Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Missouritier; Mißpickel; Mißtrauensvotum; Missunde; Mist; Mistassini; Mistbeet

683

Missouritier - Mistbeet.

Reis, Tabak (1880: 5,452,000 kg), Hanf, Flachs und (im S.) Baumwolle. Der Weinbau wird namentlich von Deutschen betrieben. An Vieh zählte man 1880: 668,000 Pferde, 192,000 Maultiere, 2,081,000 Rinder, 1,411,000 Schafe und 4,552,000 Schweine. 1885 wurden 1,198,092 Schweine eingepökelt, und in diesem Industriezweig steht M. nur Illinois und Ohio nach. An Mineralien ist das Land ungemein reich. Die Kohlenfelder nehmen ein Areal von 69,635 qkm ein; die Flöze sind häufig 4 m dick. Ein Erzrevier erstreckt sich von St. Louis in südwestlicher Richtung bis nach den Quellgewässern des St. Francis. In ihm liegen die ganz aus Eisenerz gebildeten Hügel Iron Mountain (s. d.) und Pilot Knob. Gewonnen wurden 1880: 49,226 metr. Ton. Steinkohlen, 3498 T. Eisenerz, 311 T. Zink; 256 T. Blei und 2088 T. Kupfer. Die Industrie erfreut sich großer Blüte. Es gab 1880: 8592 gewerbliche Anstalten mit 63,995 Arbeitern und einer Produktion im Betrag von 165 Mill. Doll. (worin 111 Mill. Doll. für Rohmaterial eingeschlossen sind). Die Gießereien und Maschinenbaustätten beschäftigten 3944 Menschen, die Sägemühlen 3503, die Getreidemühlen 3376, die Eisen- und Stahlwerke 3139, die Kleiderfabriken 3062 und die Tabaks- und Zigarrenfabriken 2791. M. besitzt auf seinen Flüssen (1886) 283 Schiffe von 167,347 Ton. Gehalt und hat ein Eisenbahnnetz von 7998 km Ausdehnung. Die jetzt gültige Verfassung datiert vom Juni 1866. Die gesetzgebende Gewalt üben ein Senat von 34 und ein Repräsentantenhaus von 131 Mitgliedern aus. Der Governor (Gehalt 5000 Doll.) und die obern Staatsbeamten werden vom Volk auf zwei Jahre gewählt. Im Obergericht haben 5 vom Volk auf sechs Jahre gewählte Richter Sitz und Stimme; außerdem besteht ein Kreisgericht in St. Louis mit 5 Richtern und 29 Kreisgerichte mit je einem Richter. Jede der 114 Grafschaften hat ein Grafschaftsgericht. Nur wer lesen und schreiben kann, besitzt das Stimmrecht. Die Staatseinnahme betrug 1886: 3 Mill. Doll., die Staatsschuld 14,175,000 Doll. An Besserungs- und Wohlthätigkeitsanstalten unterhält der Staat eine Strafanstalt, 2 Irrenanstalten, eine Taubstummen- und eine Blindenschule. Politische Hauptstadt ist Jefferson City, die größte Stadt aber St. Louis.

Die ersten Ansiedler in M. waren Franzosen, welche 1755 Ste.-Geneviève und 1764 St. Louis gründeten. 1803 erkaufte die Union das Gebiet von Frankreich. Es zerfiel seitdem in zwei Territorien: das von New Orleans, das seit 1812 den Staat Louisiana bildet, und den Distrikt von Louisiana, der bei der Aufnahme des jetzigen Staats Louisiana in die Union den Namen "Missouri-Territorium" erhielt. Als infolge starker Einwanderung aus dem benachbarten Osten die Bevölkerung auf 60,000 Seelen gestiegen war, wandte sich das Territorium an den Kongreß um Aufnahme in die Union. Hier erhob sich infolgedessen eine stürmische Debatte, indem eine starke Partei forderte, daß die zu entwerfende Konstitution die Sklaverei ausschließen solle. Der Streit, der die Union zu sprengen drohte, ward 1820 durch den sogen. Missourikompromiß Clays beigelegt, dem zufolge die Sklaverei in M. gestattet, aber in keinem andern nördlich von 36° 30' gelegenen neuen Staat geduldet werden sollte. Darauf wurde zu St. Louis die Konstitution des Staats entworfen und M. 1821 in die Union aufgenommen. Während des Bürgerkriegs war M. der Schauplatz zahlreicher blutiger Kämpfe, indem ein großer Teil der Bewohner sich auf die Seite der Konföderierten stellte. Am 31. Aug. 1861 erklärte General Fremont den Belagerungszustand. Erst 1864 gelang es den Unionstruppen, die Konföderierten zu vertreiben. Vgl. Münch, Der Staat M. (Brem. 1875); "Commonwealth of M.: History of the state etc." (St. Louis 1878).

Missouritier, s. v. w. Mastodon.

Mißpickel, s. v. w. Arsenkies.

Mißtrauensvotum, s. Votum.

Missunde, Dorf in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Eckernförde, am Südufer der Schlei, war in den letzten Kriegen zwischen Deutschen und Dänen von großer Wichtigkeit, da es für diese den äußersten linken Flügel der ausgedehnten Danewerkslinie bildete. Hier fand 12. Sept. 1850 ein blutiges Gefecht zwischen den Schleswig-Holsteinern unter Willisen und den Dänen sowie 2. Febr. 1864 ein von den Dänen zurückgeschlagener Angriff der Preußen unter Prinz Friedrich Karl statt. Seitdem sind die Festungswerke vollständig abgetragen.

Mist (Stallmist), s. Dünger, S. 219.

Mistassini, See in Britisch-Nordamerika, in Labrador, etwa 450 km nordwestlich von Quebec, nach J. M. ^[James Melville] Macoun, der ihn 1885 untersuchte, eine Verbreiterung des sich in die Hudsonbai ergießenden Rupertflusses, 160 km lang und bis 19 km breit.

Mistbeet, künstlich angelegtes Beet, welches dazu dient, die dem Klima oder der Jahreszeit mangelnde natürliche Wärme künstlich zu ersetzen, um entweder ausländische Gewächse, welche im Freien nicht wachsen und reifen, zu kultivieren, oder frühzeitiges Gemüse etc. für die Küche anzuziehen (s. Mistbeetkultur). Man teilt die Mistbeete ein in warme, lauwarme und kalte. Zur Anlage der Mistbeete wählt man am besten einen sonnigen Platz, der gegen N., NO. und NW. durch eine Mauer, hohe Hecken oder Bretterwände geschützt ist. Zu dem warmen M. braucht man gewöhnlich den frischen unvergornen Stallpferdemist, welcher viel Stroh und Harn enthält, auch mit ausgekochtem Hopfen gemischt. Zu den lauwarmen Mistbeeten kann man alten Dünger, Laub und andre Materialien, die durch Gärung eine dauernde Wärme geben, beimischen, allenfalls auch Laub allein gebrauchen. Die Wärme der Beete steigt und dauert nach Verhältnis des dazu verwandten Materials. Nach Noisette bringt der Schafmist 60-70° R. Hitze, bleibt aber nur bis vier Monate warm; Esels- und Pferdemist geben 55-60° R., und die Wärme dauert fast sechs Monate; ausgelaugte Gerberlohe gibt 30-40° R. und bleibt ½ Jahr lang warm; der zur Hälfte mit trocknem Laub vermischte Pferdedünger gibt 40-50° Wärme, die 7-9 Monate dauert; trocknes, mit 1/3 Mist vermischtes Laub erlangt 30-40° R. und bleibt 9-11 Monate warm; trocknes Laub allein gibt 35-40° R. Hitze, die ein Jahr anhält; Stadtstraßenkehricht gibt 40-60° Hitze, die ein Jahr dauert; Weintrester erhitzen sich bis auf 40-50° und bleiben über 20 Monate hindurch warm. Das M. im Freien wird entweder in einer 50-60 cm tiefen, flachen Grube angelegt, deren Seitenwände mit Brettern oder Backsteinen eingefaßt werden (eingesenkte Mistbeete), oder bei hoch stehendem Grundwasser ganz einfach auf der Oberfläche, indem man auf das wärmende Material einen tragbaren Kasten von gegen Fäulnis geschütztem Holzwerk setzt und diesen mit Fenstern aus Holzrahmen, Eisensprossen und Glas oder aus nur Holz und Glas bedeckt. Auch hat man feststehende Mistbeetkasten von Mauerwerk oder Holz und von verschiedener Höhe und Neigung. Eine besondere Art Mistbeete sind die Lohbeete (s. d.). Zum Bedecken der Fenster gebraucht man Matten von Rohr oder Stroh,