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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Messerschmidt; Meßfahne; Messiāde; Messianismus; Messīas; Messidor; Messierkanal; Messin; Messīna

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Messerschmidt - Messina.

Messerschmidt, Franz Xaver, Bildhauer, geb. 1732 (1737) zu Wiesensteig in Württemberg, lernte bei seinem Oheim J. ^[Johann Baptist] Straub in München sieben Jahre lang, ging dann nach Wien auf die Akademie und 1765 nach Rom, wo er Kopien antiker Statuen in Holz schnitzte. Nach Wien zurückgekehrt, führte er dort ein in Holz geschnitztes Modell eines menschlichen Skeletts, das Grabmal des Freiherrn von Senckenberg und die Büste van Swietens im allgemeinen Krankenhaus aus. 1776 ging er nach Preßburg, wo er 1783 starb. Vgl. Ilg, F. X. Messerschmidts Leben und Werke (Prag 1885).

Meßfahne, s. Abstecken.

Messiāde, religiöses Epos von Klopstock (s. d.).

Messianismus, s. Towianski.

Messīas (aramäisch, v. hebr. Maschiasch, entsprechend dem griech. Christus, "der Gesalbte"; s. Salbung), im Alten Testament der von den Israeliten der spätern Königszeit erwartete gottgesandte Retter, der ein theokratisches Weltreich gründen sollte, wobei den Propheten die einst unter David eingenommene Weltstellung, Israels Zukunftstypus, vorschwebte (messianische Weissagungen). Anfangs waren diese Hoffnungen rein politischer Natur und vielfach geradezu dem partikularistischen Egoismus des Volksgeistes dienstbar. Ein religiöser Kern lag insofern darin beschlossen, als die Hoffnung auf dereinstige Weltherrschaft des Volkes Israel zugleich auch die Hoffnung auf Vollendung des Dienstes und der Verehrung Gottes umfaßte. Der Gründer dieses irdischen Gottesreichs wird als ein zweiter David, also zwar als ein wirklicher Mensch, dabei aber freilich auch als Repräsentant und Stellvertreter, d. h. als "Sohn", Gottes gedacht (Psalm 2, 7). In den spätere Zeiten des jüdischen Staats trat das persönliche Messiasbild vielfach auffallend zurück hinter dem allgemeinen Gedanken des Gottesreichs und der jüdischen Weltherrschaft; fast nur in der apokalyptischen Geheimlitteratur erfuhr es noch eine Weiterbildung (s. Menschensohn). Über sein Wiederaufleben im Christentum s. Jesus Christus und Christologie. Die Lehre der rabbinischen Theologie vom M. ist nie einheitlich ausgestaltet gewesen. Ziemlich allgemein kehrt aber der Gedanke wieder, daß in den letzten Zeiten vor der Erscheinung des M. sich alle Übel und Schrecken der Natur und des Menschenlebens denkbarst steigern und damit auch erschöpfen; sie heißen die Messiaswehen. Vgl. Hilgenfeld, M. Judaeorum (Leipz. 1869); Anger, Vorlesungen über die Geschichte der messianischen Idee (das. 1873); Schönefeld, Über die messianische Hoffnung von 200 v. Chr. bis gegen 50 n. Chr. (Jena 1874); Vernes, Histoire des idées messianiques (Par. 1874); Riehm, Die messianische Weissagung (2. Aufl., Gotha 1885); Hitzig, Vorlesungen über biblische Theologie und messianische Weissagungen des Alten Testaments (Karlsr. 1880); Stanton, The Jewish and the Christian Messiah (Edinb. 1886).

Messidor (franz., "Erntemonat"), der zehnte Monat im franz. Revolutionskalender, vom 19. Juni bis 18. Juli. Vgl. Kalender, S. 385.

Messierkanal, Meerstraße zwischen dem Festland von Patagonien (Magallanes) und der Insel Wellington, durch welche die von der Magelhaensstraße nach Chile fahrenden Dampfer ihren Weg nehmen.

Messin, Le (spr. -ssäng), die Umgebung von Metz.

Messīna, ital. Provinz auf der Insel Sizilien, umschließt deren nordöstlichen Teil, wird südlich von der Provinz Catania, östlich vom Ionischen, nördlich vom Tyrrhenischen Meer und westlich von der Provinz Palermo begrenzt und umfaßt 4579 qkm (nach Strelbitsky nur 3227 qkm oder 58,6 QM.) mit (1881) 460,924 Einw. Die Provinz wird in ihrer ganzen Ausdehnung von dem Peloritanischen Gebirge (Dinnamare 1130 m) und den Madoniabergen (Monte Sori 1845 m), welche eine Fortsetzung des Apennin bilden, durchzogen. Die meist von S. nach N. fließenden Gewässer sind von geringer Bedeutung und im Sommer sehr wasserarm; das Klima ist gesund, der Boden fruchtbar, aber nur teilweise bebaut. Die Haupterwerbszweige der Bevölkerung sind: Getreidebau, Öl-, Wein- und Seidenkultur, Schafzucht, Fischerei und Schiffahrt; die Industrie hat im allgemeinen geringe Bedeutung. Von großen Landverkehrswegen ist die Eisenbahn von Messina nach Syrakus zu nennen, welche die an der östlichen Meeresküste liegenden Orte berührt. Die Provinz, welche auch die Liparischen Inseln umfaßt, zerfällt in die vier Kreise: Castroreale, M., Mistretta und Patti.

Die Stadt M. liegt am Fuß des Peloritanischen Gebirges, von einem Gürtel zerrissener Felsengipfel umgeben, paradiesisch an der Straße von M. (Faro di M., bei den Alten Fretum Siculum), von der Küste an amphitheatralisch gegen die Abhänge der bebauten Berge hinansteigend. Sie ist dem Rang nach die zweite Stadt, in strategischer, kommerzieller und industrieller Hinsicht aber der wichtigste Ort der Insel und zugleich eine der hervorragendsten Handelsstädte Italiens. Der Hafen, der 1000 Schiffe faßt, einer der schönsten und sichersten der Welt, wird von einer kreisförmigen, von SW. nach NO. ins Meer hineinlaufenden Erdzunge (Braccio di San Raineri) gebildet und war früher durch eine Citadelle und mehrere Forts, die aber gegenwärtig verfallen sind, verteidigt. Zwei Leuchttürme erheben sich auf der Landzunge, deren sichelförmige Gestalt der Stadt im Altertum den Namen Zankle gab. Daneben entsteht der Wirbel Garofalo, die alte Charybdis (s. d.). An Stelle der aufgelassenen Hafenbefestigungen wird nun ein System von äußern Verteidigungsforts errichtet. Die nach dem furchtbaren Erdbeben von 1783 zum großen Teil neuerbaute Stadt hat vier Vorstädte, schöne Plätze, breite, mit Lavaquadern gepflasterte Straßen mit Fontänen, ansehnliche Kirchen und elegante Paläste. Der Corso Cavour teilt die Stadt in die See- und die Hügelstadt. Neben ihm sind unter den Straßen die mit jenem parallel laufenden, an 2 km langen und mit schönen Palästen gezierten Straßen Via Garibaldi und Vittorio Emmanuele, welch letztere sich längs des Hafens hinzieht und eine wundervolle Aussicht über die Meerenge nach Kalabrien und auf die herrlich gelegene Stadt selbst darbietet, unter den Plätzen die Piazza del Duomo mit einem schönen Marmorbrunnen von Montorsoli (ein Neptunbrunnen desselben Meisters steht auf dem Corso Vittorio Emmanuele) und der Platz der Annunziata mit dem schönen Denkmal Don Juan d'Austrias (1572) hervorzuheben. Die bedeutendste unter den mehr als 80 Kirchen ist die aus der Normannenzeit stammende Kathedrale, auf dem großen Domplatz gelegen, mit Marmorfassade, schönem Portal, antiken Säulen von ägyptischem Granit und Mosaiken aus dem 14. Jahrh. Erwähnenswerte Kirchen sind auch die von San Francesco, San Gregorio und mehrere andre, meist ehemalige Klosterkirchen, welche mit Gemälden, insbesondere von Rodriguez und andern Meistern der Messineser Schule des 16. und 17. Jahrh., Grabdenkmälern und Altären reich geschmückt sind. Von Gebäuden sind ferner zu nennen: der städtische Palast, das Hospital (aus dem