Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Messéniennes; Messēnische Kriege; Messer

512

Messéniennes - Messer.

Dorf Mavromati noch vorhandene Ruinen überaus großartig sind. Heute liegen die bedeutendsten Städte an der See, auf den Trümmern alter Plätze oder in der Nähe von Trümmerstätten; Hauptstadt ist Kalamata. - Die ältesten Einwohner Messeniens waren Leleger, zu denen jedoch schon frühzeitig Achäer kamen. Später gehörte der westliche Teil des Landes zu der Herrschaft der äolischen Neleiden und der östliche zu Lakonien. Mit der Wanderung der Dorier, welche von Stenyklaros aus das Land eroberten und es Messene, d. h. Mittel- oder Binnenland, nannten, wurde M. eigner Staat und fiel dem Herakliden Kresphontes zu. Die Einwanderer verschmolzen jedoch rasch mit den alten Einwohnern, welche sie nicht völlig hatten unterjochen können; ja, selbst das Königtum war nicht den Doriern geblieben, nach Kresphontes' Sturz war das arkadische Geschlecht der Aipytiden auf den Thron gekommen. M. verlor ganz den dorischen Charakter, und in Ithome wurde wieder der pelasgische Zeus verehrt. Dagegen war das Land zu großem Wohlstand gediehen, da die Ebenen außerordentlich fruchtbar, die Küsten hafenreich und für den Handel günstig waren. Dies erregte den Neid und die Eroberungsgier der Spartaner, welche in zwei Kriegen, den Messenischen, 743-724 und 685-668 das Land nach tapferm Widerstand unterwarfen. Die messenischen Geschlechter, welche übriggeblieben waren, wanderten meist aus, nach Arkadien und übers Meer nach Italien. Die Zurückbleibenden wurden Heloten der Spartaner und mußten die Ackerlose der Sieger bebauen. Was nicht als Landgut verteilt war, blieb als Weide liegen; die Küsten verödeten, und das herrliche Land verfiel in einen traurigen Zustand. Eine Verwüstung Spartas durch ein Erdbeben 464 benutzend, erhoben sich die Messenier zugleich mit den Heloten von neuem (dritter Messenischer Krieg), unterlagen jedoch nach zehnjähriger tapferer Gegenwehr (464-455) und wurden von den Athenern in Naupaktos angesiedelt, von wo sie 425 das Unternehmen des Demosthenes gegen Pylos unterstützten und nach dem Fall Athens nach Hesperides in Kyrenaika auswanderten. M. lag nun ganz verödet und blieb spartanische Provinz bis nach dem Fall Spartas. Epameinondas rief 370 nach der Schlacht bei Leuktra die Messenier zurück, gründete 369 die neue, befestigte Hauptstadt Messene am Berg Ithome und führte eine demokratische Verfassung ein. Die Bevölkerung des Landes aber blieb im ganzen gering. Später schlossen sich die Messenier an Philipp von Makedonien an, und 146 kam das Land unter römische Herrschaft. Vgl. Hertzberg, Die Geschichte der Messenischen Kriege (3. Aufl., Halle 1875).

Messéniennes (franz., spr. -nĭénn), Titel dreier Elegien, welche Barthélemy in der "Reise des jungen Anacharsis" den aus ihrem Vaterland vertriebenen Messeniern in den Mund legt. Den Titel verwendete auch Casimir Delavigne (s. d.) für seine Klagegesänge über das Unglück Frankreichs etc.

Messēnische Kriege, s. Messenien.

Messer, Werkzeuge zum Schneiden, werden aus Stahl, selten aus Neusilber, Silber, Gold, Knochen, Horn etc. angefertigt. Die einfachen Stahlklingen werden durch Schmiedearbeit hergestellt. Der Stahl ist etwa 13-15 mm breit und 3-4 mm dick und wird in Einer Hitze ausgeschmiedet. Hierauf trennt man durch Abhauen die Klinge von der Stange, indem man an ersterer einen Teil sitzen läßt, der groß genug ist, um die Angel oder bei Einlegemessern den Druck zu bilden. Die Ausarbeitung dieses Teils geschieht in einer zweiten Hitze. Die Scheibe (Schild, Balance) zwischen Klinge und Angel wird durch Ansetzen auf dem Amboß hervorgebracht und dann in einem zweiteiligen Gesenke oder mittels eines stählernen Stempels vollendet. Um Stahl zu sparen, macht man die Angel häufig aus Eisen. Das ausgearbeitete M. wird behufs des Härtens im rotglühenden Zustand in Wasser abgelöscht und dann bis zu einer bestimmten Farbe angelassen, gerichtet, auf nassen oder trocknen Schleifsteinen geschliffen, auf einer hölzernen rotierenden Scheibe mit Schmirgel und Öl weiter bearbeitet und bei feinern Sorten mit Kalk, Polierrot oder Zinnasche und Öl oder Branntwein auf belederter Scheibe poliert und auf einem Handölstein vom Grat befreit (abgezogen). Die Flächen einer Tischmesserklinge sind unter einem Winkel von 2-5° gegeneinander geneigt, und durch das Scharfschleifen entsteht an der Schneide ein Winkel von 15-20°. Die Seiten einer Federmesserklinge laufen in der Schneide unter einem Winkel von 13-19° zusammen. Man fertigt die Federmesser ebenso wie die größern M., versieht sie aber hinter dem Druck mit einer interimistischen Angel, damit der Schleifer sie in einem Heft befestigen kann. Nicht selten werden M. aus Stahlblech unter einem Durchstoß ausgeschnitten und durch kurzes Nachschmieden vollendet. Bei großen Schneidwerkzeugen wird eine Klinge aus Schmiedeeisen mit der Schneide aus Stahl durch Vorstählen hergestellt.

Zu Rasiermessern sowie den Messern für chirurgische Zwecke wird der feinste Stahl bei schwacher Rotglut unter öfterer Erwärmung verarbeitet. Der Amboß zum Schmieden der Rasiermesser ist an den Seiten etwas abgerundet, um die Klingen dünn ausschmieden und den Flächen schon einige Höhlung geben zu können. In der letzten Hitze setzt man das Hämmern bis zum völligen Erkalten fort. Die befeilten Klingen werden kirschrot erhitzt und mit dem Rücken voraus in reines oder mit wenig Schwefelsäure versetztes Wasser getaucht. Das Anlassen erfolgt gewöhnlich in den Abstufungen des Gelb. Das Schleifen geschieht auf drei Schleifsteinen, von denen die beiden letzten und kleinsten die Höhlung herstellen. Zum Polieren dient Schmirgel, dann Zinnasche oder Polierrot auf Lederscheiben mit Öl. Das Abziehen geschieht zuerst auf einem sehr feinkörnigen Sandstein mit etwas konvexer Oberfläche, dann auf dem bekannten gelben Rasiermesserschleifstein mit ebenen Flächen mit Öl und zuletzt auf einem blauen, feinkörnigen Schiefer mit Wasser. Die höchste Verfeinerung erhält die Klinge durch den Streichriemen, dessen eine Seite mit Polierrot und die andre mit Graphit (beide Pulver mit Öl oder Talg angemacht) eingerieben ist. Die rote Seite wird zuerst benutzt. Die Krümmung auf den Seitenflächen der Rasiermesser hat einen Halbmesser von 35-100 mm, die Seiten stoßen an der Schneide unter einem Winkel von 16-19° zusammen, so daß die Leichtigkeit, mit welcher Rasiermesser schneiden, nur von der vollkommenen Ausbildung der Schneidkante, der feinen Politur der Schneide und der sehr geringen Dicke der Klinge in nächster Nachbarschaft der Schneide abhängig ist. Sehr gute Rasiermesser werden durch Ausschneiden der Klingen mittels eines Durchschnitts aus vorläufig durch Kaltwalzen verdichteten Stahlplatten hergestellt; der dicke Rücken wird an diese M. als besonderes Stück angesetzt.

Gabeln werden wie M. verfertigt. Man schmiedet aus einem Stahlstab zuerst die Angel und den Schaft oder Stiel und haut dann die Gabel ab, indem man ein etwa 2 cm langes Stück des Stabes