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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Militärbeleidigung - Militäreisenbahnwesen.

examen bestanden haben, für alle übrigen Stellungen muß die Qualifikation in einer meist sechsmonatlichen Probedienstleistung dargethan werden.

Militärbeleidigung, s. Beleidigung.

Militärbergung, s. Bergen.

Militärbevollmächtigter, ein höherer Offizier, welcher einer Gesandtschaft beigegeben ist, um die militärischen Interessen der von dieser vertretenen Regierung im Ausland zu wahren.

Militärbezirke, s. Rußland (Heerwesen).

Militärbezirksgerichte, beim mobilen Heer Feldgerichte, in Bayern die Strafgerichte für alle Fälle der höhern Gerichtsbarkeit, wie die Militäruntergerichte Organe der niedern Gerichtsbarkeit sind (s. Militärgerichtswesen).

Militärdienstversicherung, s. Aussteuerversicherung.

Militärehrenzeichen, am 30. Sept. 1806 in Preußen für persönliche Auszeichnung vor dem Feind als Militärverdienstkreuz (goldenes Kreuz), M. erster (silbernes Kreuz) und zweiter Klasse (silberne Medaille), gestiftet, um an Militärpersonen vom Feldwebel abwärts verliehen zu werden. Mit dem Verdienstkreuz ist eine Pension von monatlich 9, mit dem M. erster Klasse von 3 Mk. verbunden. Die M. werden am schwarzweißen Band getragen.

Militäreisenbahnwesen. Die systematische Benutzung der Eisenbahnen zur Truppenbeförderung für Kriegszwecke, sowohl für den strategischen Aufmarsch der Armeen als ihre taktischen Operationen, ist verhältnismäßig neu. Die erste Anregung hierzu gab Pönitz durch seine Schrift "Die Eisenbahnen als Operationslinien" (Berl. 1842), in welcher er die Verbindung der Eisenbahnen mit der Telegraphie als einen unbedingten Fortschritt für militärische Zwecke bezeichnete. Sie wurde lange bekämpft, bis der Feldzug 1859 in Italien durch die Benutzung der Eisenbahnen sowohl von seiten der Österreicher als der Franzosen die Bedeutung dieser Verkehrsmittel praktisch darlegte. Aber erst die Amerikaner haben während des Bürgerkriegs diese Kriegspraxis in weitgehendster Weise ausgebildet. Die dort gemachten Erfahrungen hat Preußen 1866 mit außerordentlichem Erfolg angewendet, und 1869 wurde im Großen Generalstab eine Eisenbahnabteilung gebildet, welche in Vereinbarung mit den Eisenbahndirektionen die Fahrpläne für die gesamten Militärzüge bei einer Mobilmachung feststellt. Der Erfolg war, daß vom 24. Juli bis 5. Aug. 1870 auf neun Linien 384,000 Mann mit allem Gerät etc. an die Grenze befördert werden konnten. Von Preußen waren vier, von Bayern eine Feldeisenbahnabteilung formiert worden, welche sogleich die Herstellung der zerstörten Eisenbahnen in Angriff nahmen. 280 Meilen Bahnen wurden hergestellt und vier Betriebskommissionen unterstellt, die jedoch vom Handelsminister ressortierten. Der dadurch erschwerte Verkehr mit den Linienkommissionen und Feldeisenbahnabteilungen war Ursache, nach dem Krieg Eisenbahnbetriebs- und Bauabteilungen militärisch zu organisieren. Die "Instruktion, betreffend das Etappen- und Eisenbahnwesen", vom 20. Juli 1872 enthält die weitern Organisationen: an der Spitze steht der dem Generalinspekteur des Etappen- und Eisenbahnwesens unterstellte Chef des Feldeisenbahnwesens (General). Zu seiner Verfügung stehen das Eisenbahnregiment, mehrere Generalstabsoffiziere und höhere Eisenbahntechniker. Ihm unterstellt sind: der Chef der Eisenbahnabteilung im stellvertretenden Generalstab; der Militäreisenbahndirektor (höherer Stabsoffizier), der an der Spitze der mobilen Eisenbahndirektion steht; die Linien- und die Bahnhofskommandanten. Die Eisenbahndirektion besteht aus dem Direktor (Stabsoffizier), Vorstand der Transportabteilung, je einem Bau-, Betriebs- und Maschinentechniker und einem Verwaltungsbeamten mit dem erforderlichen militärischen und technischen Unterpersonal für das Bau-, Betriebs- und Maschinenwesen. Im okkupierten Gebiet werden nach Bedarf Eisenbahnbetriebsinspektionen errichtet, deren Bezirk etwa je 450 km Bahnlänge umfassen soll. Ihnen werden dann die erforderlichen Eisenbahnbetriebskompanien überwiesen. Diese Organisation machte die Aufstellung einer militärisch-technisch ausgebildeten Truppe notwendig, und zu diesem Zweck wurde 19. Mai 1871 ein Eisenbahnbataillon errichtet, welches 30. Dez. 1875 zu einem Eisenbahnregiment und 1887 auf 16 Kompanien (4 Bataillone) erweitert wurde. Bayern hat entsprechend ein Eisenbahnbataillon. Das Eisenbahnregiment hat die von Berlin nach dem Schießplatz bei Kummersdorf führende 45 km lange Militäreisenbahn derart im Betrieb, daß das ganze Betriebspersonal aus Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften des Regiments entnommen wird. Das Regiment bildet im Frieden die Mannschaften sowohl im Herstellen als im Zerstören des Oberbaues, von Brücken, Tunnels, Telegraphen etc. aus. Aus ihnen werden bei der Mobilmachung 8 Eisenbahnbau-, 4 Betriebs- und 2 Eisenbahnarbeiter-Kompanien aufgestellt. Das Eisenbahnregiment ist dem Chef des Generalstabs der Armee direkt unterstellt. - Österreich-Ungarn hat seit 8. Juli 1883 ein Eisenbahn- und Telegraphenregiment von 2 Bataillonen à 4 Kompanien, welches im Krieg 8 Eisenbahnkompanien und die Telegraphenformationen aufstellt. Nach der Okkupation Bosniens wurde durch die österreichischen Feldeisenbahnabteilungen die Linie Banjaluka-Doberlin betriebsfähig hergestellt und seit 24. März 1879 als "K. K. Militärbahn Banjaluka-Doberlin" von den Feldeisenbahnabteilungen I-V in Betrieb genommen; sie ist 101 km lang. - Frankreich besitzt 8 Eisenbahnkompanien (je 1 pro Genieregiment und das 20. Geniebataillon), welche mit der Genieschule zu Versailles vereinigt sind. Für den Kriegsfall sind die 6 großen Eisenbahngesellschaften verpflichtet, aus ihren Beamten 8 technische Sektionen von Feldeisenbahnarbeitern aufzustellen und die Beamten für die 3 Abteilungen jeder Sektion, Bau-, Betriebs- und Fahrpersonal, herzugeben. Rußland hat 5 Eisenbahnbataillone. Im Festungskrieg finden schmalspurige, sogen. Feld- und Förderbahnen zum Material- und Munitionstransport, sowohl beim Angreifen als bei der Verteidigung, vielfach Verwendung. Sie werden von denjenigen Truppen gebaut und in Betrieb genommen, welche ihrer bedürfen, also von der Fußartillerie und den Pionieren, die Eisenbahntruppen haben mit ihnen nichts zu thun. Da es sich zur Versorgung der Batterien mit Munition häufig um schnellen Ortswechsel des ausgelegten Geleises handelt, so muß letzteres leicht auszulegen und aufzunehmen sowie leicht transportabel sein, anderseits aber auch genügende Tragfähigkeit für Lasten bis zu etwa 80 Ztr. besitzen. Es sind daher zusammengesetzte Joche aus Stahlschwellen und Stahlschienen mit einfacher Stoßverbindung am zweckmäßigsten. Für die Bahnen in den Kehlgräben der Forts und wenig wechselnde Geleise wird feste Laschenverbindung vorgezogen. Für die Friedensübungen der Artillerie (auf den Schießplätzen und bei Belagerungsübungen) sind die Feldbahnen des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüt-^[folgende Seite]