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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mikulince; Milá y Fontanals; Milān; Milan I.; Milanēsi; Milāno; Milanollo; Milazzo; Milben

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Mikulince - Milben.

darauf das Paraffin mit dem darin eingebetteten Gegenstand schneidet und ersteres aus den Schnitten durch Terpentinöl entfernt. Genaueres über diese Technik s. in den Handbüchern über Mikroskopie.

Mikulince, Stadt in der galiz. Bezirkshauptmannschaft Tarnopol, am Sereth, mit Bezirksgericht, Schloß, Schwefelquelle, Spiritusfabrik, Bierbrauerei, Mühle und (1880) 4007 Einw. (davon 2411 Juden).

Milān, s. Weihen.

Milan I. (Obrenowitsch), König von Serbien, geb. 18. Sept. 1854, Sohn des Fürsten Milosch Obrenowitsch (gest. 1860) und der Maria Catargi, der spätern Geliebten des Fürsten Alexander Cusa von Rumänien, in Paris erzogen, wurde 2. Juli 1868, nach der Ermordung des Fürsten Michael, als M. Obrenowitsch IV. zum Fürsten proklamiert, 22. Aug. 1872 für großjährig erklärt und vermählte sich 17. Okt. 1875 mit Natalie Keschko, Tochter eines russischen Obersten, die ihm 14. Aug. 1876 den Prinzen Alexander gebar. Von Rußland angestachelt und unterstützt, begann er im Juli 1876 gleichzeitig mit Montenegro ohne allen Grund Krieg gegen die Türkei, der jedoch die prahlerisch vorher verkündeten Erfolge, glänzende Siege und Eroberung von Bosnien, keineswegs hatte. M., der die Führung des Heers dem Russen Tschernajew überließ, mußte die ihm von den Truppen angetragene Königskrone ablehnen und, nachdem Ende Oktober bei Alexinatz sein Heer vernichtet und er von Rußland im Stiche gelassen worden war, die Vermittelung Englands für einen Frieden anrufen, der ihm Anfang März 1877 auch von der Türkei unter den Bedingungen wie vor dem Krieg bewilligt wurde. Gleichwohl begann er Ende Dezember 1877 von neuem den Krieg und erlangte auf dem Berliner Kongreß nicht bloß eine beträchtliche Gebietsvergrößerung, sondern auch die Souveränität und den Titel Hoheit. Mit Zustimmung der Mächte nahm er 6. März 1882 den Königstitel an. Klug, gewandt und ein vortrefflicher Redner, wußte sich M. über dem Parteigetriebe eine herrschende Stellung zu verschaffen und in der auswärtigen Politik durch Anlehnung an Österreich Erfolge zu erringen. Nur Kriegslorbeer blieb ihm versagt, indem auch der Krieg mit Bulgarien 1886 mit Niederlagen endete.

Milanēsi, Gaetano, ital. Kunstschriftsteller, geb. 9. Sept. 1813 zu Siena, studierte auf der Universität daselbst Rechtswissenschaft, wurde später städtischer Bibliothekar und ging 1856 nach Florenz, wo er zweiter Beamter am königlichen Staatsarchiv ist. M. hat sich durch Veröffentlichung von zahlreichen Dokumenten aus den Archiven von Siena und Florenz große Verdienste um die Kunstforschung erworben und die Lebensumstände vieler italienischer Meister ermittelt. Seine hauptsächlichsten Veröffentlichungen sind: "Documenti per la storia dell' arte senese" (Siena 1854-56, 3 Bde.); "Scritti varii sull' arte toscana" (das. 1873); "Lettere di Michelangelo Buonarroti etc." (Flor. 1875). Er gab unter anderm heraus: Varchis "Storia fiorentina" (Flor. 1858); Boccaccios "Commento alla Commedia di Dante" (das. 1863, 2 Bde.) und mit seinem Bruder Carlo M. Cenninis "Trattato della pittura". Nachdem er schon an der Lemonnierschen Ausgabe des Vasari einen wesentlichen Anteil gehabt, veranstaltete er 1878-82 allein eine neue Vasari-Ausgabe (Flor., 8 Bde.), welche er mit ausführlichen Kommentaren und zahlreichen neuen Dokumenten ausstattete.

Milāno, ital. Name für Mailand.

Milanollo, Therese, Violinspielerin, geb. 28. Aug. 1829 zu Savigliano bei Turin, Tochter des Malers Joseph M., konzertierte schon von ihrem siebenten Jahr an in Madrid, Paris, in Belgien, Holland und England mit glänzendem Erfolg und machte später (1838) in Paris unter Habeneck (s. d.) noch gründliche Studien. 1842-43 bereiste sie Deutschland, 1852 die Schweiz und später Frankreich, allenthalben ungemessenen Beifall erntend. 1857 verheiratete sie sich zu Toulouse mit dem Geniekapitän Parmentier. - Auch ihre Schwester und Schülerin Marie, geb. 19. Juli 1832, war eine hervorragende Violinvirtuosin und teilte Theresens erste Erfolge, starb jedoch schon 21. Okt. 1848 in Paris.

Milá y Fontanals, Don Manuel, span. Litterarhistoriker, geb. 4. Mai 1818 zu Villafranca del Panades, studierte Jura in Cervara und Barcelona, widmete sich aber nach Vollendung seiner Studien der Litteratur. Seit 1845 Professor der Poesie und Beredsamkeit an der Universität Barcelona, starb er daselbst 16. Juli 1884. Von seinen Veröffentlichungen sind hervorzuheben: "Romancerillo Catalan. Observaciones sobre la poesía popular", eine Sammlung katalonischer Romanzen, Lieder und Märchen (1843; neue Ausg., Madr. 1882); "De los trovadores en España" (Barcel. 1861); "De la poesía heroïco-popular castellana" (das. 1873); "Principios de literatura general etc." (das. 1874).

Milazzo, Stadt in der ital. Provinz Messina (Sizilien), auf dem sandigen Isthmus der granitischen Halbinsel, welche nördlich im Kap M. ausläuft, mit hoch gelegenem Kastell, Kirche aus dem 16. Jahrh., Hafen, Leuchtturm, bedeutendem Thunfischfang, Dampfmühlen, Ausfuhr von Südfrüchten, Öl und Wein und (1881) 7971 Einw. Die Zahl der im Hafen 1885 eingelaufenen Schiffe betrug 941 mit 148,709 Ton., der Warenverkehr 97,003 T. M. ist Sitz eines deutschen Konsuls. - M. ist das alte Mylä, in dessen Nähe die Römer unter dem Konsul Duilius 260 v. Chr. den ersten Seesieg (über die Karthager) gewannen. Am 20. Juli 1860 erfocht hier Garibaldi einen entscheidenden Sieg über die Neapolitaner.

Milben (Acarina), Ordnung der Spinnentiere (Arachnoidea), kleine Tiere mit gedrungenem Körper, an dem nur selten die Grenze zwischen Vorder- und Hinterleib noch angedeutet ist. Die vier Beinpaare enden meist mit zwei Klauen, sind aber häufig auch noch mit Haftapparaten (Saugnäpfen) versehen; die Mundteile sind bei vielen M. zum Beißen, bei andern zum Stechen und Saugen eingerichtet. Die Augen sind klein oder fehlen gänzlich. Die innere Organisation ist sehr einfach. Herz und Blutgefäße fehlen stets, Tracheen häufig, so daß alsdann die Atmung durch die gesamte Haut bewirkt werden muß. Der Darmkanal ist meist mit Blindsäcken versehen, die als Leber gedeutet werden. Nierenartige Organe scheinen ebenfalls nicht immer vorhanden zu sein. Die Geschlechter sind bei den M. stets getrennt. Bei der Begattung halten sich viele Milbenarten mit Saugnäpfen, die in der Nähe der Geschlechtsöffnungen liegen, aneinander fest. Die Eier werden einzeln abgelegt (nur selten findet ein Lebendiggebären statt); die aus ihnen ausschlüpfenden Jungen haben nur drei (höchst selten sogar nur zwei) Beinpaare und machen mehrere Häutungen durch, bei welchen die fehlenden Beine und die äußern Geschlechtsorgane zum Vorschein kommen. Die Lebensweise und Nahrung der M. ist sehr verschieden; die meisten leben parasitisch an Pflanzen und Tieren und ernähren sich von deren Säften, andre streifen im Wasser oder auf dem Land frei umher und leben vom Raub kleinerer Tiere oder als Schmarotzer. Oft wechselt parasitische und selb-^[folgende Seite]