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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Merlin de Douai; Merlin de Thionville; Merlīno Coccājo; Merliton; Merluccĭus; Merluschka; Mermillod

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Merlin de Douai - Mermillod.

geschriebene "Roman de M." des (am Hof Heinrichs II. lebenden) Anglonormannen Robert de Borron, der die Sagen vom Gral, von Joseph von Arimathia und der Tafelrunde mit hereinzieht und sich ebensosehr im Reich der Phantasie wie auf dem Gebiet der Tradition bewegt (erster Druck, Par. 1498, 4 Bde.; hrsg. von G. Paris, das. 1888, 2 Bde.; auch ins Italienische, Spanische, Englische etc. übersetzt; deutsch bearbeitet von Friedr. v. Schlegel: "Geschichte des Zauberers M.", Leipz. 1804). Hier wird M. von einem Teufel mit einer reinen Jungfrau erzeugt, um durch seine Hilfe wiederzugewinnen, was Christus der Hölle entrissen, und er endet schließlich als das Opfer seiner eignen Magie, indem er von seiner Geliebten Viviana, die ihm seine Zauberkunst abgelernt, im Wald Brecilian in einen Hagedornbusch gebannt wird, aus dem fortan nur noch seine Stimme erklingt. Die zahlreichen Auflagen dieses wie noch andrer Romane, die Merlins Namen tragen und fast alle auch die "Prophetia" Gottfrieds mit aufnehmen, beweisen das bis ins 17. Jahrh. hinein rege Interesse für den Gegenstand. Auch in Dichtungen andrer Art findet sich die Figur des Zauberers mehrfach verwendet. Immermann machte M. zum Helden eines dramatischen Gedichts ("M., eine Mythe", 1832); in neuester Zeit (1886) wurde der Stoff zweimal als Oper behandelt, von Lipiner (Musik von Goldmark) und Hoffmann (Musik von Rufer). Dagegen hat Gottschalls Dichtung "Merlins Wanderungen" (Bresl. 1887) mit der alten Sage nur den Namen gemein. Vgl. Heywood, The life of M., his prophecies and predictions (Lond. 1641, neue Ausg. 1813); San Marte, Die Sagen von M. (Halle 1853), worin auch die "Prophetia" Gottfrieds und die "Vita Merlini" sowie die beiden oben erwähnten Gedichte mitgeteilt und erläutert sind; de la Villemarqué, Myrdhinn ou l'enchanteur M. (Par. 1861); Grässe, Die großen Sagenkreise des Mittelalters (Dresd. 1842).

Merlin de Douai (spr. -läng dö duä), Philippe Antoine, Graf, franz. Rechtsgelehrter, geb. 30. Okt. 1754 zu Arleux bei Douai, ward 1782 königlicher Sekretär beim Parlament von Flandern und erwarb sich durch seine Arbeiten am "Repertoire universel et raisonné de jurisprudence" (1775 ff.), das er später neu herausgab (3. Aufl., Par. 1807-1809, 13 Bde.; 5. Aufl. 1827-28, 18 Bde.), sowie als Sachwalter einen Namen. Nach dem Ausbruch der Revolution trat er als Abgeordneter der Stadt Douai in die Nationalversammlung und beteiligte sich hier lebhaft an der Gesetzgebung. In seine Heimat als Präsident des Kriminaltribunals zurückberufen, bekleidete er diese Stelle, bis er 1793 als Deputierter in den Nationalkonvent gesandt wurde, als dessen Präsident er viel zum Umsturz der Pariser Munizipalität und 1795 zur Schließung des Jakobinerklubs beitrug. Im Auftrag des Direktoriums redigierte er den neuen Strafkodex vom 3. Brumaire des Jahrs IV, der bis 1811 in Geltung blieb, und vom September 1797 bis Juni 1799 saß er selbst im Direktorium. Nach der Revolution vom 18. Brumaire ward er Generalprokurator beim Kassationshof. Napoleon I. erhob ihn zum Staatsrat und zum Grafen. Bei der ersten Restauration verlor er seine Ämter, und bei der zweiten floh er, da er während der Hundert Tage dieselben wieder übernommen hatte, nach Haarlem. Nach der Julirevolution kehrte er nach Paris zurück und starb daselbst 26. Dez. 1838. Von seinen Schriften sind noch zu nennen: "Recueil alphabétique des questions de droit" (Par. 1804-1806, 9 Bde., u. öfter). - Sein Sohn Antoine François Eugène, Graf M., geb. 27. Dez. 1778 zu Douai, zeichnete sich in den Feldzügen des Kaiserreichs aus und war beim Eintritt der Restauration Brigadegeneral. Er verließ mit seinem Vater Frankreich, kehrte aber 1818 dahin zurück, ward 1832 zum Generalleutnant befördert, 1835 in die Deputiertenkammer gewählt und 1839 zum Pair ernannt. Er starb 14. Jan. 1854 in Eaubonne.

Merlin de Thionville (spr. -läng dö thiongwil), Antoine Christophe, hervorragende Persönlichkeit der französischen Revolution, geb. 13. Sept. 1762 zu Diedenhofen (Thionville), war beim Ausbruch der Revolution, deren Grundsätzen er mit Enthusiasmus huldigte, Huissier in seiner Vaterstadt und ward hierauf Parlamentsadvokat zu Metz und 1791 Deputierter des Moseldepartements in der Gesetzgebenden Versammlung, wo er sich zur äußersten Linken hielt. Er beantragte die Konfiskation der Emigrantengüter und die Deportation der eidweigernden Priester und hatte an den Ereignissen des 10. Aug. 1792 einen hervorragenden Anteil. Von der Stadt Paris in den Nationalkonvent gewählt, gehörte er auch hier zur äußersten Linken und stimmte für den Tod des Königs. Als Kommissar bei der Armee des Generals Custine bewies er 1793 in Mainz, als es von den Preußen belagert wurde, eine seltene Tapferkeit. Am 9. Thermidor 1794 unterstützte er die Angriffe gegen die Partei Robespierres und wurde bei dem Sturz der Schreckensregierung einer der zehn Konventskommissare. Zum Präsidenten des Konvents erwählt, verfolgte er jetzt ebenso die Jakobiner wie früher die Feuillants. Darauf ging er als Adjutant des Generals Pichegru zur Rheinarmee und nahm hier die Festung Luxemburg im Namen der Republik in Besitz, bewies aber gegen die gefangenen Emigranten große Schonung. Bei Einführung der Konstitution vom Jahr III in den Rat der Fünfhundert gewählt, hielt er sich zur gemäßigten Partei. Nach Niederlegung seines Mandats als Abgeordneter wurde er Generaladministrator der Posten. Da er gegen das lebenslängliche Konsulat Napoleons I. votierte, mußte er seine Stelle niederlegen und zog sich auf ein Landgut in der Picardie zurück. Er starb 14. Sept. 1833 in Paris. Vgl. Reynaud, Vie d'Antoine M. (Par. 1860).

Merlīno Coccājo, Pseudonym, s. Folengo.

Merliton, aus dem Gilkenkraut (s. Calendula) dargestelltes Butterfärbemittel.

Merluccĭus, s. Schellfisch.

Merluschka (russ.), feines Lammfell.

Mermillod (spr. -mijó), Kaspar, Bischof von Lausanne, geb. 22. Sept. 1824 zu Carouge, Kanton Genf, studierte im Jesuitenkollegium zu Freiburg i. d. Schweiz und empfing 1847 in Annecy die Priesterweihe. Zum Vikar des Genfer Pfarrers Dunoyer ernannt, machte er sich früh als vorzüglicher Kanzelredner geltend und gründete zur Förderung der katholischen Interessen ein politisches Blatt: "L'Observateur catholique", sowie eine gelehrte Zeitschrift: "Annales catholiques". Im Juni 1864 zum Stadtpfarrer und Generalvikar in Genf ernannt, ließ er sich im September d. J. bei einem Besuch in Rom zum Bischof von Hebron weihen, und Bischof Marilley von Lausanne-Genf delegierte ihm auf höhere Weisung die volle bischöfliche Gewalt über Genf. Der Genfer Staatsrat erklärte jedoch 6. Nov., daß er eine mit dem legalen Bestand der Diözesanverhältnisse im Widerspruch stehende besondere Mission Mermillods nicht anerkenne, untersagte M. alle bischöflichen Funktionen und entsetzte ihn, als er sich