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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mimir; Mīmisch; Mimnérmos; Mimodramen; Mimographen; Mimōsa; Mimosarinden

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Mimir - Mimosarinden.

weil sie eines übeln Geschmacks oder Geruchs oder ihrer zu harten Schalen wegen von insektenfressenden Vögeln und Säugetieren verschmäht werden, weshalb sie meist mit lebhaften Farben geschmückt sind oder des Nachts leuchten, um sich schon aus einiger Entfernung kenntlich zu machen, und sich langsam, dreist und offen vor aller Augen zeigen. Zu ihnen gehören ganze Familien, z. B. unter den Schmetterlingen die Danaiden und Helikoniden, unter den Käfern die Telephoriden und Lampyriden, die dann auch in ihren oft lebhaften Farben und Zeichnungen von Schmetterlingen und Käfern aus andern Abteilungen, deren Angehörige sonst starker Verfolgung unterliegen, nachgeahmt werden, mitunter Ein Vorbild durch mehrere Nachahmer aus ganz verschiedenen Abteilungen, die sich ersterm im Flug beigesellen. Eine andre Kategorie von Tieren, die häufig nachgeahmt werden, sind die mit einer gefürchteten Waffe versehenen, z. B. die Wespen und Ameisen sowie einzelne Giftschlangen. Am auffälligsten wird die Erscheinung, wenn sich Tiere ganz andrer Ordnungen an dergleichen Nachahmungen beteiligen, z. B. Wespen und Bienen durch Schmetterlinge, Käfer, Fliegen, Geradflügler und Halbflügler, oder Ameisen durch Käfer, Heuschrecken und Wanzen, Giftschlangen nicht allein durch ungiftige Schlangen, sondern auch durch große Raupen nachgeahmt werden etc. In einzelnen Fällen scheinen auch Schmarotzerinsekten ihre Wirte nachzuahmen und sich dann unerkannt in deren Nester einzuschleichen, und selbst unter den Pflanzen glaubt man analoge Erscheinungen, z. B. die Nachahmung der vom Weidevieh gemiedenen Nessel durch sogen. Taubnesseln, nachweisen zu können. - Im weitern Sinn rechnet man zur M. gewöhnlich auch die Nachahmung ungenießbarer, lebloser Gegenstände, wie z. B. diejenige welker, zerfressener und schimmelbedeckter Baumblätter durch Schmetterlinge oder Heuschrecken, von Zweigstückchen, Kothäufchen, Kokons, deren Inhalt ausgeschlüpft, oder selbst die der bloßen Verbergung dienende Nachahmung der Gegenstände, unter und auf denen ein Tier Zuflucht sucht, z. B. grüner Zweige und Baumblätter, flechtenbewachsener Steine, Baumrinden etc. Das Verständnis der Faktoren, durch welche diese oft bis auf die geringsten Einzelheiten eingehenden und bis zur vollendetsten Täuschung führenden Nachahmungen zu stande kommen, wurde erst durch die Theorie Darwins von der natürlichen Auslese möglich, und zwar waren es vor allen die Naturforscher Bates und Fritz Müller, welche zuerst richtige Erklärungen der betreffenden Verhältnisse und Vorgänge gaben, über deren Ursachen man bis dahin abenteuerliche Theorien aufgestellt hatte. Vgl. Darwinismus (S. 566). Auf beifolgender Tafel (nebst Textblatt) sind einige charakteristische Beispiele der verschiedenen Formen der M. dargestellt.

Mimir ("Gedächtnis"), in den Edden ein weiser Jote (Riese), dem der Mimirsbrunnen, die in Jötunheim entspringende "Quelle der Weisheit", gehört, aus der er jeden Morgen trinkt, wodurch er zum Besitz der höchsten Erkenntnis gelangt. Auch Odin begehrte einst von dem Quell zu kosten; doch M. gestattete es nur unter der Bedingung, daß ihm jener das eine seiner Augen zum Pfand gebe. Fortan schöpfte M. mit diesem (in Gestalt eines Horns) den Trank der Weisheit. Das eine Auge des Himmelsgottes ist die Sonne; das verpfändete andre wird auf den Mond gedeutet, dessen Spiegelbild (zum Teil als sichelförmiges Horn) aus dem Wasser hervorblickt. Nach der Heimskringla begleitete M. den Hönir (s. d.) zu den Wanen, die ihn erschlagen und sein Haupt den Asen zurücksenden; aber noch mit diesem Haupt berät sich Odin. In der Heldensage erscheint M. als kunstfertiger Schmied, der Siegfried und Wieland in dieser Kunst unterrichtet.

Mīmisch (griech.), zur Mimik (s. d.) gehörig.

Mimnérmos, Begründer der erotischen Elegie der Griechen, aus Kolophon in Asien, älterer Zeitgenosse des Solon, blühte um 630-600 v. Chr. Die Sammlung seiner Liebeselegien trug die Aufschrift: "Nanno" nach einer schönen Flötenspielerin, die der schon bejahrte Dichter liebte, ohne Erwiderung seiner Neigung zu finden, daher er sich in seinen Gedichten in wehmütigen Klagen über das Alter und die Vergänglichkeit des Lebens erging. Die Alten nannten ihn den "lieblichen Sänger" wegen der Zartheit und Anmut seiner einfachen Sprache, von denen noch die vorhandenen kärglichen Reste Zeugnis ablegen (gesammelt von Bach, Leipz. 1826, von Schneidewin in seinem "Delectus", Götting. 1838, und von Bergk in "Poetae lyrici graeci", 4. Aufl., Leipz. 1882; übersetzt von Weber in den "Elegischen Dichtern der Hellenen", Frankf. 1826, und Hartung in den "Griechischen Lyrikern", Leipz. 1855-57). Vgl. Schönemann, De vita et carminibus Mimnerini (Götting. 1823).

Mimodramen (griech.), die von Kunstreitergesellschaften etc. aufgeführten Schaustellungen.

Mimographen (griech.), s. Mimen.

Mimōsa Adans. (Mimose, Sinnpflanze), Gattung aus der Familie der Mimoseen, Kräuter, Sträucher oder Bäume mit doppelt gefiederten Blättern, die selten auf phyllodienartige Blattstiele mit rudimentärer Spreite reduziert sind, in Köpfchen oder Ähren stehenden, meist sehr kleinen Blüten und meist flacher, zusammengedrückter Hülse. Etwa 230 Arten, hauptsächlich im warmen Amerika. Die meisten Arten haben sensitive Blätter, welche bei leiser Berührung ihre Fiederblättchen aufwärts zusammenlegen; bei stärkerer Berührung legen sich auch die benachbarten Fiederblättchen zusammen, und wenn der Reiz andauert, senken sich die ganzen Fiedern und zuletzt selbst der gemeinsame Blattstiel herab. Nach längerer Ruhe heben sich die Blätter wieder, und die Fiederblättchen breiten sich wieder aus. Am ausgeprägtesten besitzt diese Eigenschaft M. pudica L. (Noli me tangere), ein 30-60 cm hoher, kahler oder behaarter, zerstreut stachlichter Halbstrauch mit meist zweijochig gefiederten Blättern und vielen Fiederchen, in Brasilien und Westindien, auch über Asien und Afrika durch Kultur verbreitet, der in Europa häufig in Gewächshäusern gehalten wird.

Mimosarinden, von Acacia-Arten abstammende gerbsäurereiche Rinden, werden in Indien, am Kap und Senegal, auf Réunion, in Algerien, auf den Sundainseln, in Südamerika von zum Teil kultivierten Akazien, namentlich aber in Australien (Wattle) gewonnen und verwendet. Die australischen M. gehören zu den wichtigsten und vorzüglichsten Gerbmaterialien, und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, daß sie auch quantitativ die erste Rolle unter den Gerbmaterialien spielen werden. Die wichtigste Wattlerinde stammt von Acacia decurrens Willd. in Neusüdwales, ist hart und sehr schwer, meist ganz- oder halbröhrig zusammengerollt, außen glänzend graubraun bis schwärzlich, innen fast glatt, bräunlichrot, stellenweise fast violett, riecht sehr schwach veilchenartig, schmeckt sehr stark adstringierend und klebt beim Kauen an den Zähnen. Sie enthält über 30 Proz. Gerbstoff und sehr reichlich Stärke. Man gewinnt sie in Schälwäldern und bringt zwei Sorten in den Han-^[folgende Seite]