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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Michăel; Michăel Attaliátes; Michăel Obrenowitsch III.

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Michael - Michael Obrenowitsch III.

Ihr Bruder Bardas erhielt jetzt die oberste Gewalt, während sich M. in unsinniger Weise sinnlichen Genüssen hingab und, wenn er einmal selbst gegen die Feinde, namentlich gegen die Araber, zu Felde zog, unglücklich kämpfte. Er entsetzte 857 den Patriarchen Ignatios und erhob Photios zu dessen Nachfolger. Von seinem Günstling Basilios gegen Bardas aufgereizt, ließ er es geschehen, daß dieser 866 denselben ermordete, und erhob Basilios zum Mitkaiser, wurde aber von diesem (24. Sept. 867), als er trunken im Bett lag, ermordet.

4) M. IV., der Paphlagonier, wurde unter Romanos III. von seinem Bruder, dem Eunuchen Johannes, an den Hof gebracht und gewann durch seine Schönheit die Liebe der Kaiserin Zoe. Nach dem Tode des Romanos (11. April 1034) reichte dieselbe M. ihre Hand und proklamierte ihn als Kaiser. Da er aber epileptisch und beschränkten Geistes war, überließ er die Regierung ganz seinem Bruder Johannes, ermannte sich aber 1040 bei einem Aufstand der Bulgaren zu einem Feldzug gegen dieselben, schlug sie, obwohl todkrank, siegreich zurück und starb 10. Dez. 1041, nachdem er durch übertriebene Frömmigkeit sein früheres Leben zu büßen gesucht.

5) M. V., Kalaphates, Neffe des vorigen, ward nach dessen Tode (Dezember 1041) auf Veranlassung seines Oheims, des Eunuchen Johannes, von Zoe adoptiert und zum Kaiser erhoben, wurde aber schon im April 1042, nachdem er Zoe ins Kloster geschickt hatte, durch einen Aufstand des darüber erbitterten Volkes gestürzt, geblendet und in ein Kloster gesteckt.

6) M. VI., Stratiotikos, wurde von der Kaiserin Theodora zu ihrem Nachfolger erwählt und bestieg den Thron 22. Aug. 1056, wurde aber bereits 31. Aug. 1057 von Isaak Komnenos gestürzt und zog sich in ein Kloster zurück.

7) M. VII., Dukas Parapinakes, Sohn von Konstantin XI., Dukas, nach dessen Tod (1067) unter der Vormundschaft seiner Mutter Eudokia und des zweiten Gemahls derselben, Romanos Diogenes, wurde nach dessen Niederlage und Gefangennahme durch die Türken 1071 von seinem Oheim Johannes auf den Thron erhoben, stand aber ganz unter dessen Leitung und überließ auch, nachdem Johannes 1073 Mönch geworden, den ehrgeizigen Feldherren die Leitung des Staats, während er selbst sich gelehrten Studien hingab. Die Empörung der beiden Feldherren Nikephoros Bryennios und Nikephoros Botoniates veranlaßte ihn 1078, dem Thron zu entsagen und sich in ein Kloster zurückzuziehen.

8) M. VIII., Paläologos, Kaiser von Nicäa, dann von Konstantinopel, geb. 1224, durch seine Mutter Irene Enkel des Kaisers Alexios Angelos, stürzte 1259 den Vormund des jungen Kaisers Johannes IV. Laskaris, Muzalon, und ließ sich zum Mitkaiser ausrufen und nebst Johannes krönen (1. Jan. 1259). Er entriß den Franken (25. Juli 1261) Konstantinopel und stürzte das lateinische Kaisertum, und nachdem er zu Ende d. J. seinen jungen Mitkaiser hatte blenden lassen, wurde er Alleinherrscher. Er regierte mit Klugheit und Kraft und wies die Angriffe des Königs Karl von Neapel und der Venezianer, denen gegenüber er die Genuesen begünstigte, siegreich zurück. Er versuchte die griechische Kirche wieder mit der römischen zu vereinigen und erkannte 1274 wirklich die Suprematie des Papstes an, doch wurde diese Union infolge des Widerstandes des griechischen Klerus und Volkes und der weitgehenden Ansprüche der Päpste schon 1280 wieder gelöst. Er starb 11. Dez. 1282.

9) M. IX., Paläologos, Enkel des vorigen, geb. 1277, wurde von seinem Vater Andronikos II. 1295 zum Mitregenten erhoben, starb aber noch vor demselben, 12. Okt. 1320.

Michăel, 1) eigentlich M. Thomas Koributh Wisniowiecki, König von Polen, geb. 1638, Sohn des als Krieger berühmten, von den Jagellonen abstammenden Woiwoden von Reußen, Jeremias Wisniowiecki, ward 1669 nach dem Rücktritt Johann Kasimirs von dem polnischen Reichstag, der sich über einen der fremden Bewerber nicht einigen konnte, auf Antrieb des niedern Adels nach einem siebenmonatlichen Interregnum zum König von Polen erwählt und 29. Sept. zu Krakau gekrönt, wußte aber weder dem gegen ihn eingenommen hohen Adel noch den auswärtigen Feinden gegenüber Ansehen zu gewinnen. Die Kosaken empörten sich und fanden bei den Tataren sowie dem Sultan Mohammed IV. Beistand, und dieser zwang M. durch einen Einfall in Polen, im Frieden von Budziek (18. Sept. 1673) Podolien an die Türkei, die Ukraine aber an den Kosakenhetman abzutreten und einen jährlichen Tribut von 22,000 Dukaten zu zahlen. Aber der polnische Reichstag genehmigte den Frieden nicht, und Johann Sobieski, Michaels Feldherr und Nachfolger, trug bei Chotin (11. Nov. 1673) einen großen Sieg über die Türken davon. M. starb tags vorher, 10. Nov. 1673, in Lemberg. Vermählt war er mit Eleonore, Tochter des Kaisers Leopold I.

2) Großfürst von Rußland, geb. 25. Okt. 1832, vierter Sohn des Kaisers Nikolaus, trat in die Artillerie ein, erstieg rasch die höchsten Ehrenstufen, ward General der Artillerie und Generalfeldzeugmeister, dann Statthalter im Kaukasus und erhielt auch im türkischen Krieg 1877 den Oberbefehl über die in Armenien eindringende Armee, trat aber während des ganzen Kriegs neben seinen Unterfeldherren nicht besonders hervor. Nach dem Frieden wurde er zum Generalfeldmarschall und zum Statthalter Kaukasiens ernannt, 1881 aber abberufen und Präsident des Reichsrats. Er ist seit 1857 mit der badischen Prinzessin Olga Feodorowna vermählt. Seine Söhne sind: Nikolai, geb. 26. April 1859; Michael, geb. 16. Okt. 1861; Georg, geb. 23. Aug. 1863; Alexander, geb. 13. April 1866; Sergei, geb. 7. Okt. 1869; Alexei, geb. 28. Sept. 1875; die Tochter Anastasia, geb. 16. Febr. 1854, ist vermählt mit dem Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin.

Michăel Attaliátes, griech. Jurist und Historiker in der zweiten Hälfte des 11. Jahrh., aus Attalia, hinterließ ein Lehrbuch für den Rechtsunterricht (1072), im 2. Band von Leunclavius' "Jus graeco-romanum" enthalten, und ein Geschichtswerk, herausgegeben von Bekker im 47. Bande des "Corpus scriptorum historiae byzantinae" (Bonn 1853).

Michăel Obrenowitsch III., Fürst von Serbien, geb. 4. Sept. 1825 zu Kragujewatz, jüngerer Sohn des Fürsten Milosch, ward nach seines ältern Bruders, Milan, Tod 8. Juli 1839 von der Pforte zum Fürsten Serbiens ernannt, rief aber durch seine Hinneigung zu den russischen Interessen und willkürliche, harte Besteuerung schon 1842 einen Aufstand hervor, infolge dessen er 7. Sept. nach Semlin flüchtete. Von der serbischen Nationalversammlung samt seiner ganzen Familie verbannt, lebte er erst zu Wien und Berlin, 1844-50 auf Reisen, sodann auf seinen Gütern in der Walachei und kehrte 1858 mit seinem Vater nach Serbien zurück, dem er 1860 als Fürst von Serbien folgte. M. war ein fein gebildeter Mann von edlem Charakter, wohlwollend und an-^[folgende Seite]