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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mineralweiß - Mingrelien.

Leben, Landaufenthalt etc. (s. Bad). Litteratur s. bei Balneologie.

Mineralweiß, s. v. w. Schwerspatpulver oder Barytweiß.

Minérva (Menerva), die italische Göttin des Verstandes, des Nachdenkens und der Erfindsamkeit, die Schutzpatronin aller Fertigkeiten und Künste, insbesondere der Spinnerinnen und Weberinnen, der Walker, Färber, Schuster, Zimmerleute, Musikanten, Bildhauer, Maler, Ärzte, Schauspieler, Dichter, der Schullehrer und namentlich auch der Schulkinder. Ihre ältesten und wichtigsten Heiligtümer lagen in Rom auf den Höhen der Stadt: auf dem Kapitel, wo sie von dem ihr mit Jupiter und Juno gemeinsamen großen Tempel das Schiff zur Rechten des höchsten Gottes innehatte, dem Aventin, wo sich das Versammlungslokal der Dichter und Schauspieler befand, und auf dem Cälius. Ihr Hauptfest waren die Quinquatrus (s. d.). Im Lauf der Zeit trat die griechische Auffassung immer mehr in den Vordergrund, indem M. mit Pallas Athene identifiziert wurde. So geschah es jedenfalls im Hinblick auf die Sieg und Beute verleihende Athene, wenn ihr Pompejus von der Beute seiner Feldzüge im Orient einen Tempel errichtete, und Augustus hatte die beratende Athene im Auge, wenn er die von Cäsar erbaute Julische Kurie mit einer der M. geweihten Vorhalle versah. Auch bildlich wurde die römische M. ganz der griechischen Göttin entsprechend dargestellt (s. Athene).

Minervae Promontorĭum, steiles Vorgebirge Kampaniens, Capri gegenüber, mit einem angeblich von Odysseus erbauten Tempel der Athene; jetzt Punta della Campanella (mit Leuchtturm).

Minervini (spr. -wīni), Giulio, ital. Archäolog, geboren um 1815 zu Neapel, war eine Zeitlang Direktor des Museo Borbonico (jetzt Nationalmuseum) daselbst und machte sich besonders durch die Werke: "Monumenti antichi inediti" (Neap. 1850-54, 2 Bde.) und "Bulletino archeologico" das. 1850 ff.) bekannt und verdient.

Minervīno Murge, sehr alte Stadt in der ital. Provinz Bari, Kreis Barletta, hat (1881) 14,972 Einw., welche Landwirtschaft und Handel betreiben.

Minette, ein den Porphyren (s. d.) zuzuzählendes Gestein. In Luxemburg bezeichnet man als M. ein im obern Lias vorkommendes Eisenerz, Eisenhydroxyd, mehr oder weniger vermengt mit kieselsaurem und kohlensaurem Eisenoxydul, Thon, Mergel oder Kalk, bald kalkreich (graue M.), bald thon- und kieselreich (rote M.), mit durchschnittlich 33 Proz. Eisen und zuweilen stark phosphorhaltig. M. liefert ein sehr billiges Roheisen.

Mineur (franz., spr. -ör), in der Musik s. Minore.

Mineure (franz., spr. -nör, Minierer), die im Minenbau ausgebildeten Genietruppen oder Pioniere. Über M. in der Börsensprache s. Mine.

Ming, chinesische Dynastie, welche von 1368 bis 1644 als letzte einheimische Dynastie über China regierte, u. unter der das Land die höchste Blüte erreichte.

Minge (spr. minnje), Fluß in der preuß. Provinz Ostpreußen, kommt, wie die Dange, aus Rußland vom Plateau von Schamaiten, mündet ins Kurische Haff und ist von der Grenze ab 45 km schiffbar.

Minghetti, Marco, ital. Staatsmann, geb. 8. Sept. 1818 zu Bologna als der Sohn eines reichen Kaufmanns, studierte daselbst, bereiste Deutschland, England, Frankreich, begründete 1846, nach Pius' IX. Thronbesteigung, in Bologna das gemäßigt liberale Journal "Il Felsineo", war Mitglied der 1847 von Pius IX. nach Rom berufenen Konsulta und des am 10. März 1848 gebildeten liberalen Kabinetts als Minister der öffentlichen Arbeiten. Aber schon durch die Encyklika vom 29. April d. J. über die wahre Gesinnung Pius' IX. belehrt, trat er zurück, begab sich zu Karl Albert von Sardinien, ward dessen Generalstab zugeteilt, machte den Feldzug von 1848 in der Lombardei mit und erhielt nach dem Kampfe von Goito den Rang eines Majors. Nach dem unglücklichen Ausgang des Kriegs kehrte er als Privatmann in seine Vaterstadt zurück, wo er die Schrift "Della economia pubblica e delle sue attinenze colla morale et col diritto" (Bologna 1859, 2. Aufl. 1868) veröffentlichte. Zugleich knüpfte er ein Freundschaftsverhältnis mit Cavour an und stand demselben 1859 als Generalsekretär im Auswärtigen Ministerium bis zum Frieden von Villafranca zur Seite. Darauf betrieb er als Präsident der Nationalversammlung der Romagna die Vereinigung dieser Provinz mit Sardinien und vertrat seine Vaterstadt im italienischen Parlament. Im Oktober 1860 übernahm er unter Cavour das Ministerium des Innern und behielt es auch unter Ricasoli. Da jedoch seine neue Verwaltungsreorganisation nach großen Regionen und im dezentralisierenden Sinn beim Parlament eine ungünstige Aufnahme fand, so trat er 1862 zurück. In dem Kabinett Farinis übernahm er im Dezember 1862 die Finanzen und nach Farinis Ausscheiden 1863 zugleich den Vorsitz. Sein Werk war die Konvention vom 15. Sept. 1864; die Entrüstung, welche sie in Turin erregte, wo es zu Unruhen kam, bewog ihn, 20. Sept. 1864 zurückzutreten. 1868 im Juli ging er als Gesandter nach London, trat aber bereits im Mai 1869 als Ackerbauminister wieder ins Ministerium Menabrea, mit dem er im November 1869 seine Entlassung nahm. Er war sodann Führer der Opposition gegen das Kabinett Lanza-Sella und Berichterstatter im Parlament über dessen Finanzvorlagen und trat nach seinem Sturz im Juli 1873 an die Spitze des Koalitionsministeriums, in dem er selbst die Finanzen übernahm. Während er für seine Hauptaufgabe die Lösung der innern Verwaltungsfragen und die Herstellung des finanziellen Gleichgewichts erklärte, wurde ihm gleich zu Anfang ein großer Erfolg durch die Allianz mit Deutschland und die Aussöhnung mit Österreich zu teil, welche die Besuche der Monarchen begründeten. Die Beseitigung des Defizits und das Bankgesetz waren ebenfalls bedeutende Verdienste Minghettis; indes die Zersplitterung der Parteien im Parlament und der Mangel einer festen Majorität nötigten ihn im März 1876 zum Rücktritt. Er starb 10. Dez. 1886 in Rom. Von seinen Schriften sind noch zu erwähnen: "Opuscoli letterari ed economici" (Florenz 1872), "Le donne italiani nelle belle arti" (Giugno (1877), "Stato e chiesa" (Mail. 1878), in dem er ein kirchenpolitisches System auf Grund der Cavourschen Formel: "Libera chiesa in libero stato" aufstellte, "Il citadino e lo stato" (1886) und eine wertvolle Biographie Raffaels ("Raffaello", Bologna 1885; deutsch von Münz, Bresl. 1887).

Mingolsheim, Kirchdorf im bad. Kreis Karlsruhe, an der Linie Mannheim-Konstanz der Badischen Eisenbahn, hat Mahl- und Schneidemühlen, Zigarrenfabrikation, Tabaks- und Hopfenbau und (1885) 2067 meist kath. Einwohner. In der Nähe Schloß Kitzlau, sonst Residenz der Bischöfe von Speier, jetzt Staatsgefängnis, und eine kalte Schwefelquelle.

Mingrelĭen (Mingreul, "Land der tausend Quellen"), ehemals selbständiges Fürstentum in Kaukasien, am Schwarzen Meer, zwischen Abchasien (im