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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Meyerheim; Meyern

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Meyerheim - Meyern.

Zinsen alle zwei Jahre an talentvolle junge deutsche Komponisten vergeben werden zum Zweck eines Studienaufenthalts von je sechs Monaten in Italien, Paris und den deutschen Städten Wien, München und Dresden. Zur Bewerbung um das Stipendium sind nur berechtigt die Schüler der königlichen akademischen Hochschule für Musik (Abteilung für Komposition), des Sternschen Konservatoriums, der Kullakschen Akademie in Berlin und die des Kölner Konservatoriums. Die Bewerbung erfolgt durch die Komposition einer achtstimmigen doppelchörigen Vokalfuge (Text und Thema gegeben), einer Ouvertüre für großes Orchester und einer dreistimmigen dramatischen Kantate mit Orchester (Text gegeben).

Meyerheim, 1) Friedrich Eduard, Maler, geb. 7. Jan. 1808 zu Danzig, kam nach landschaftlichen Vorstudien in seiner Vaterstadt 1830 nach Berlin, wo er sich auf der Akademie unter dem Einfluß Schadows weiterbildete. 1832 gab er zehn lithographierte Ansichten von Danzig und 1833 gemeinsam mit dem Architekten Strack "Architektonische Denkmäler der Altmark Brandenburg" in Lithographien heraus. Nachdem er dann (1833-41) unter dem Einfluß der Düsseldorfer eine Anzahl romantischer Genrebilder gemalt, widmete er sich ausschließlich der Darstellung des bürgerlichen und bäuerlichen Lebens, dem er inzwischen schon einige dankbare Motive (der Schützenkönig, 1836, Berliner Nationalgalerie) entnommen hatte. Westfalen, Altenburg, Thüringen, Hessen und der Harz waren seine bevorzugten Studienfelder. Seine vortrefflich gezeichneten Genrebilder zeichnen sich auch durch ein sauberes emailartiges Kolorit aus. Die bedeutendsten derselben sind: Altenburger aus der Kirche kommend, Altenburger im Kornfeld (1838), das Zicklein, die Spielgefährten (1842), der kleine Held (1843), Schlafkameraden, der Kostgänger (1844), die Täubchen, Harzerin mit Kind, die Erwartung (1845, Hauptwerk), Großvaters Liebling, Erzählerin auf der Bleiche (1846, Berliner Nationalgalerie), die Rast, Familienglück (1847), Kirchgang (1850, alle drei in der Ravenéschen Galerie zu Berlin), Leckerbissen (1851, Berliner Nationalgalerie), gefährdetes Frühstück, Strickunterricht (1852), Guten Morgen, lieber Vater! (1858, Ravené), der Alte im Haus (1859), die väterliche Ermahnung (1864), Hausmütterchen (1866). Seit dem Anfang der 70er Jahre lähmte eine Gehirnkrankheit seine künstlerische Thätigkeit. Er starb 18. Jan. 1879 in Berlin. Vgl. seine Selbstbiographie (hrsg. von Pietsch, Berl. 1880). - Sein Bruder Wilhelm (1815-82) malte kleine Genrebilder, Pferdestücke und Manöverszenen in glatter Ausführung. - Ein andrer Bruder, Hermann M., hat Architekturstücke und Marinen gemalt.

2) Franz, Maler, Sohn des vorigen, geb. 10. Okt. 1838 zu Berlin, bildete sich nach seinem Vater und von 1854 bis 1858 auf der Berliner Akademie, später in Düsseldorf und auf Reisen in Hessen, Tirol, Belgien, Italien und der Schweiz. Von seinen elegant gemalten und zart durchgebildeten Gemälden sind hervorzuheben: der Waffenputzer (1856), Kinder und Katze (1859), Mutterliebe (1862), die Liebeskranke (1866), die junge Mutter (1866), Schneewittchen, Dornröschen (1870), musikalisches Trio. Er starb 5. April 1880 in Marburg.

3) Paul, Maler, Sohn von M. 1), geb. 13. Juli 1842 zu Berlin, war Schüler seines Vaters und der Berliner Akademie, bildete sich dann weiter auf Reisen in Belgien, Holland und Paris, wo er ein Jahr verweilte. Dann kehrte er nach Berlin zurück. Er wählt seine Motive mit Vorliebe aus dem Leben der Tiere, besonders der Löwen und Affen, malt aber auch menschliche Bildnisse, Genrebilder aus dem Volksleben, humoristische Szenen, Stillleben, Dekorationen für Fest- und Speisesäle u. dgl. m. in Öl und Aquarell in lebhaftem Kolorit und breiter, malerischer Behandlung, aber mit geringer geistiger Vertiefung. Seine Hauptwerke sind: die Geschichte der Lokomotive in sieben Bildern auf Kupfer (Berlin, Villa Borsig), Amsterdamer Antiquar (1869) und Tierbude (1885, beide in der Nationalgalerie zu Berlin), die vier Jahreszeiten im Leben der Vögel (Cyklus in Kaseïnmalerei, ebenda), Rotkäppchen, Aschenbrödel (1870), die Schafschur (1872), die Wildenbude (1874), Kohlenmeiler im bayrischen Gebirge (1878), Bildnis seines Vaters und D. Chodowieckis (1887, beide im Museum zu Danzig).

Meyern, 1) Wilhelm Friedrich von, Schriftsteller, geb. 1762 zu Ansbach, studierte in Altdorf die Rechte, trat sodann in die österreichische Artillerie, bereiste, nachdem er als Leutnant seinen Abschied genommen, als Führer von zwei jungen Adligen einen großen Teil Europas, wurde 1807 der österreichischen Gesandtschaft in Sizilien beigegeben, trat 1809 als Artilleriehauptmann wieder in die Armee ein und entwickelte bei der Organisierung der Landesbewaffnung eine große Thätigkeit. 1813 ward er Hauptmann beim Generalstab; 1815 leitete er in Paris die Rückgabe der italienischen Kunstschätze. Nachdem er sodann einige Zeit bei den österreichischen Gesandtschaften in Rom und Madrid beschäftigt gewesen war, wurde er der Militärkommission beim Bundestag beigegeben. Er starb 13. Mai 1829 in Frankfurt a. M. Sein nach Indien und Tibet verlegter politischer Roman "Dya-na-Sore, oder die Wanderer" (Wien 1787-91, 5 Bde.; 3. Aufl., besorgt von Feuchtersleben, 1840-41), der seiner Zeit ungewöhnliches Aufsehen machte, war ein echtes Produkt der Gärungsperiode am Ende des vorigen Jahrhunderts und ein denkwürdiges Zeichen der Überschätzung von Geheimbünden und Erziehungsneuerungen. Seine "Hinterlassenen kleinen Schriften", mit einer Fülle geistvoller und edler Gedanken, gab Feuchtersleben (Wien 1842, 3 Bde.) heraus.

2) (M.-Hohenberg) Gustav von, Dichter, geb. 10. Sept. 1820 zu Kalvörde im Braunschweigischen, widmete sich dem Studium der Rechte und trat 1843 als Kabinettsrat und Intendant des Hoftheaters in den Dienst des Herzogs von Koburg, welche Stellung er bis 1868 bekleidete. Seitdem lebte er auf einer Villa bei Konstanz, wo er 9. März 1878 starb. M. debütierte als Dichter mit "Monatsmärchen, Bilder und politische Gedichte" (Leipz. 1850) und dem epischen Gedicht "Das Welfenlied" (Berl. 1854), einer poetischen Chronik des Welfenhauses mit einzelnen vortrefflichen Zügen. Später folgten die Dramen: "Ein Kaiser" (2. Aufl., Leipz. 1861), eine politisch-dramatische Studie, worin er die Frage der deutschen Einheit im Sinn eines freisinnigen Kaisertums zu lösen suchte, "Heinrich von Schwerin" (Berl. 1858), "Die Braut Konradins" (das. 1859), "Prinz Eugen" (Leipz. 1860), "Das Ehrenwort" (das. 1873), "Ein Kind des Elsaß" (das. 1873), "Die Kavaliere" (das. 1874, eine freie Umdichtung von Victor Hugos "Cromwell"), "Das Haus der Posa" (das. 1874), "Die Malteser" (das. 1876) u. a., welche sich mehr zu rhetorischer als zu straff dramatischer Wirkung erhoben. Außerdem veröffentlichte er: "Zeitgedichte" (Berl. 1870); "Ein Märchen aus unsern Tagen" (Konst. 1875); "Balladen vom Elsaß" (Stuttg. 1876) und den Roman "Teuerdanks Brautfahrt" (Leipz. 1878).