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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mers el Kebir; Merseburger Zaubersprüche; Mersen; Mersey; Mersina; Mersiwan; Mersljakow; Merson; Merswin

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Merseburger Zaubersprüche - Merswin.

Maschinen-, Cellulose- und Papierfabrikation, Fabriken in Leim und Zigarren, Gerberei, Färberei und Bierbrauerei. M. ist Sitz einer königlichen Regierung, der Landesdirektion und der Generalkommission für die Provinz Sachsen, hat ein Amtsgericht, ein Domkapitel, ein Gymnasium, ein Waisenhaus und vortreffliche Armenanstalten. - Die Stadt M. stammt schon aus der Karolingerzeit und wurde von König Heinrich I., der hier ein Asyl eröffnete, erweitert und befestigt. Sie ward Residenz der Markgrafen von M., von 968 an Sitz der Bischöfe und im 10. und 11. Jahrh., nachdem sie Otto I. zur kaiserlichen Pfalz erhoben hatte, auch Lieblingsaufenthalt der deutschen Kaiser. Von 973 bis 1302 wurden hier 15 Reichstage gehalten. Die Stadt hatte im Bauernkrieg 1525, namentlich aber im Dreißigjährigen Krieg viel zu leiden; 1631 wurde sie von Pappenheim genommen, 1632 nochmals an die Kaiserlichen übergeben, 1636 von den Schweden gebrandschatzt und 1640 von denselben geplündert. Von 1656 bis 1738 war sie Residenz der Herzöge von Sachsen-M. Die Annahme, daß der Ort der Ungarnschlacht von 933 hier zu suchen sei, hat wenig Wahrscheinlichkeit. Bei M. lieferten 29. April 1813 preußische Truppen unter v. Lobethal gegen Teile des französischen Korps Macdonald ein siegreiches Gefecht. Chroniken von M. schrieben Brotuff (1557) und Vulpius (1700).

Der Regierungsbezirk M. (s. Karte "Provinz Sachsen") umfaßt 10,207 qkm (185,37 QM.), zählt (1885) 1,027,228 Einw. (darunter 1,003,560 Evangelische, 21,261 Katholiken und 1510 Juden) und besteht aus den 17 Kreisen:

Kreise QKilometer QMeilen Einwohner Einw. auf 1 QKilom.

Bitterfeld 696 12,64 54469 78

Delitzsch 757 13,75 59821 79

Eckartsberga 561 10,19 40039 71

Halle 25 0,45 81982 -

Liebenwerda 794 14,42 47568 60

Mansfeld (Gebirgskr.) 497 9,03 60758 122

Mansfeld (Seekreis) 588 10,68 89445 152

Merseburg 576 10,46 73490 128

Naumburg 162 2,94 32225 199

Querfurt 684 12,42 58492 86

Saalkreis 510 9,26 75559 149

Sangerhausen 773 14,04 70702 91

Schweinitz 1010 18,34 42178 42

Torgau 988 17,94 55657 56

Weißenfels 496 9,01 83551 168

Wittenberg 824 14,97 53468 65

Zeitz 266 4,83 47724 179

Vgl. Schadeberg, Skizzen über den Kulturzustand des Regierungsbezirks M. (Halle 1852-58, 4 Tle.).

Merseburger Zaubersprüche (Merseburger Gedichte), nach ihrem Fundort genannte allitterierende Zaubersprüche über die Fesseln eines Kriegsgefangenen und den verrenkten Fuß eines Pferdes, die im 10. Jahrh. aufgezeichnet wurden, aber spätestens aus dem 8. Jahrh. stammen. Sie sind in thüringischer Mundart (zwischen Althochdeutsch und Altsächsisch schwebend) verfaßt und von Jak. Grimm als Herausgeber (1841) "Idisi" und "Balders Fohlen" überschrieben worden. Vgl. Müllenhoff und Scherer, Denkmäler deutscher Poesie und Prosa (2. Aufl., Berl. 1873).

Mers el Kebir (der Portus magnus der Römer), Seehafenstadt in Algerien, 7 km von Oran, mit (1884) 876 Einw. Der große, wohlgeschützte Hafen wird durch ein Fort verteidigt; es ist zugleich der Hafen von Oran, mit dem es Eisenbahnverbindung hat.

Mersen, s. Meerssen.

Mersey (spr. mérssi), Fluß in England, östlich von Stockport, durch Zusammenfluß des Tame und Goyt, bildet dann, westlich fließend, die Grenze zwischen Cheshire und Lancashire und mündet nach 137 km langem Lauf in die Irische See. Sein Flußgebiet hat ein Areal von 4460 qkm (81 QM.). Vor seiner Mündung erweitert er sich zu einer seeartigen Bucht, an deren Ausgang Liverpool und das in neuerer Zeit entstandene Birkenhead liegen. Auf seinem Nebenfluß Irwell gehen Barken bis Manchester, und Kanäle verbinden den Fluß und die reichen ihn umgebenden Fabrikbezirke mit der Ouse, dem Trent, der Themse, dem Severn etc. (vgl. Manchesterkanal).

Mersina, zukunftsreiche Hafenstadt im türk. Wilajet Adana, an der Südküste Kleinasiens, 58 km südöstlich von Adana, wohin eine Eisenbahn führt, mit 6000 Einw. (viel Griechen) und bedeutendem Woll- und Baumwollexport. Leider ist das Klima im Sommer sehr ungesund. In der Nähe die Ruinen von Soli und Pompejopolis.

Mersiwan (Mersifun), Stadt im türk. Wilajet Siwas in Kleinasien, unweit des Tersachan (Zufluß des Jeschil Irmak), mit einem Silberbergwerk und 11,000 Einw.; das antike Phazemon.

Mersljakow, Alexei, russ. Dichter und Ästhetiker, geb. 1778 zu Dalmatow im Gouvernement Perm, machte seine Studien in Moskau und wurde nach Vollendung derselben daselbst Professor der Ästhetik und Poesie; starb 1830. Ein gründlicher Kenner mehrerer neuern Sprachen, übersetzte er namentlich viel aus Tasso ("Befreites Jerusalem", Mosk. 1828, 2 Tle.), Metastasio und Alfieri. Von seinen theoretischen Werken, in denen er als strenger Klassiker erscheint und gegen die Romantiker zu Felde zieht, sind besonders die "Rede über den Geist der alten Poesie und deren Einfluß auf die Bildung der Völker" und der "Kurze Abriß der Theorie der schönen Litteratur" (Mosk. 1821-22, 2 Bde.) hervorzuheben. Er selbst dichtete im Volkston sinnige Lieder und Romanzen. Die jüngste Ausgabe seiner Dichtungen erschien in 2 Bänden (Mosk. 1867).

Merson (spr. -ssóng), Luc Olivier, franz. Maler, geb. 21. Mai 1846 zu Paris, Schüler von G. Chassevent und Pils sowie der École des beaux-arts, stellte bereits 1867 ein Gemälde: Leukothea und Anaxandros, im Salon aus. 1869 erhielt er den großen Preis von Rom für das Gemälde: der Soldat von Marathon. Das Museum von Castres besitzt aus demselben Jahr Apoll den Zerstörer nach Homer und das Museum von Troyes das Märtyrertum Edmunds des Heiligen von England, von 1872. Seitdem wendete er sich mit Vorliebe Darstellungen aus der Heiligenlegende zu. Seine Hauptwerke dieser Richtung sind: die Vision, eine Legende aus dem 14. Jahrhundert (1873), das Opfer für das Vaterland (1874), der heil. Michael (1875), der heil. Franz und der Wolf von Agubbio (1878), der heil. Isidorus (1879, Triptychon), die Flucht nach Ägypten. In der Galerie St.-Louis im Justizpalast zu Paris hat er Wandmalereien mit Szenen aus dem Leben Ludwigs IX. ausgeführt. - Sein Oheim Olivier M. machte sich als Kunstschriftsteller bekannt.

Merswin, Rulmann, Mystiker, geb. 1308, lebte als Kaufmann in Straßburg und entwickelte seit der Mitte des Jahrhunderts eine große, wenn auch zunächst nicht für die Öffentlichkeit bestimmte litterarische Thätigkeit; starb 1382 in dem von ihm 1364 gegründeten Johanniterhaus auf dem Grünen Wörth. M. war der Erfinder der Figur des "Gottesfreundes