil in Deutschland erzogen und trat 1851 mit einem Band Gedichte ("Poems") auf, dem das burleske Gedicht in Prosa: "The shaving of Shagpat" (1856, 3. Aufl. 1871) und "Farina", die Bearbeitung einer genial-unsinnigen Kölner Sage, folgte. Von seinen zahlreichen Romanen sind zu nennen: "The ordeal of Richard Feverel" (1859), Erziehungsfragen behandelnd; "Mary Bertrand" (1860); "Evan Harrington" (1861); "Emilia in England" (1864); "Rhoda Fleming" (1865); "Vittoria" (1867); "The adventures of Harry Richmond" (1871); "Beauchamp's career" (1875); "The egoist" (1879) und "Diana of the crossways" (1885, 3 Bde.). Außerdem veröffentlichte er: "Modern love and poems of the English roadside" (1862) und "The tragic comedians" (1881, eine Satire auf Lassalle); ferner: "Poems and lyrics of the joys of earth" (1883) und "Ballads and poems of tragic life" (1887).

2) Owen, Schriftstellername des zweiten Lords Lytton (s. d. 2).

Mére-Gyügy (spr. djüdj), zwei Dörfer im ungar. Komitat Hont, zwischen denen zahlreiche kraterförmige Kalktuffhügel liegen, aus welchen Quellen sprudeln. Eine derselben ist ein kalkhaltiger Schwefelsäuerling mit beträchtlichem Glaubersalzgehalt, der seit kurzem in den Handel gebracht wird.

Merenchym (griech.), in der Pflanzenanatomie ein dünnwandiges, lockeres Gewebe mit rundlichen oder elliptischen Zellen.

Merĕtrices (lat.), bei den Römern Name der Buhldirnen, die sich schon durch die Tracht von ehrbaren Frauen unterschieden und gewöhnlich Freigelassene oder Fremde waren. Auch freigeborne Frauen gingen zuweilen zu ihrer Lebensart über, indem sie sich bei dem Ädil meldeten und auf ihre dignitas matronalis verzichteten. Nach Art der griechischen Hetären (s. d.) waren sie Männern und Jünglingen gefällig, dabei durch allerlei Künste das Niedrige ihrer Lebensweise verdeckend. In ihren Kreisen sind die gefeierten Geliebten der römischen Dichter, eine Delia, Lesbia, Cynthia, zu suchen. Sie dünkten sich hoch erhaben über die gewöhnlichen Buhldirnen (scortum, lupa), die meist Sklavinnen im Besitz eines leno waren und gemeinschaftlich in Bordellen wohnten. Durch die Menge solcher Spelunken war namentlich die Straße Subura (s. d.) berüchtigt. Die M. durften nicht die Stola und an der Tunika nicht die Falbel (instita) tragen, sondern nur eine kürzere Tunika und die Toga. Auch waren sie mit Infamie belegt und konnten weder Legate noch Erbschaften erwerben.

Mergel (franz. Marne), Gestein, mechanisches Gemenge von Calciumcarbonat oder Calciummagnesiumcarbonat (dolomitischer M.) mit Thon, der bei Behandlung mit Salzsäure als Thonschlamm ungelöst zurückbleibt, dabei stark aufbrausend, wenn kalkiger, schwach aufbrausend, wenn dolomitischer M. Der Thongehalt steigt von 10 bis über 50 Proz. und gibt dem Gestein Thongeruch beim Anhauchen. Je nach der relativen Menge der Gemengteile unterscheidet man die thonärmern Kalkmergel und die thonreichern Thonmergel. Durch häufigere Beimengung von Quarzkörnern entsteht der Sandmergel. Nicht selten wird der M. dunkel bituminös durch Beimengung von Zersetzungsprodukten organischer Substanzen (bituminöser oder Stinkmergel, Brandschiefer, Ölschiefer). Auch in Konsistenz, im Anfühlen, das meist mager, im Ansehen, das meist matt, und in der von Weißlich bis Dunkelgrau wechselnden, oft durch Eisen ins Rötliche