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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mineralwässer

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Mineralwässer (künstliche).

bildete Schwefelsäure auf alkalihaltige Silikate ein, so entstehen Glaubersalzquellen. Mit Sulfaten, etwa mit Gips, beladene Wässer können beim Durchsinken bituminöser Schichten eine Reduktion der Sulfate erleiden und die neugebildeten Schwefelverbindungen eine Schwefelwasserstoffquelle veranlassen. Charakteristisch sind ferner für gewisse M. die Absätze, die sie an ihrer Austrittsstelle liefern, so namentlich der Schwefel für die Schwefelwasserstoffquellen, die kohlensauren Salze als solche oder wie das Eisencarbonat weiter oxydiert (zu Eisenhydroxyd) für die Säuerlinge. In diesen Absätzen finden sich nicht selten die im Quellwasser nur in sehr geringen Spuren auftretenden Körper in wägbarer Menge (so z. B. Arsen in den Eisenabsätzen).

Die M. werden zum Teil direkt an der Quelle getrunken (Brunnenkur) oder zum Baden benutzt, vielfach aber auch auf Krüge oder Flaschen gefüllt und verschickt. Wird hierbei nicht genügend Rücksicht auf die Beschaffenheit des Wassers genommen, so kann dasselbe in kurzer Zeit sich zersetzen. Als Schutzmittel wirkt stets die freie Kohlensäure, welche die Kohlensäuresalze der alkalischen Erden und des Eisens in Lösung erhält und durch ihren Druck den Zutritt der Luft in die Flaschen hindert. Man hat deshalb mehrfach angefangen, beim Füllen der Flaschen Vorkehrungen zu treffen, durch welche die im Mineralwasser enthaltene freie Kohlensäure am Entweichen gehindert wird.

Künstliche Mineralwässer.

Der gesteigerte Konsum der M. hat dazu geführt, die natürlichen M. nachzuahmen, durch künstliche zu ersetzen. Indem man genau die Analyse der M. und das Verhalten der nachgewiesenen Stoffe berücksichtigt, gelangt man zu Nachbildungen, welche die natürlichen M. in vielen Fällen vollständig zu ersetzen im stande sind und stets gleiche Beschaffenheit haben, während die natürlichen M. in verschiedenen Jahren oder Jahreszeiten erhebliche Schwankungen in ihrer Zusammensetzung zeigen. In neuerer Zeit hat man gleichsam neue M. geschaffen, indem man Mischungen herstellte, die sich nicht in der Natur vorfinden u. für manche Fälle oft viel zweckmäßiger zusammengesetzt sind als die natürlichen M., bei denen gewisse Bestandteile unangenehme Nebenwirkungen hervorbringen können.

Die Fabrikation der künstlichen M. erfolgt im allgemeinen in der Weise, daß man sehr reines (destilliertes) Wasser mit den der Analyse entsprechenden Ingredienzien versetzt, dann mit Kohlensäure unter einem Druck von mehreren Atmosphären sättigt und das fertige Wasser auf Flaschen füllt. Bei fabrikmäßigem Betrieb benutzt man zur Entwickelung der Kohlensäure Apparate mit Rührwerk, z. B. einen innen verzinnten und mit Blei ausgelegten kupfernen Cylinder A (Fig. 1), durch dessen Deckel, mit Stopfbüchsen o gedichtet, eine durch die Kurbel p drehbare Messingwelle n geht, an der ein vierarmiger, mit Blei beschlagener hölzerner Rührapparat befestigt ist. In der Mitte des Entwickelungsgefäßes erhebt sich ein Cylinder, welcher das Bleigefäß B zur Aufnahme der Säure enthält. Die Öffnung a im Boden desselben kann durch das Stangenventil b mittels der Kurbel e geöffnet und geschlossen werden. Die kleine Öffnung c dient zur Druckausgleichung, die Verschraubung f zum Einfüllen der Säure, m ist ein Manometer, h dient zum Einfüllen des Kohlensäuresalzes, als welches man Magnesit, auch Kreide oder Kalkstein benutzt, l zum Ablassen der Lösung nach vollendeter Entwickelung. Die Kohlensäure entweicht durch das mit Hahn z versehene Rohr r, während i ein Sicherheitsventil ist. Die Kohlensäure passiert ein oder mehrere halb mit Wasser gefüllte Waschgefäße und wird auch, wenn nötig, mit Eisenvitriollösung, Sodalösung, neutraler. Eisenchloridlösung, übermangansaurem Kali oder Öl gewaschen, passiert auch wohl ein Gefäß mit frisch ausgeglühter Holzkohle. Man sammelt die Kohlensäure in Gasometern von gewöhnlicher Konstruktion und treibt sie durch eine Druckpumpe in ein kupfernes, innen verzinntes Mischgefäß, in welchem ein Rührwerk das Gas mit dem Wasser, welches bereits die dem Mineralwasser eigentüm-^[folgende Seite]

^[Abb.: Fig. 1. Kohlensäure-Entwickelungsapparat.]

^[Abb.: Fig. 2. Apparat zur Darstellung künstlicher Mineralwässer.]