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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Meridiānmessung; Meridĭes; Mérimée; Merīno; Merīnogarn; Merīnos; Merĭonethshire; Meristēm; Mérite

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Meridianmessung - Mérite.

Meridiānmessung, s. Gradmessungen.

Meridĭes (lat.), Mittag, Süden; meridĭonal, mittägig, südlich; auf den Meridian bezüglich.

Mérimée, Prosper, ausgezeichneter franz. Dichter und Schriftsteller, geb. 28. Sept. 1803 zu Paris, ergriff die Advokatenlaufbahn, widmete sich aber mehr der politischen Journalistik, der Poesie und dem Studium der bildenden Künste. Er wurde 1831 Kabinettssekretär des Ministers Grafen d'Argout und Inspektor der historischen Denkmäler, dann Sekretär im Handelsministerium, 1834 Büreauchef im Ministerium des Seewesens, 1853 Senator und 1858 Präsident der Kommission für die Reorganisation der kaiserlichen Bibliothek. Seit 1844 Mitglied der Akademie und seit 1866 Großoffizier der Ehrenlegion, starb er 23. Sept. 1870 in Cannes. Ein langjähriger intimer Freund der Gräfin Montijo, der Mutter der Kaiserin Eugenie, war er während der ganzen Dauer des Kaiserreichs Hausfreund der Tuilerien, und der Sturz Napoleons III. soll denn auch seinen Tod beschleunigt haben. Als Schriftsteller trat er zuerst anonym mit kleinern Erzählungen und historischen Romanen auf. Seinen Dichterruf begründete er mit zwei das Publikum mystifizierenden Veröffentlichungen: "Théâtre de Clara Gazul, comédienne espagnole" (1825, neue Ausg. 1874), einer Sammlung von ihm selbst verfaßter Stücke, deren Hauptverdienst in der Zeichnung des wirklichen Lebens liegt, und der Gedichtsammlung "La Guzla" (1827), angeblich einer Übersetzung serbischer Gesänge von Hyacinth Maglanowitsch, in der That aber ebenfalls von ihm verfaßt. Dem genannten "Théâtre", wodurch M. den Sieg der romantischen Schule beschleunigte, folgten: "La Jacquerie, scènes féodales" (1828) und später das Lustspiel "Don Quichote, ou les deux héritiers" (1850), worin der Gegensatz eines einfachen und natürlichen Charakters zu der Sittenverderbnis unsrer großen Hauptstädte zur Anschauung gebracht wird. Von Mérimées historischen Arbeiten sind die "Histoire de don Pèdre I, roi de Castille" (Par. 1848, neue Ausg. 1865; deutsch, Leipz. 1852), die "Études sur l'histoire romaine" (Par. 1844, 2 Bde.; 3. Aufl. 1870) und "Les faux Démétrius" (das. 1852; deutsch, Leipz. 1853), von seinen kunsthistorischen die "Monuments historiques" (1843) hervorzuheben. Auch beschrieb er seine Reisen ("Dans le midi de la France", 1835; "Dans l'ouest", 1836; "En Auvergne et Limousin", 1838; "En Corse", 1840, etc.) u. veröffentlichte: "Mélanges historiques et littéraires" (Par. 1855, 2. Aufl. 1869) und "Les cosaques d'autrefois" (das. 1865). Seine Novellen, unter denen sich besonders "Colomba" (oft aufgelegt; deutsch von Laun, Hildburgh. 1872), "Mateo Falcone", "Carmen" und "La dame de pique" als wahre Muster der erzählenden Gattung auszeichnen, erschienen in mehreren Sammlungen: "Mosaïque" (1833), "Contes et nouvelles" (1846) und "Nouvelles" (1852). Aus seinem Nachlaß erschienen: "Dernières nouvelles" (Par. 1873), die "Lettres à une inconnue" (mit Einleitung hrsg. von Taine, 1.-8. Aufl., das. 1873), letztere, wie der "Soir" enthüllte, an die Gräfin Lise Przedrzerska, Schwester der Marquise von Noailles, gerichtet, und die "Lettres à une autre inconnue" (1875) sowie seine Briefe an Panizzi (hrsg. von Fagan 1881, 2 Bde.). Vgl. Tamisier, Prosper M., l'écrivain et l'homme (Mars. 1875); Tourneaux, P. M., ses portraits, ses dessins, etc. (Par. 1879); Haussonville, P. M. (das. 1888).

Merīno (span.), geköperter Stoff aus feiner Kammwolle mit dreifädigem Köper, oft aber auch mit vierfädigem, der auf beiden Seiten recht ist, glatt oder gemustert, verschieden gefärbt, mit Glanz appretiert, kam ursprünglich aus England, wurde dann auch in Deutschland und Frankreich nachgeahmt und war lange zu Kleidern und Umschlagtüchern sehr beliebt. M. ohne Glanzappretur und daher weicher heißt Tibet. Halbmerino (halbwollener M.) hat einen Einschuß von Kammwollgarn und eine Kette von Baumwolle (Paramatta).

Merīno, Don Geronimo, span. Parteigänger, geb. 30. Sept. 1770 zu Villoviado in Altkastilien, hütete in seiner Jugend die Ziegen seines Dorfs, ward, obwohl ohne alle geistige Bildung, Priester daselbst, trat aber beim Ausbruch des spanischen Befreiungskampfs gegen die Franzosen im Mai 1808, durch erlittene Mißhandlung gereizt, unter die Guerillas und erwarb sich durch Tapferkeit und Grausamkeit bald einen gefürchteten Namen. Namentlich hauste er in den Wäldern von Burgos und Soria. Bei Beendigung des Kriegs Kommandant von Burgos, wurde er von Ferdinand VII. zum Kanonikus in Valencia ernannt; die Ausbrüche seiner Roheit machten ihn aber in Valencia unmöglich, und er kehrte mit Genuß seiner Pfründe in seine Heimat zurück. Nach Herstellung der Konstitution von 1820 erklärte er sich sogleich gegen dieselbe und bildete wieder eine eigne Guerilla. Dieselbe wurde aber zersprengt, und M. flüchtete sich in ein Nonnenkloster. Bei der Invasion der Franzosen 1823 erhob er sich wieder und erhielt das Kommando in Segovia. 1833, nach Ferdinands VII. Tod, erklärte er sich für Don Karlos, sammelte 11,000 Mann und drang bis in die Nähe von Madrid vor, mußte aber vor den königlichen Truppen nach Portugal flüchten. Im März 1834 aber erschien er wieder in Altkastilien und nahm bis 1838 als Guerillaführer am Karlistenkrieg teil. Er flüchtete darauf nach Frankreich, wo er in Montpellier 1847 starb.

Merīnogarn, Garn aus feiner, kurzer Wolle; auch halbwollenes Strickgarn.

Merīnos, s. Schaf.

Merĭonethshire (welsch Meirionydd), Grafschaft im engl. Fürstentum Wales, wird von den Grafschaften Carnarvon, Denbigh, Montgomery und der Bai von Cardigan umschlossen und umfaßt 1557 qkm (28,3 QM.) mit (1881) 52,038 Einw. M. ist die gebirgigste Grafschaft von Wales, wenn auch seine Gipfelpunkte denen Carnarvons an Höhe nachstehen. Der höchste Punkt ist der Cader Idris (902 m), in der Nähe der Küste; die Berwynberge im NO. erreichen eine Höhe von 828 m und der Arrenig Bach im N. 690 m. Die Flüsse bilden an ihren Mündungen breite, aber versandete Ästuarien. Man gewinnt Blei, Zink und Kupfer. Von der Oberfläche sind 9 Proz. unter dem Pflug. An Schafen zählte man 1886: 324,900 Stück. Die Industrie ist unbedeutend und beschränkt sich auf Verarbeitung von Wolle. Hauptort ist Dolgelly.

Meristēm (griech., Teilungsgewebe, Bildungsgewebe), in der Pflanzenanatomie ein Verband von Zellen, die in Teilung begriffen sind und sich durch zarte Membranen und lebensfähigen Plasmakörper auszeichnen. Urmeristem, ein Teilungsgewebe, das die erste Anlage eines Pflanzenglieds, z. B. eine Stamm- oder eine Wurzelspitze, bildet. Folgemeristem, ein Teilungsgewebe, das sich aus schon bestehendem Zellgewebe in spätern Stadien bildet. Den Gegensatz zu M. bildet das Dauergewebe, d. h. teilungsunfähig gewordene Zellen.

Mérite (franz., spr. -rít), das Verdienst. Der preuß. Militär- und Zivilverdienstorden "pour le