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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Minié; Minié-Gewehr; Minieh; Minieren; Minierschlangen; Minĭma

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Minié - Minima.

Gaston III. von Foix in Dresden, "Le roman de la rose" von Johann de Melun u. a. Die Miniaturen in Handschriften aus dem Anfang des 15. Jahrh. zeigen in ihrer feinen und eleganten Durchführung diese Kunst in ihrer höchsten Vollendung, so z. B. das Gebetbuch des Herzogs Johann von Berri, ein lateinischer Psalter desselben Fürsten, das Breviarium von Belleville u. a. In Deutschland ist in dieser Zeit besonders die böhmische Schule ausgezeichnet, deren künstlerische Bestrebungen von Kaiser Karl IV. und seinem Sohn Wenzel sehr unterstützt wurden. Hervorzuheben sind besonders: die für den König Wenzel angefertigte deutsche Bibel in 6 Bänden, eine Abschrift der Goldenen Bulle von 1440 und ein für den Erzbischof von Prag, Sbinko Hasen von Hasenberg, gefertigtes Missale von 1409. An diese böhmischen Arbeiten schließen sich einige österreichische, jetzt in Wien, im Stift Melk etc. Im übrigen Deutschland wandte man sich in dieser Zeit selten der M. zu, dort wurde mehr die Tafelmalerei kultiviert; auch englische Werke dieser Periode sind selten. Die realistische Richtung in der Malerei, welche die Gebrüder van Eyck schnell zur allgemeinen Geltung brachten, wurde bald auch auf die Buchmalerei übertragen. Porträtmäßige Behandlung der Figuren, sorgsamste Durchführung aller Einzelheiten, Naturwahrheit auch in der Landschaft und Architektur sind charakteristische Eigenschaften der Miniaturmalerei dieser Richtung, welche in den burgundischen Fürsten die thätigsten Förderer fand. Philipp der Gute soll 1443 die reichste Bibliothek in Europa besessen und allein der Stadt Brügge 935 Bände überlassen haben. In einzelnen Miniaturwerken glaubt man die Hand der berühmtesten Meister der flandrischen Schule zu erkennen. Das Breviarium des Herzogs von Bedford von 1424 (jetzt in Paris) wurde Jan van Eyck selbst zugeschrieben. Aus seiner Schule stammen: ein Gebetbuch in Wien, eine französische Übersetzung des Livius (um 1440) im Arsenal zu Paris, eine Geschichte der Kaiser von Augustus bis ins 13. Jahrh. ebendaselbst, eine "Chronique d'Angleterre" in Wien, ein Horenbuch in Prag, die "Histoire du royaume de Jérusalem", die "Gestes du comte Gérard de Roussillon" von 1447 und ein Gebetbuch Karls des Kühnen, alle drei in Wien, ein Gebetbuch Philipps des Guten im Haag, ein Gebetbuch der Maria von Burgund um 1480, ein Gebetbuch Kaiser Maximilians I., ein Gebetbuch Karls V. (1517-19) und ein "Hortulus animae" von Sebastian Brant, alle vier in Wien, das berühmte Breviarium des Kardinals Grimani in Venedig u. a. (s. Tafel "Ornamente II", Fig. 47). Eine hervorragende Stelle nimmt auch das Gebetbuch des Kaisers Maximilian I. ein, welches 1515 A. Dürer mit genialen Randzeichnungen versah (jetzt in München). Unter den zahlreichen Illuministen, welche noch in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. die Ausschmückung von Büchern gewerbsmäßig betrieben, ist besonders Georg Glockenton zu nennen, dessen Kinder und Enkel auf demselben Gebiet thätig waren. Am bekanntesten ist sein Sohn Nikolaus, welcher 1523 ein großes Missale und 1531 ein Gebetbuch für den Erzbischof Albrecht von Mainz (beide jetzt in Aschaffenburg) ausführte (s. Tafel "Ornamente II", Fig. 29, 33). Die höchste Blüte erreichte die Miniaturmalerei in Italien und zwar sowohl in der gotischen Zeit, wo Giotto vornehmlich dieselbe beeinflußte, als während der Renaissanceperiode, in welcher hervorragende Künstler, wie Attavante, Girolamo dei Libri, Liberale da Verona und Giulio Clovio, thätig waren und eine große Zahl der kostbarsten Bilderhandschriften für Päpste, Fürsten, Kirchen u. a., auch für Matthias Corvinus von Ungarn schufen (s. Tafel "Ornamente III", Fig. 4, 7, 8, 10, 16, 18, 19). Auch im Orient gelangte die Buchmalerei zu hoher Vollendung, doch ist davon nur wenig Kunde in die Öffentlichkeit gedrungen. Große Schätze der Art besitzen die Bibliotheken des India House und des Britischen Museums zu London, in Oxford, Paris und besonders das Kupferstichkabinett zu Berlin durch die 1882 angekaufte Sammlung des Herzogs von Hamilton (s. Tafel "Ornamente II", Fig. 8 u. 9, 14 u. 15; Taf. IV, Fig. 6-8). Nach Erfindung der Buchdruckerkunst hörte die eigentliche Miniaturmalerei noch nicht sogleich auf. Man ließ auch bei gedruckten Büchern (wie z. B. bei dem oben erwähnten Gebetbuch des Kaisers Maximilian in München geschehen) den Raum für Initialen, Randzeichnungen und Bilder offen. Doch verlor sich dieser Gebrauch im 16. Jahrh. nach und nach. An Stelle der Zeichnung und Malerei traten die mit dem Text gleichzeitig gedruckten Holzschnitte und später Kupferstiche. - Der Name M. wurde im 17. Jahrh. auf Malereien in kleinem Maßstab, meist auf Pergament, übertragen, welche in allen Teilen sehr sorgfältig und sauber ausgeführt sind. Miniaturporträte, erst auf Kupfer, später auf Elfenbein gemalt, waren besonders im 18. Jahrh. sehr beliebt. Vgl. Comte de Bastard, Peintures et ornements des manuscrits (Par. 1835 ff.); "Sammlung der schönsten Miniaturen des Mittelalters" (Wien 1872, 70 Blätter); Bucher, Geschichte der technischen Künste, Bd. 1 (Stuttg. 1875); Salazaro, L'arte della miniatura nel secolo XIV (Neapel 1877); Springer, Die Psalter-Illustrationen im frühen Mittelalter (Leipz. 1880); Kondakoff, Histoire de l'art byzantin considéré principalement dans les miniatures (Par. 1887 ff.); Lumsden Propert, History of miniature-art (Lond. 1887); Woltmann-Woermann, Geschichte der Malerei (Leipz. 1879 ff.); W. Wattenbach, Das Schriftwesen im Mittelalter (2. Aufl., das. 1876).

Minié, Claude Etienne, geb. 1814 zu Paris als Sohn eines armen Handwerkers, stieg vom gemeinen Soldaten zum Offizier, ging 1830 mit nach Algier, bemühte sich seitdem unausgesetzt um die Vervollkommnung der Feuerwaffen und erfand 1849 das nach ihm benannte System. 1852 ward er zum Ches eines Bataillons ernannt, war dann längere Zeit Lehrer für das Büchsenschießen an der Normalschule zu Vincennes, ging nach seiner Verabschiedung als Oberst 1858 nach Ägypten, wo ihm der Vizekönig die Leitung einer Waffenfabrik und einer Schießschule in Kairo übertrug und ihn zum General ernannte. Nach Paris zurückgekehrt, beschäftigte er sich viel mit Gewehrkonstruktionen. Er starb 14. Dez. 1879.

Minié-Gewehr, s. Handfeuerwaffen, S. 103.

Minieh (Minye, Minia), Hauptstadt der gleichnamigen mittelägypt. Provinz (2000 qkm mit 314,818 Einw.), links am Nil, Station der Sudânbahn, ist Sitz eines Mudirs, hat eine große Zuckerfabrik, ein vizekönigliches Palais, mehrere zum Teil aus antikem Material erbaute Moscheen und 15,900 Einw., darunter 130 Europäer.

Minieren (franz.), Minen anlegen, untergraben.

Minierschlangen, s. Schlangen.

Minĭma (lat., "die kleinste"), Name unsrer halben Taktnote, die ehemals (zu Ende des 13. Jahrh.) die kleinste der üblichen Notengattungen war (s. Mensuralnotenschrift). Fuga in minimam ist im 16. Jahrh. der Terminus für einen Kanon, bei welchem die nach-^[folgende Seite]