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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Meyer

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Meyer (Gelehrte, Dichter und Schriftsteller).

1852). Auch gründete er in Gemeinschaft mit Dunker die seit 1846 ununterbrochen erschienenen, oft durch Beiträge Meyers bereicherten "Palaeontographica" (Kass., seit Meyers Tod redigiert von Dunker und Zittel). 1863 ward M. Bundestagskassierer, trat aber 1866 in den Ruhestand. Er starb 2. April 1869. Vgl. Zittel, Denkschrift auf M. (Münch. 1870).

4) Jürgen Bona, philosoph. Schriftsteller, geb. 25. Okt. 1829 zu Hamburg, studierte in Bonn und Berlin Naturwissenschaften und Philosophie, ward 1862 Privatdozent der Philosophie und Lehrer derselben an der Kriegsakademie zu Berlin, 1868 ordentlicher Professor der Philosophie zu Bonn, wo er noch wirkt. Von seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: "De principiis Aristotelis in distributione animalium adhibendis" (Berl. 1854); "Aristoteles' Tierkunde" (das. 1855); "Die Idee der Seelenwanderung" (Hamb. 1861); "Über Fichtes Reden an die deutsche Nation" (das. 1862); "Kants Psychologie, dargestellt und erörtert" (Berl. 1869); "Philosophische Zeitfragen. Populäre Aufsätze" (Bonn 1870, 2. Aufl. 1874); "Schopenhauer als Mensch und Denker" (Berl. 1872); "Weltelend und Weltschmerz" (Bonn 1872); "Zum Bildungskampf unsrer Zeit" (das. 1875); "Leitfaden zur Geschichte der Philosophie" (das. 1882); "Probleme der Lebensweisheit" (Berl. 1887). M. hat sich vornehmlich um die Würdigung des Aristoteles als Naturforscher, um die Kenntnis der französischen Philosophie in Deutschland sowie um pädagogische, Schul- und Universitätsreformen Verdienste erworben.

5) Julius, Kunstschriftsteller, geb. 26. Mai 1830 zu Aachen, ward in Mannheim gebildet, bezog 1848 die Universität Göttingen, lebte dann einige Zeit in Paris und trieb in Heidelberg von 1852 an vornehmlich philosophische und litterarische Studien. 1859 siedelte er nach München über, widmete sich hier immer mehr dem Kunststudium und trat 1861 in den "Grenzboten" mit den ersten Artikeln über moderne Kunst auf. Im Herbst 1872 ward er als Direktor der königlichen Gemäldegalerie nach Berlin berufen und später daselbst zum Geheimen Regierungsrat und Professor ernannt. M. hat verschiedene Reisen durch Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich gemacht. Er schrieb: "Geschichte der modernen französischen Malerei" (Leipz. 1866-67); "Correggio" (das. 1871). Auch leitete er eine Zeitlang die Redaktion der neuen Ausgabe des Naglerschen "Künstlerlexikons" und gab den Katalog der Gemäldegalerie des Berliner Museums (2. Aufl., Berl. 1883) heraus.

6) Lothar, Chemiker, geb. 19. Aug. 1830 zu Varel a. d. Jade, studierte Medizin in Zürich, Würzburg und Heidelberg und zeigte hier 1857, daß die Aufnahme des Sauerstoffs ins Blut durch chemische Affinität des Blutfarbstoffs bedingt sei. 1856 ging er nach Königsberg, wo er eine Untersuchung über die Wirkung des Kohlenoxyds auf Blut ausführte. 1858 erwarb er zu Breslau den philosophischen Doktorgrad, habilitierte sich dort als Dozent für Chemie und Physik und übernahm 1859 die Leitung des chemischen Laboratoriums im physiologischen Institut. 1866 ging er als Professor für verschiedene Naturwissenschaften an die Forstakademie nach Eberswalde, 1868 als Professor der Chemie am Polytechnikum nach Karlsruhe, 1876 in gleicher Eigenschaft an die Universität Tübingen und 1885 nach Göttingen. M. hat besonders die allgemeinen Gesetze zu erforschen gesucht, welche den Chemismus des Stoffes regieren. Er lieferte Untersuchungen über die Beziehungen der spezifischen Wärme zum Atom- und Molekulargewicht, über das Avogadrosche Gesetz, über Isomorphismus zwischen salpetersaurem Natron und kohlensaurem Kalk, über unvollständige Verbrennung und besonders über die Natur der chemischen Elemente, wobei er die Eigenschaften der Elemente als periodische Funktionen der Atomgewichte darzustellen suchte. "Die modernen Theorien der Chemie" (5. Aufl., Bresl. 1884) sind als ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Auffassung der Chemie als der Wissenschaft einer besondern Bewegungsart des Stoffes zu betrachten. Mit Seubert gab er heraus: "Die Atomgewichte der Elemente, aus den Originalzahlen neu berechnet" (Leipz. 1883).

7) Leo, Sprachforscher, geb. 3. Juli 1830 zu Bledeln bei Hannover, studierte 1849-53 in Göttingen, darauf in Berlin, habilitierte sich 1856 in Göttingen, wurde 1862 außerordentlicher Professor daselbst, 1865 ordentlicher Professor der deutschen und vergleichenden Sprachkunde in Dorpat und 1877 zum Wirklichen Staatsrat ernannt. M. hat sich besonders auf dem Gebiet der vergleichenden Sprachwissenschaft Verdienste erworben. Er veröffentlichte: "Der Infinitiv der Homerischen Sprache" (Götting. 1856); "Bemerkungen zur ältesten Geschichte der griechischen Mythologie" (das. 1857); "Gedrängte Vergleichung der griechischen und lateinischen Deklination" (Berl. 1862); "Vergleichende Grammatik der griechischen und lateinischen Sprache" (das. 1861-1865, 2 Bde.; 2. Aufl., Bd. 1, 1882-84); "Griechische Aoriste" (das. 1879); "An im Griechischen, Lateinischen und Gotischen" (das. 1880); "Über die Flexion der Adjektiva im Deutschen" (das. 1863); "Die gotische Sprache, ihre Lautgestaltung insbesondere im Verhältnis zum Altindischen, Griechischen und Lateinischen" (das. 1869); "Livländische Reimchronik" (Paderb. 1876) und zahlreiche Beiträge zu Zeitschriften etc., besonders über Etymologien.

8) Paul, franz. Litterarhistoriker, geb. 17. Jan. 1840 zu Paris, besuchte die École des chartes, wurde 1863 Kustos der Manuskripte der großen Bibliothek in Paris, 1865 Archivar am Reichsarchiv, 1872 Sekretär an der École des chartes und 1876 Professor am Collège de France. Seine Studien richteten sich besonders auf die Erforschung der südfranzösischen Sprache und Poesie. Er schrieb: "Recherches sur les auteurs de la Chanson de la croisade albigeoise" (1866); "Recherches sur l'épopée française" (1867); "Le salut d'amour dans les littératures provençale et française" (1867) und die preisgekrönte Schrift "Mémoire sur l'étude des dialectes de la langue d'oc au moyen-âge" (1874). Auch gab er eine Anzahl altfranzösischer Werke mit Erläuterungen heraus, z. B.: "Guillaume de la Barre, roman d'aventures d'Arnaud Vidal de Castelnaudary" (1868); "La Chanson de la croisade contre les Albigeois" (1875-79, 2 Bde.); "Brun de la Montagne" (1877); "Daurel et Beton" (1881); "Raoul de Cambrai" (1884); "Girart de Roussillon" (1884); ferner die "Bibliothèque française du moyen-âge" (1882-85, 3 Bde.) sowie den "Recueil d'anciens textes bas-latins, provençaux et français" (1874-77, 2 Tle.) u. a.

Dichter, Schriftsteller.

9) Friedrich Ludwig Wilhelm, Schriftsteller, geb. 28. Jan. 1759 zu Harburg, erhielt 1785 eine Stelle an der Bibliothek zu Göttingen, lebte seit 1789 mehrere Jahre auf Reisen in England, Frankreich und Italien und starb 1. Sept. 1840 auf seinem Gut Großbramstedt in Holstein. Außer vergessenen Schau- und Lustspielen schrieb er die vortreffliche Biographie des Schauspieldirektors F. L. Schröder (Hamb. 1819,