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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mirabellen - Mirande.

regte er nur das Mißtrauen der Versammlung, die durch ihren Beschluß vom 7. Nov., daß kein Mitglied Minister werden dürfe, eine parlamentarische Monarchie und ein Ministerium M. unmöglich machte. An den großen Verfassungsdebatten nahm M. lebhaften Anteil im Sinn der Mäßigung; berühmt waren namentlich seine zwei Reden im Mai 1790 für das Recht des Königs, Krieg zu erklären und Frieden zu schließen, durch die er einen glänzenden Sieg erfocht. Aber der König schenkte ihm kein Vertrauen trotz aller Denkschriften, in denen M. immer wieder seinen Plan entwickelte und den König zu einem Entschluß zu ermutigen suchte. Überdies ließ er sich, da er trotz des Todes seines Vaters, der ihm 50,000 Frank Rente brachte, in steter Geldnot war, vom Hof bezahlen. Diese neue Schuld lastete auf seinem Gewissen und lähmte seine Thätigkeit, wie sie auch das Mißtrauen der Nationalversammlung steigerte. Dazu kam der Fluch seiner Vergangenheit. Er sah sich, vom Hof und von der Versammlung zurückgestoßen, zur Unthätigkeit verurteilt, und dies rieb ihn auf. Die Anfälle seiner Unterleibskrankheit steigerten sich, und ihnen erlag endlich 2. April 1791 sein riesenhafter Körper. Seine Gebeine wurden bei einem glänzenden Leichenbegängnis im Panthéon beigesetzt, zwei Jahre später aber vom Pöbel herausgerissen und zerstreut. Mit M. starb der einzige Mann, der die Revolution hätte beherrschen und in das Geleise einer friedlichen Entwickelung zurückführen können. Etienne Méjean veröffentlichte eine "Collection complète des travaux de M. l'aîné à l'Assemblée nationale" (Par. 1792, 5 Bde.), Barthe die "Oeuvres ^[Œuvres] oratoires de M." (das. 1819, 3 Bde.). Die erste vollständige Ausgabe sämtlicher Schriften Mirabeaus veranstaltete Mérilhou (Par. 1825-27, 9 Bde.). Die zuverlässigsten Nachrichten über sein Leben und Wirken teilte sein Adoptivsohn Lucas Montigny mit in den "Mémoires biographiques, littéraires et politiques de M." (Par. 1835; 2. Aufl. 1841, 8 Bde.). Sehr wichtig ist die "Correspondance de M. avec le comte de La-Marck" (hrsg. von Bacourt, Par. 1851, 3 Bde.). Vgl. Pipitz, M., eine Lebensgeschichte (Leipz. 1850, 2 Bde.); Reynald, M. et la Constituante (2. Aufl., das. 1872); Lewitz, Mirabeaus Jugendleben (Bresl. 1852); Guibal, M. et la Provence en 1789 (Par. 1887); Aulard, L'éloquence parlementaire pendant la Révolution française (das. 1882). M. ist auch der Held eines historischen Dramas von Raupach und eines Romans von Th. Mundt.

3) André Boniface Riquetti, Vicomte de, Bruder des vorigen, geb. 30. Nov. 1754 zu Bignon, ergab sich früh einem ausschweifenden Leben und erhielt wegen seiner ungewöhnlichen Dicke den Beinamen Tonneau. Nachdem er im amerikanischen Befreiungskampf mitgefochten, bekam er vom Hof ein Dragonerregiment. Nach dem Ausbruch der Revolution ward er vom Adel von Limoges in die Versammlung der Generalstaaten gesandt und trat hier als heftiger Aristokrat auf. Nach dem Tod seines Bruders verließ er Frankreich und errichtete am Rhein die unter dem Namen Hussards de la mort bekannt gewordene Emigrantenlegion, mit der er 1792 einen blutigen Parteigängerkampf gegen sein Vaterland begann; doch starb er schon 15. Sept. d. J. in Freiburg i. Br.

Mirabellen, s. Pflaumenbaum.

Mirabĭle dictu (lat.), wunderbar zu sagen; mirabile visu, wunderbar zu sehen.

Mirabilĭen (lat.), Wunderdinge, Wunderwerke; Mirabilität, Wunderbarkeit.

Mirabĭlis L. (Wunderblume), Gattung aus der Familie der Nyktaginiaceen, ein- oder zweijährige tropische Kräuter mit gegliedertem Stengel, gegenständigen, ganzen Blättern, einzeln oder in achselständigen Trugdolden stehenden, stieltellerförmigen, großen, in der Nacht geöffneten Blüten und nicht aufspringender, einsamiger, nußartiger Frucht. M. longiflora L., 60-120 cm hoch, mit eirund herzförmigen, spitzigen Blättern und weißen, sehr langröhrigen, am Schlund purpurnen, auswendig schmierig-klebrigen, abends sehr wohlriechenden Blüten, wächst auf den Bergen von Mexiko und wird, wie die folgende, bei uns als Zierpflanze kultiviert. M. Jalapa L. (falsche Jalape), 60-120 cm hoch, mit fast herzförmigen, glatten Blättern und schönen roten, gelben oder weißen oder auch in diesen Farben gestreiften und gesprenkelten, geruchlosen Blüten, ist im tropischen Amerika heimisch. Die Wurzel wirkt purgierend und wurde früher mit der Jalape verwechselt.

Miraflores, Kartause, s. Burgos (Stadt).

Mirage (franz., spr. -ahsch), s. Luftspiegelung.

Mirākel (lat. miracŭlum), Wunder, zuweilen auch s. v. w. wunderthätiges Heiligenbild. In der französischen und englischen Litteratur heißen Miracles die die Anfänge der dramatischen Poesie darstellenden dramatisierten Legenden oder Heiligenkomödien. Vgl. Genée, Die englischen Mirakelspiele (Berl. 1878).

Miramar, schönes kaiserliches Lustschloß bei Triest, an der felsigen Meeresküste nahe der Südbahnstation Grignano gelegen, Schöpfung und ehemaliger Wohnsitz des Erzherzogs Maximilian, Kaisers von Mexiko, mit prächtigem Park und Sammlungen.

Miramichi (spr. -mischi), Fluß in der britisch-amerikan. Provinz Neubraunschweig, der nach einem Laufe von 192 km in die gleichnamige, in den St. Lorenzgolf öffnende fischreiche Bai mündet. An ihm liegen Chatham (s. d.) und Newcastle (s. d.).

Miramon, Miguel, Präsident der mexikan. Republik, geb. 1831, gebildet in der Militärschule von Chapultepec, kämpfte im Kriege gegen die Vereinigten Staaten und schloß sich der katholisch-konservativen Partei an. Nach der Erhebung Zuloagas 1858 erhielt er den Oberbefehl über die Nordarmee, wurde 1859 nach Zuloagas Absetzung auch Präsident der Republik, vermochte aber nicht die radikale Regierung unter Juarez in Veracruz zu unterdrücken. 1860 mußte er die Belagerung dieser Stadt aufheben, wurde bei Salamanca und bei Lagos geschlagen und in Mexiko eingeschlossen. Bei einem Versuch durchzubrechen, 22. Dez. 1860, noch einmal bei San Miguelito von Ortega besiegt, flüchtete er nach Havana und von da nach Europa, wo er die Intervention der drei Mächte Frankreich, England und Spanien eifrigst betrieb. 1863 schloß er sich dem Kaiser Maximilian an, der ihn zum Großmarschall ernannte. Da er aber die Sache der Klerikalen zu eifrig vertrat, wurde er 1864 als Gesandter nach Berlin geschickt. 1866 nach Mexiko zurückgekehrt, harrte er treu beim Kaiser aus, befehligte die Armee in Queretaro, wurde mit derselben gefangen und 19. Juni 1867 mit dem Kaiser erschossen. Vgl. "Le général Miguel M. Notes sur l'histoire du Mexique" (Par. 1886).

Miránda de Ebro, Stadt in der span. Provinz Burgos, am Ebro und an den Linien Irun-Madrid und Tudela-Bilbao der Nordbahn, hat ein Fort und (1878) 4046 Einw.

Mirande (spr. -āngd), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Gers, an der Baise und der Südbahn, mit einem alten Schloß, (1881) 3181 Einw., Gerberei, Fabrikation von Ackerbaugeräten, Paste-^[folgende Seite]