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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Meteorsteine

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Meteorsteine.

gedrückt wird. Hierzu kommen noch die Kohlenmeteoriten, einige wenige Fälle (Alais in Frankreich 1806, Kapland 1838, Kaba in Ungarn 1857, Orgueil in Frankreich 1864), welche ein lockererdiges Material, reich an Kohle mit Wasser- und Sauerstoff, in noch nicht aufgeklärter Verbindungsweise enthalten. Was von sogen. Gallertmeteoriten berichtet wird, widerspricht den sonstigen, aus zahlreichen Beobachtungen geschöpften Ansichten über die M. so durchaus, daß man wohl vorläufig an Verwechselungen mit Nostokalgen, Froschlaich oder ähnlichen Dingen glauben darf. Eine außerordentlich charakteristische Struktur besitzen sehr häufig die Meteoreisen und die vorwiegend aus Eisen bestehenden M., wie die Pallasite (einzelne Olivinkristalle liegen in Eisen eingebettet), deren Typus das von Pallas 1771 in Sibirien aufgefundene Eisen ist. Zwischen dem gediegenen Eisen und dem eingelagerten Phosphornickeleisen spielt sich eine gesetzmäßige Verwachsung ab, welche besonders deutlich nach dem Anätzen mit Säure zur Geltung kommt, weil der Schreibersit gegen dieses Anätzen widerstandsfähiger ist als das Eisen und deshalb schwach hervorspringende balkenförmige oder linienartige, sich unter rechten oder schiefen Winkeln schneidende Zeichnungen bildet, die nach dem Entdecker genannten Widmanstättenschen Figuren (Fig. 1), welche sich übrigens auch bei dem tellurischen Eisen von Ovifak zeigen. Die wesentlich aus Silikaten zusammengesetzten M. besitzen sehr häufig eine chondritische Struktur: in einer tuffähnlichen Grundmasse liegen kleine Kugeln (Chondren, Fig. 2) neben Körnern von Nickeleisen, Olivin etc. Andre übrigens irdischen, durch Abkühlung aus feurigem Fluß entstandenen Gesteinen nicht fehlende Strukturen sind als Organismen gedeutet worden (vgl. Hahn, Die Meteorite [Chondrite] und ihre Organismen, Tübing. 1880), ohne daß der Entdecker größere Kreise von der Richtigkeit seiner Beobachtungen hätte überzeugen können. Am ähnlichsten mit irdischen Gesteinen ist der sogen. Eukrit, aus Anorthit und Augit bestehend, mit gewissen isländischen Laven fast ganz identisch, und der sogen. Chassignyit, einem Olivinfels nahe verwandt. Was die Häufigkeit der einzelnen Abarten der M. betrifft, so haben die etwa auf 500 zu schätzenden, der Fallzeit nach bekannten Meteoritenfälle nur etwa zehnmal Meteoreisen geliefert, unter denen die Fälle 1751 zu Hraschina bei Agram, 1835 in Tennessee und 1845 zu Braunau in Böhmen und einige neuere (1885 und 1886) in Nordamerika die bekanntesten sind. Alle andern M. bekannter Fallzeit sind Meteorsteine, d. h. aus Silikaten oder doch vorwiegend aus solchen bestehend. Wenn in den Sammlungskatalogen eine größere Anzahl von Meteoreisen unbekannter Fallzeit aufgeführt wird, so hat dies seinen Grund darin, daß ein größeres Stück Eisen selbst nach Jahren bei gelegentlichem Auffinden an typischen Eigenschaften auch von Laien rasch bestimmt werden wird, während ein Meteorstein direkt nach dem Fall aufgehoben werden muß, um seiner meteorischen Natur nach erkannt zu werden, wie denn auch fast kein Stein unbekannter Fallzeit in den Sammlungen vorhanden ist.

Die Größe der einzelnen M. ist eine außerordentlich wechselnde, wenn auch meist, abgesehen von einzelnen extremen Fällen, keine bedeutende; als Maximum darf unter den bisher beobachteten ein Gewicht von 300 kg gelten. Nur für einzelne nachträglich aufgefundene Eisenmassen unbekannter Fallzeit werden noch bedeutendere Massen angegeben (so von mehreren Orten in Brasilien, von Liberia in Afrika); doch ist es wenigstens für einige derselben wohl noch eine offene Frage, ob es sich nicht, wie bei dem zuerst auch für meteorisch gehaltenen grönländischen Eisen, um tellurische Materialien handelt. Auf der andern Seite sinkt die Größe der M. bis zu Körnern, ja meteorischem Staub herab, so daß die Auffindung besonders günstige Verhältnisse voraussetzt, wie sie beispielsweise bei dem Fall von Heßle in Schweden herrschten,

^[Abb.: Fig. 3. Ein Meteorit vom Steinregen bei Stannern. a Ansicht des Rückens, b von der Seite.]