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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mikroklin - Mikrometer.

form aufzufassen. Neuere Untersuchungen haben aber gezeigt, daß das Gehirn von Mikrokephalen und von Affen wesentliche Unterschiede aufweist, und so erscheint die M. lediglich als eine durch krankhafte Vorgänge im Fötalleben erzeugte Mißbildung. Virchow glaubte früher, daß sie durch frühzeitiges Verknöchern und Zusammenwachsen der Schädelknochen entstehe, während Äby u. a. es für möglich halten, daß die krankhaften Verhältnisse vom Gehirn ausgehen und erst von diesem auf die Schädelkapsel übergreifen. Es gibt mehrere Fälle, in denen gesunde Eltern unter mehreren gesunden und wohlgebildeten Kindern einzelne Mikrokephalen erzeugten, denen dann wieder normale nachgeboren wurden.

Mikroklīn (griech.), Mineral aus der Ordnung der Silikate (Feldspatgruppe), kristallisiert triklinisch, in Dimensionen, Kombinationen und Zwillingsbildungen dem Orthoklas außerordentlich ähnlich, enthält sehr häufig, z. B. beim Amazonenstein, zahlreiche regelmäßige Lamellen von Orthoklas, welche auf den basischen Spaltblättchen eine gitterähnliche Durchkreuzung vieler Streifchen erzeugen; außerdem verlaufen unregelmäßig konturierte, oft verzweigte Schnüre und Adern von Albit hindurch. Die Zwillingsstreifung, wie sie bei den andern triklinen Feldspaten so charakteristisch ist, wird nur äußerst selten wahrgenommen. Das spez. Gew. beträgt 2,54. Der M. ist als Kalifeldspat chemisch identisch mit Orthoklas, dessen Substanz also mit M. dimorph ist. Zum M. gehören der Amazonenstein (s. d.), Feldspate aus der Gegend von Arendal, Boru in Wermland, Silböle in Finnland, Lipowaia am Ural, aus den Pyrenäen, Massachusetts etc. Vgl. Feldspat.

Mikrokosmos (griech.), s. Makrokosmos.

Mikrokristallīnisch (griech.), aus mikroskopisch kleinen Kristallen oder kristallinischem Mineralindividuen bestehend.

Mikrolithe (griech.), s. Glasartig.

Mikrolōg (griech.), s. v. w. Kleinigkeitskrämer, Silbenstecher; daher Mikrologie, Kleinigkeitsgeist, Silbenstecherei.

Mikromĕgas (griech., "Kleingroß"), Gerngroß.

Mikromĕlus (griech.), Mißgeburt, bei welcher die Extremitäten zwar wohlgebildet, aber abnorm klein sind.

Mikromēr (griech.), s. Phaneromer.

Mikromēter (griech., "Feinmesser"), Instrumente zur Messung sehr kleiner Objekte, speziell auch an vielen Instrumenten und Werkzeugen befindliche Einrichtungen zu möglichst feiner, selbst mikroskopischer Fortbewegung verschiebbarer Teile und zur Messung dieser Bewegung. Gewöhnlich geschieht die Verschiebung mittels fein geschnittener Messing- oder Stahlschrauben (Mikrometerschrauben). Jede ganze Umdrehung des Schraubenkopfes bewirkt eine Verschiebung des Schiebers von der ganzen Länge des Abstandes je zweier Gewindeteile, Gewindehöhe. Soll die Bewegung eines Zeigers, Radius (Alhidade), oder eines Vollkreises, Gradringes (Limbus), um eine Achse mikrometrisch geschehen (in der Vermessungskunst als feine, im Gegensatz zur groben [Hand-] Drehung, unterschieden), dreht die Mikrometerschraube sich gewöhnlich in zwei in Pfannen liegenden Kugeln, deren eine, glatt durchbohrt (die Schraubenstange an ihr drehbar vernietet), im Ausgangspunkt an den feststehenden Teil sich stützt, die andre mit Muttergewinde an dem zu drehenden Teil angebracht ist. Man gibt den Kugelmuttern auch wohl verschiedene Gewinde und schneidet die Mikrometerschraube ebenfalls in je einer halben Länge der Spindel entsprechend, so daß bei jeder Schraubendrehung die erzielte Mikrometerbewegung gleich der Differenz der beiden Gewindehöhen ist (Differentialschraube). Eine andre Art der Mikrometerschraube behufs Zentraldrehung ist die Schraube ohne Ende. Der zu drehende Limbus ist mit einem an der Peripherie gezahnten konzentrischen Ring verbunden; an dem feststehenden Teil ist eine Schraube mit beiden Gewindeenden drehbar vernietet, deren Gewinde in die Zähne eingreifen; der Achsendrehung der Schraube entspricht dann die des Tellers. Zur feinen Messung geradliniger Schiebung (Maßstabmessung) oder zentraler Drehung (Winkelmessung, Bogenmessung) an Meßinstrumenten bedient man sich meist des Nonius. Will man nämlich an dem mit mikrometrisch verschiebbarem Zeigerstrich (Index) versehenen Maßstab oder Limbus (graduierter oder mit Gradeinteilung versehener Kreisbogen) kleinere Teile ablesen, messen, als unmittelbar in Teilstrichen angegeben sind, so bringt man zu einer oder beiden (Doppelnonius) Seiten des Index eine kleine Maßeinteilung auf dem Schieber an, deren Einheit von der des Maßstabes, Limbus, differiert. Diese Maßeinteilung heißt nach dem Erfinder, dem Portugiesen Pedro Nuñez, latinisiert Nonius (17. Jahrh.); nach Lalande ist der Schweizer Vernier (1631) Erfinder, daher das Instrument auch so benannt wird. Der gesuchte und zu messende Abstand des Index (Nullpunkt des Nonius) von dem letztgezählten Strich des Maßstabes ergibt sich durch Aufsuchen desjenigen Noniusstrichs, der mit irgend einem Limbusstrich zusammenfällt; entsprechende Bezifferung des Nonius erleichtert das sofortige Ablesen in Teilen des Limbus; ist z. B. ein Limbus in Bogengrade, der Nonius dagegen so geteilt, daß 29 Limbusteile auf ihm in 30 (Formel: n/(n±1)) Teile abgestrichen sind, so ist eine Minimalnoniusangabe von 1/30 Grad (1/n) = 2 Bogenminuten erwirkt. Auch versieht man wohl für besonders feine Messungen die Peripherie des vergrößertes Kopfes der Mikrometerschraube (Trommel) mit einer Einteilung, die dann an einem feststehenden Zeiger oder Nonius vorbeigedreht wird. Beträgt die Gewindehöhe der Schraube 1 mm, ist die Trommel in 100 Teile geteilt, gibt der Nonius 1/10 des Trommelteils, so würde die winzige Schiebung von ein tausendstel Millimeter (= 1 Millimillimeter, Mikromillimeter) gemessen werden können. Ist die Genauigkeit für mikrometrische Arbeiten in mechanischer Hinsicht sehr bedeutend, so macht doch die ununterbrochene Veränderlichkeit fast sämtlicher Materie mittels der Wärmeeinflüsse manches scheinbar genaue Resultat zur Illusion. Die Teilung z. B. normaler Metallmaßstäbe muß daher unter peinlicher Berücksichtigung der Temperatur (Normaltemperatur meist +13° R., auch 0°) und der Ausdehnungskoeffizienten des Stoffes geschehen. Wo bei der Mikrometrie das bloße Auge nicht mehr ausreicht, geschieht Beobachtung und Messung mittels Lupe und Mikroskop. Bei Höhenmeßaneroiden mißt man durch das Mikroskop an einer kleinen, durch mikroskopische Photographie hergestellten Maßeinteilung. Auch die Meßkeile und Fühlhebel bei den Basismeßapparaten der Gradmessung etc. gehören zu den Mikrometern. In astronomischen Fernrohren hat man (Huygens, Gascoigne) M. in Gestalt fester oder verschiebbarer Fadenkreuze, Fadennetze, angebracht. Diese Fadennetze und -Kreuze werden aus auf Ringe gezogenen Platin- und Spinnfäden hergestellt, neuerdings viel auf dünne achromatische Glasplättchen, Glasmikro-^[folgende Seite]