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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Milchsaft; Milchsäure; Milchschorf; Milchschwamm; Milchstraße; Milchwage; Milchwein; Milchweiß; Milchwirtschaft

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Milchsaft - Milchwirtschaft.

Verbindung miteinander und stellen ein reichmaschiges Röhrennetz (Fig. A) her, das den ganzen Pflanzenkörper von der Wurzel bis zu den Blütenteilen durchzieht. Die oft behauptete Kommunikation zwischen M. und Gefäßen findet wahrscheinlich nirgends statt. Bei den Arten von Euphorbia sind sämtliche M. der erwachsenen Pflanze Auszweigungen einiger weniger, schon im Embryo vorhandener Schläuche, die weiter und weiter auswachsen und in die neugebildeten Gewebe eindringen. Im Rhizom von Sanguinaria und bei Chelidonium treten Schläuche mit rotem oder gelbem Farbstoffinhalt auf. Die physiologische Aufgabe der M. besteht in der Leitung und Aufspeicherung plastischer Bildungsstoffe, wie besonders der Kohlehydrate, Fette und Eiweißkörper. Vgl. Hanstein, Die Milchsaftgefäße (Berl. 1864); Schmalhausen, Beiträge zur Kenntnis der Milchsaftbehälter der Pflanzen (Petersb. 1877).

Milchsaft, s. v. w. Chylus. - M. der Pflanzen, s. Milchröhren.

Milchsäure (Gärungsmilchsäure, Äthylidenmilchsäure) C3H6O3 ^[C_{3}H_{6}O_{3}] findet sich im Magensaft und Darminhalt, auch sonst weitverbreitet im tierischen Körper, entsteht durch einen eigentümlichen Gärungsprozeß aus Zucker, Gummi und Stärkemehl, findet sich daher in saurer Milch, Sauerkraut, sauren Gurken, Gerberlohe etc. und bildet sich leicht in Bierwürze. Zur Darstellung von M. läßt man Milch sauer werden, wäscht den ausgeschiedenen Käsestoff mit Wasser aus, löst in den mit dem Waschwasser gemischten Molken Milchzucker, setzt Zinkweiß zu, läßt das Gemisch in einem offenen Gefäß bei 25-35° gären und setzt, sobald saure Reaktion eintritt, von neuem Zinkweiß zu. Zuletzt gießt man ab, löst das abgeschiedene milchsaure Zink in möglichst wenig Wasser, säuert die gesamte Flüssigkeit mit Salzsäure an, kocht auf, koliert, läßt kristallisieren, verdampft die Mutterlauge auf ein Drittel, läßt wieder kristallisieren, wäscht das Zinksalz mit Weingeist, kristallisiert es um, zersetzt es mit Schwefelwasserstoff und verdampft das Filtrat. M. bildet einen farb- und geruchlosen Sirup vom spez. Gew. 1,215, schmeckt stark sauer, ist leicht löslich in Wasser, Alkohol und Äther, nicht flüchtig, verflüchtigt sich aber mit Wasserdämpfen, löst leicht Erdsalze, besonders Kalkphosphat, gibt bei 130° Milchsäureanhydrid, vergärt in Bierwürze, gibt aber mit faulenden tierischen Stoffen Buttersäure, Kohlensäure, Wasserstoff. Sie bildet neutrale, in Wasser und Alkohol lösliche Salze, welche bis auf die der Alkalien kristallisierbar sind. Milchsaures Eisenoxydul Fe(C3H5O3)2.3H2O ^[Fe(C_{3}H_{5}O_{3})_{2}.3H_{2}O], welches man aus sauren Molken und Eisenfeile oder aus milchsaurem Natron und Eisenvitriol erhält, ist farblos, kristallinisch, wenig löslich in Wasser, schmeckt mild süßlich eisenartig und dient als Arzneimittel. Die M. wird als Verdauung beförderndes Mittel und auch bei Krupp und Diphtheritis angewendet, weil sie die bei diesen Krankheiten auftretenden Membranen löst, ferner bei der sogen. phosphatischen Diathese, zu Mundwässern wie auch als Zahnreinigungsmittel benutzt. Außerdem kommt sie in Form von Molken und Buttermilch vielfach in Anwendung, und milchsäurehaltige Flüssigkeiten spielen in der Gerberei, Färberei (Kleienbad) und Stärkefabrikation (Lösung des Klebers) eine Rolle; auch in der Bierwürze bildet sich leicht M.

Milchschorf (Milchborke, Ansprung, Crusta lactea s. serpiginosa, Porrigo larvalis), Bläschenausschlag, welcher fast ausschließlich bei Säuglingen vorkommt und die Haut der Wangen, des Kinnes und namentlich die behaarte Kopfhaut befällt, ohne jedoch andre Hautstellen gänzlich zu verschonen. Die erkrankten Hautpartien bekommen ein rotes, glänzendes Aussehen, und nachdem einige kleine Bläschen mit Eiterpustelchen aufgeschossen und zerplatzt sind, überziehen sie sich mit einer hellgelblichen Flüssigkeit, welche später zu dicken, gelblichen, fest aufsitzenden Krusten und Schorfen eintrocknet. Die Behandlung geschieht durch weiße Präzipitatsalbe und Sublimat in schwacher Lösung, durch schwefelsaures Zink und kohlensaures Blei, am besten in Salbenform. Von vorzüglicher Wirkung und ohne Nachteil für das Allgemeinbefinden ist folgende Schnellkur. Die Krusten werden in einem warmen Wasserbad aufgeweicht und abgelöst; auf die entblößten und schwach blutenden Stellen werden kalte Wasserumschläge gemacht, um das brennende Gefühl und die etwanige Blutung zu beseitigen, und wenn dies geschehen ist, werden die erkrankten Hautpartien mit frisch ausgelassenem Rindstalg in ziemlich dicker Schicht sanft bestrichen. Man wiederholt dann die Prozedur ein- oder zweimal, wonach das Übel vollständig verschwindet. An Stelle der Krusten bildet sich eine gesunde und glatte Epidermis, die man noch einige Zeit durch milde Salben vor Witterungs- und andern Einflüssen schützen muß. Die örtliche Kur des Milchschorfs unterstützt man gern durch Darreichung von Leberthran und kräftigende Diät (Milch, rohe Eier etc.).

Milchschwamm, s. Agaricus II.

Milchstraße, der in weißlichem Licht schimmernde Gürtel, welcher das Himmelsgewölbe in zwei nicht ganz gleiche Teile teilt und aus sehr zahlreichen kleinen und kleinsten Sternen besteht. Nach W. Herschels Ansicht erklärt sich die Erscheinung der M. durch die schon von Kant angenommene linsenförmige Gestalt des Sternsystems, in dem wir uns befinden; in Richtung der M. soll sich dasselbe fünfmal so weit ausdehnen als rechtwinkelig dazu; die Teilung der M. erklärt er durch eine riesige, bis halbwegs zur Mitte des Systems reichende Spalte. Vgl. Fixsterne, S. 322. - Über den Mythus der Entstehung der M. s. Herakles, S. 394.

Milchwage, s. Milch, S. 609.

Milchwein, s. v. w. Kumys.

Milchweiß, s. v. w. Annaline, s. Gips.

Milchwirtschaft, diejenige Art der Haltung von Rindvieh, bei welcher man die Erzielung der größtmöglichen Menge von Milch und deren beste Verwertung beabsichtigt. Sie bedingt, besonders bei direktem Verkauf von frischer Milch, weit lebhaftern Geldumsatz, als sonst möglich, und kann deshalb mit relativ geringerm Betriebskapital organisiert werden. Von großer Wichtigkeit ist die M. für die städtischen Bevölkerungen. Sehr schöne Einrichtungen der Art haben unter andern London, Leipzig, Breslau. Am vorteilhaftesten gestaltet sich hier der Betrieb ganz ohne Zucht mit frischmelkenden Kühen, welche man so lange benutzt, als sie genügend Milch geben. Im großen Durchschnitt kann man annehmen, daß die Kühe im ersten Halbjahr nach dem Kalben 70-80 Proz. ihres gesamten Milchertrags liefern. Hält man die Kühe in den Milchwirtschaften nur so lange, so erhält man mit ganz denselben Unkosten die doppelte Milchmenge. Sorgsame Berechnungen haben erwiesen, daß eine M. in einer großen Stadt nicht bestehen kann, wenn nicht im großen Durchschnitt pro Kopf täglich mindestens 9 Lit. Milch gemolken werden können, gleichgültig, ob der Betrieb mit eignem Areal oder ohne solches stattfindet. Da, wo die Milch nicht mehr täglich frisch verkauft werden kann, muß die M. entweder zur Butter- oder zur Käsefabrikation