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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Messing

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Messing.

bis 20. Febr. und vom 26. Febr. bis 10. März. Im Oktober ward M. von den neapolitanischen Truppen besetzt. Bei der von Garibaldi geleiteten Insurrektion von 1860 war M. die letzte Stadt, in welcher sich die Neapolitaner behaupteten; die Citadelle ward sogar erst 12. Febr. 1861 übergeben.

Messing, Legierung von Kupfer und Zink, welche ihrer physikalischen Eigenschaften wegen, die sich durch Änderung der Mischungsverhältnisse modifizieren lassen, eine so ausgebreitete Anwendung gefunden hat wie außer dem Eisen kein andres Metall. M. ist in kaltem Zustand hämmerbar und streckbar, härter und steifer, oxydiert sich weniger an der Luft, schmilzt leichter und ist dünnflüssiger als Kupfer, ohne beim Erstarren, wie das Kupfer, blasig zu werden. Größerer Kupfergehalt macht die Farbe goldähnlicher und vermehrt die Hämmerbarkeit, Weichheit und Feinheit des Korns; mit dem Zinkgehalt wachsen Härte, Sprödigkeit und Schmelzbarkeit des Messings, während die Farbe heller wird. Das spezifische Gewicht des Messings ist größer als die berechnete mittlere Dichtigkeit des Kupfers und Zinks, es schwankt zwischen 7,8 und 9,5, und ist am größten für gegossenes M. Dehnbar sind die meisten Kupferzinklegierungen nur in gewöhnlicher Temperatur; Gußmessing zerbricht selbst dann leicht, geht aber durch mäßiges Hämmern und Walzen aus dem kristallinischen in den feinkörnigen und faserigen Zustand über und wird viel dehnbarer und zäher. Legierungen mit 1-7 Proz. Zink sind rot oder dunkel rotgelb, mit 7,4-13,8 Proz. Zink rötlich goldgelb, mit 16,6-25 Proz. Zink rein gelb. Von 34 Proz. Zink an wird das M. wieder rötlichgelb und zeigt diese Farbe bei 50 Proz. Zink am stärksten. Von 51 Proz. Zink aufwärts wird das M. plötzlich weiß oder weißgrau. M. mit 65-75 Proz. Zink ist ein gutes, stark anlaufendes Spiegelmetall, mit mehr als 76 Proz. Zink ist das M. grau. Die gelben Legierungen werden durch Salzsäure rot, durch Ammoniak weiß. Blei macht das M., wie Zinn und Eisen, spröde und hart und vermindert seine Dehnbarkeit, nimmt ihm aber auch die Eigenschaft, die Werkzeuge zu verschmieren, weshalb man 1-2 Proz. Blei zusetzt. Eisen findet sich oft als zufällige Verunreinigung, und Zinngehalt rührt meist von der Zugabe alten gelöteten Messings beim Einschmelzen her. Die wichtigsten Messingsorten sind folgende: A. Rotguß (Rotmessing, Tombak) mit 80 und mehr Prozent Kupfer, von rötlicher, goldähnlicher Farbe, sehr dehnbar und widerstandsfähig, wurde angeblich zuerst von den Siamesen dargestellt; hierher gehören z. B. Pinchbeak, Oréide, Similor, Mannheimer Gold etc. B. Gelbguß (Gelbkupfer, gelbes M.) mit 20-50 Proz. Zink, von mehr oder weniger rein gelber Farbe. Hierher gehören zahlreiche Sorten gewöhnlichen Messings, dann Eichmetall, Sterrometall, Chrysorin, Muntzmetall etc. C. Weißmessing mit 50-80 Proz. Zink ist blaßgelb bis silberweiß, sehr spröde und nur zu gegossenen Waren tauglich (Bathmetall, Platina).

M. war schon den Alten bekannt, welche ein Zinkerz (Galmei, Cadmia) als Zuschlag beim Kupferschmelzen benutzten und so gelbe Metallgemische erhielten, die sie Aurichalcum nannten. Diese Methode der Messingbereitung blieb bis ins zweite Dezennium unsers Jahrhunderts die herrschende, obwohl Jakob Emerson 1781 die direkte Gewinnung aus Kupfer und Zink gelehrt hatte. Man benutzt gerösteten Galmei oder Ofenbruch, also zinkoxydhaltige Rohmaterialien, welche mit Holzkohlenstaub und Schwarzkupfer zusammengeschmolzen werden. Man stellte durch eine erste Schmelzung (Arkoschmelzen) eine Legierung mit nur 20 Proz. Zink (Rohmessing, Stückmessing, Arko) her und verwandelte dies durch Umschmelzen mit Zink in eigentliches M. (Tafelmessingschmelzen). Später vollendete man die Arbeit in einer einzigen Operation, gegenwärtig aber wird M. viel häufiger direkt aus Kupfer und Zink dargestellt. Man schichtet die Metalle in zolldicken Stücken miteinander, bedeckt sie mit einer starken Schicht Kohlenstaub, gießt die geschmolzene Legierung zwischen zwei großen, mit Lehm und Kuhmist überzogenen Granitplatten zu 7-20 mm dicken Tafeln und zerschneidet diese zur Drahtfabrikation in Streifen, zur Blech- und Kesselfabrikation in quadratische Stücke (Beckenmessing). Zum Gießen des Messings benutzt man auch Sandformen und als Formen zu Gußwaren thonhaltigen Formsand und hat zu berücksichtigen, daß das M. beim Gießen um 1/65-1/60 schwindet. Man muß auf ein durchaus gleichmäßiges Eingießen des gehörig heißen Metalls achten und sofort nach dem Guß die Masse ablöschen. Bei hohlen Gegenständen (Kernguß) benutzt man einen Kern von sehr fettem Sand oder besser Lehm, der gut getrocknet und gebrannt wird.

Zur Verarbeitung des Messings auf Blech wird es in Glühöfen bei Holzfeuerung ausgeglüht und bei gewöhnlicher Temperatur gewalzt; nach jedem Durchgang muß das stärkere Blech von neuem geglüht und abgelöscht werden, und wenn es weich sein soll, glüht man es nach vollendetem Walzen nochmals, während es nach dem letzten Ausglühen, wenn es federnd sein soll, noch einigemal kalt gewalzt wird. Beim Walzen bestreicht man das Blech mit Öl, um das Anhängen an die Walzen zu verhindern. Häufig streckt man das Blech zuletzt noch mit einem Schnellhammer bedeutend in die Breite aus. Das gewalzte Blech ist mit einer schwarzen Oxydschicht bedeckt, zu deren Entfernung es mit Schwefelsäure oder mit saurer Alaunmutterlauge gebeizt wird. Hierauf spült man es, scheuert es mit nassem Sand, spült wieder und trocknet über Kohlenfeuer. Schließlich wird das Blech mit einem Messer geschabt oder trocken abgeschmirgelt. Die dünnern Bleche erhalten nach dem Schaben durch Polierwalzen den höchsten Glanz. Die stärksten Bleche bilden das Tafelmessing; schwächere werden einigemal zusammengebogen (Bugmessing), die schwächsten dicht zusammengerollt (Rollmessing). Blech von 1/90-1/65 mm Stärke bildet das Rauschgold (Knittergold).

Das Messingblech wird entweder auf der Drehbank weiter verarbeitet, oder in Formen aus M. (Stampfen) mit darin gegossenen Köpfen aus Hartblei gestampft. Durch Fallwerke, Hebelwerke, Schraubenpressen oder Prägwerke treibt der Kopf allmählich das Messingblech in die Stampfe hinein; doch muß man die Bleche öfters ausglühen und nach jedem Glühen ölen. Die fertigen, noch einmal geglühten Gegenstände werden noch heiß in den Pöckel geworfen, welcher aus verdünnter Schwefelsäure oder aus Abfällen späterer saurer Bäder besteht und das auf dem M. befindliche Oxyd löst. Das Metall wird dadurch rot, durch Eintauchen in verdünnte Salpetersäure aber wieder gelb. Aus dem Pöckel kommen die Gegenstände zum Vorbrennen in die kalte Blankbeize, welche aus Schwefelsäure und Salpetersäure besteht, auch etwas Ruß enthält, damit die Farbe etwas weniger intensiv und heller wird. Nun kommen die Gegenstände in die heiße Mattbeize, welche aus Salpetersäure mit wenig Schwefelsäure und etwas salpetersaurem Zinkoxyd besteht und das M. bei ganz