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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Miásma; Miasteczko; Miaulis; Miava; Mica; Micagraphie; Micellen; Mich.; Mich., Michx.; Micha; Michăel

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Miasma - Michael.

recht und die Grundeigentumsverhältnisse im Deutschen Reich" (das. 1882-84, 2 Bde.).

Miásma (griech., "Verunreinigung"), eine Verunreinigung der Luft mit einem dem Erdboden entströmenden krank machenden Gift (s. Ansteckung).

Miasteczko (spr. -tétschko), s. Friedheim.

Miaulis, Andreas Vokos, griech. Admiral, geb. 1768 in Negroponte, war erst Matrose und erhielt den Namen M. von dem türkischen Wort miaul ("Felucke"). Nachdem er sich durch Getreidehandel ein ansehnliches Vermögen erworben hatte, ließ er sich auf Hydra nieder. 1821 schloß er sich der Sache des Aufstandes an und beteiligte sich mit seinem Schiff Leonidas an allen Streifzügen jenes Jahrs. Zum Oberbefehlshaber der griechischen Flotte ernannt, siegte er 5. und 6. März bei Patras sowie 20. Sept. 1822 im Kanal von Spezzia und vernichtete 12. Mai 1825 einen großen Teil der im Hafen von Modon liegenden feindlichen Flotte. Der Versuch, in Verbindung mit dem Admiral Sachturis gegen den Hafen von Alexandria einen ähnlichen Handstreich mit Brandern auszuführen, mißlang zwar; dagegen verbrannte er 8. Dez. 1825 eine feindliche Fregatte, kaperte mehrere Transportschiffe und nötigte Ibrahim Pascha 8. Jan. 1826 zu der für diesen unglücklichen Seeschlacht am Kap Papas. 1827 durch Lord Cochrane verdrängt, übernahm er nach der Schlacht bei Navarino wieder den Oberbefehl über die griechische Flotte. Als Haupt der antirussischen Oppositionspartei gegen Kapo d'Istrias bemächtigte er sich des Hafens von Poros und verbrannte, von der russischen Flotte eingeschlossen, 13. Aug. 1831 die daselbst liegenden griechischen Kriegsschiffe, um sie nicht der russischen Flotte überlassen zu müssen, eine fast landesverräterische That. Die Ermordung Kapo d'Istrias' 9. Okt. 1831 schützte ihn jedoch vor Verfolgung. Nach der Wahl des Prinzen Otto von Bayern zum König von Griechenland gehörte er mit zu den Huldigungsdeputierten. Bei der Organisation der Marine wurde er zum Konteradmiral, 9. Okt. 1833 zum Seepräfekten und 5. April 1835 zum Vizeadmiral ernannt. Er starb jedoch schon 23. Juni d. J. in Athen. Sein Grab am Piräeus wurde von der Regierung mit einem Denkmal geschmückt. Von seinen sechs Söhnen wurde Nikolaos Anathasios ^[richtig: Athanasios] M. 1855 griechischer Marineminister, 1859 Ministerpräsident und war nach dem Sturz des Königs Otto, den er durch seine Mißverwaltung hauptsächlich herbeigeführt hatte, bis 21. Febr. 1863 Mitglied der provisorischen Regierung; starb im Mai 1867 in Paris.

Miava, Markt im ungar. Komitat Neutra, an der Miava, mit katholischer und evang. Pfarrei, Synagoge, (1881) 10,023 slaw. Einwohnern, Weberei, Brauerei, Branntweinbrennerei, Schweinemästung und großen Märkten.

Mica, s. Glimmer.

Micagraphie, die Anwendung der Chromolithographie zur Nachahmung von Fensterglasmalerei. Der lithographische Druck erfolgt hierbei auf äußerst dünne Glimmerblättchen, auf denen die Farben eingebrannt werden. Man kittet sodann die fertigen Blättchen an den Fenstern auf die Innenseite des Glases und schützt das zusammengesetzte Bild durch einen Lackanstrich.

Micellen, s. Mizellen.

Mich., Abkürzung für Michigan (Staat).

Mich., Michx., bei botan. Namen Abkürzung für A. Michaux (s. d.).

Micha, Name mehrerer Personen der alttestamentlichen Geschichte, besonders eines der sogen. zwölf kleinen Propheten, gebürtig aus Morescheth im Stamm Juda, wirkend in den ersten Jahren des Königs Hiskias und nach Stoff und Form seiner Reden mit seinem Zeitgenossen Jesaias nahe verwandt. Vgl. Ryssel, Untersuchungen über die Textgestalt und die Echtheit des Buches M. (Leipz. 1887).

Michăel (hebr., "wer ist wie Gott?"), bei den nachexilischen Juden einer der sieben Erzengel, Schutzengel des jüdischen Volkes und als solcher dem Sammael gegenübergestellt. Die Apokalypse stellt ihn als Sieger über den Drachen oder Satan dar, und die Christen nahmen ihn daher später häufig zum Schutzpatron für ihre Kirchen, namentlich in Deutschland, wo viele Züge des alten Wodankultus auf ihn übergingen. Die katholische Kirche feierte ursprünglich zwei verschiedene Feste zu seinem Gedächtnis: am 15. März und 8. Mai, zu denen das Konzil in Mainz 813 noch ein drittes (29. Sept.) hinzufügte, das zum Unterschied von jenen die Engelweihe hieß, weil es die Einweihung der 493 dem heiligen Erzengel in Rom erbauten Kirche verewigen sollte. Das erste Fest verlor bald alle Bedeutsamkeit, während das dritte früh schon das eigentliche Michaelisfest wurde und blieb und das Fest der Erscheinung Michaels (8. Mai) sich bloß in den Kalendern erhielt. Unter den zahlreichen künstlerischen Darstellungen des Erzengels sind die Bilder von A. del Sarto (Florenz), Raffael (Louvre), Signorelli (Sixtinische Kapelle) hervorzuheben. Vgl. Wiegand, Der Erzengel M. in der bildenden Kunst (Stuttg. 1886).

Michăel, Name mehrerer griech. Kaiser:

1) M. I., Rhangabe, wurde durch die Gunst des Nikephoros I. mit hohen Ämtern betraut und mit dessen Tochter Prokopia vermählt. Als nach des Nikephoros in einer Schlacht gegen die Bulgaren erfolgtem Tode dessen auch schwerverwundeter Sohn und Nachfolger Staurakios ihn unschädlich machen und blenden lassen wollte, stürzte er diesen und ließ sich 2. Okt. 811 selbst zum Kaiser ausrufen. Er gewann das Heer durch reiche Geschenke, reizte aber durch Begünstigung der Bilderverehrer die Ikonoklasten zu Aufständen und führte einen unglücklichen Krieg gegen die Bulgaren. Nach der unglücklichen Schlacht bei Adrianopel, aus welcher er feig geflohen war (22. Juni 813), wurde er von Leo dem Armenier gestürzt und starb 843 im Kloster.

2) M. II., der Stammler, von niederer Geburt, schwang sich durch seine kriegerische Tüchtigkeit zu den höchsten Feldherrenstellen empor, wurde aber von Leo V. wegen freimütiger Äußerungen über das Kaiserpaar verhaftet und zum Feuertod verurteilt. Eine Verschwörung gegen Leo (Weihnachten 820) befreite ihn, und noch mit Ketten belastet wurde er zum Kaiser ausgerufen. Nachdem er den kirchlichen Frieden vergeblich herzustellen versucht hatte, wandte er sich den Ikonoklasten zu; doch verfuhr er gegen die Ikonodulen gemäßigter als sein Vorgänger. Drei Jahre lang hatte er mit einem in Antiochia zum Kaiser ausgerufenen Usurpator, Thomas, zu kämpfen, der ihn in Konstantinopel selbst belagerte. Nachdem er diesen 823 gefangen und grausam getötet hatte, gab er sich dem Genuß und dem Vergnügen hin und ließ es geschehen, daß sich die Araber Kretas bemächtigten und sich auf Sizilien festzusetzen begannen. Er starb 1. Okt. 829.

3) M. III., Enkel des vorigen, geb. 839, gelangte bereits 842 nach dem frühen Tod seines Vaters Theophilos auf den Thron. Seine thatkräftige Mutter Theodora regierte für ihn, zog sich aber 856 zurück, als M. ihren Minister Theoktistos ermorden ließ.