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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mlawa; Mlle.; mm; Mme.; Mn; Mna; Mnemeion; Mnemōnik; Mnemosyne; Mnesĭkles; Mnioch

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Mlawa - Mnioch.

fülltes Thal oder eine Erweiterung des Flußgebiets, zu welchem er gehört, daher die langgestreckte, an beiden Enden sehr schmale Form des Sees. Sein wichtigster Zufluß ist am nördlichen Ende bei Lillehammer der (Gudbrands-) Laagen; am südlichsten Ende, bei Minne, fließt der Vormen ab (zum Glommen). Der letztere ist durch Kunst vom M. an bis Eidsvold schiffbar, und von dort führt eine Eisenbahn einerseits nach Christiania, anderseits über Hamar nach Drontheim; die Strecke von Eidsvold bis Lillehammer (über 100 km) wird regelmäßig von Dampfschiffen befahren. Die Ufer des M., welcher 125 m ü. M. liegt und eine Tiefe von 195-468 m hat, bieten eine große Mannigfaltigkeit an schönen Landschaften dar, obwohl nirgends von großartiger Natur. Im O. wird er von der Landschaft Hedemarken mit der Stadt Hamar, wo der Furnäsfjord nach W. geht, begrenzt; mitten im See, zwischen Hamar und im W. von Gjövik, liegt die große und fruchtbare Insel Helgeö ("heilige Insel"). Die Fischereien im M. waren früher sehr bedeutend, bis sie im Juli 1789 durch eine große Überschwemmung ganz zerstört wurden; zur Zeit sind sie wieder im Aufkommen. Besonders sind die Hunnerörreten (eine Art Lachsforelle) sehr beliebt.

Mlawa, Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Plozk, Vereinigungspunkt der Eisenbahnen Marienburg-M. und Kowel-M., mit mehreren Kirchen, Theater und (1885) 8562 Einw., welche lebhaften Handel mit Cerealien treiben. M., 1429 gegründet, war ehedem eine reiche Stadt, kam aber infolge der Schwedenkriege ganz herunter.

Mlle., Abkürzung für Mademoiselle.

mm, Abkürzung für Millimeter.

Mme., Abkürzung für Madame.

Mn, in der Chemie Zeichen für Mangan.

Mna (griech.), s. v. w. Mine (Gewicht).

Mnemeion (griech.), Erinnerungszeichen.

Mnemōnik (Mnemotechnik, Anamnestik, griech.), Gedächtniskunst. Die Psychologie unterscheidet ein dreifaches Gedächtnis: das mechanische oder äußerliche, welches Vorstellungsreihen oder -Gruppen, so wie sie sich natürlich darbieten, ohne Rücksicht auf ihre innere Zusammengehörigkeit einprägt; das ingeniöse oder künstliche, welches die Vorstellungen durch künstliche Hilfen (Brücken), und das judiziöse oder logische, verständige, welches die Vorstellungen durch Urteile verknüpft. Für eine wahrhaft humane Ausbildung des Gedächtnisses muß die Pflege des ersten als unerläßliche Grundlage, die des letzten als das allein bestimmende Ziel angesehen werden. Aber auch zu der Einprägung von Vorstellungen mittels künstlicher Kombinationen haben die mannigfaltigen Ansprüche des Lebens immer gedrängt, und niemand wird sich ihrer ganz entschlagen (Knoten im Taschentuch, Gedächtniswörter und -Verse in der Grammatik, Logik etc.). In gewisser Weise kann man selbst die Bezeichnung der Lautsprache durch die an sich willkürlich gewählten Schriftzeichen hierher rechnen. Gegen eine systematische Anwendung künstlicher Gedächtnishilfen haben sich aber wiederholt gewichtige Stimmen ausgesprochen. Kant z. B. nennt die Methode des ingeniösen Memorierens in seiner "Anthropologie" geradezu ungereimt und zweckwidrig, indem man nach ihr zwei oder mehr willkürlich zusammengesuchte Vorstellungsreihen statt einer einprägen müsse. Anderseits hat die Gedächtniskunst von jeher eifrige Pflege gefunden. Schon bei begabtern Naturvölkern, z. B. den alten Peruanern, hat man sie beobachtet. Die alten Griechen und Römer kannten sie als angebliche Erfindung des Dichters Simonides (s. d.), welche besonders bei den Rednern Verwendung fand (Cicero, "De oratore", II, 84, 85). Diese merkten sich große Vorstellungsmassen dadurch, daß sie dieselben örtlich in einer Stadt oder in mehreren Städten und innerhalb dieser wieder in Häusern und Zimmern von bestimmter Anzahl verteilt dachten. Seit dem 15. Jahrh. wurde diese Methode, wenn auch hier und da verändert, wieder hervorgezogen und oft mit überraschendem Erfolg angewandt. Konrad Celtes, Giordano Bruno, Picus von Mirandola, die Deutschen Lambert Schenkel und Winckelmann, der Engländer Grey wußten die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf die M. zu lenken. Leibniz beschäftigte sich mit ihr im Interesse der von ihm gesuchten Pasigraphie, d. h. einer für alle Sprachen gemeinsam einzuführenden Schrift. Neu ist bei diesen modernen Vertretern der M. wesentlich nur das Mittel der Substitution, indem man sinnliche Vorstellungen, Begriffe, Buchstaben durch Zahlen oder diese durch jene ersetzt. In unserm Jahrhundert erregten nacheinander folgende Mnemoniker durch ihre Schriften größeres Aufsehen: Kästner, ein sächsischer Landgeistlicher, um 1800 ("M. oder System der Gedächtniskunst der Alten", 2. Aufl., Leipz. 1805), Freiherr v. Aretin ("Systematische Anleitung zur Theorie und Praxis der M.", Sulzb. 1810); die Franzosen Grégoire de Feinaigle (1805), Aimé Paris ("Principes et applications diverses de la mnémotechnie", 7. Aufl., Par. 1833), Feliciano und Alexandre da Castilho ("Traité de mnémotechnie", 5. Aufl., Bordeaux 1835, und "Dictionnaire mnémonique"), A. Gratacap ("Analyse des faits de mémoire", Par. 1867; "Théorie de la mémoire", 1866); ferner die Polen Jazwinski und General Bem, der Däne Karl Otto, genannt Reventlow ("Lehrbuch der Mnemotechnik", 2. Aufl., Stuttg. 1847, und "Wörterbuch der M.", das. 1844); endlich Hermann Kothe ("Lehrbuch der M.", 2. Aufl., Hamb. 1852; "Katechismus der Gedächtniskunst", 6. Aufl., Leipz. 1887) und Hugo Weber-Rumpe ("Mnemonisches Zahlwörterbuch", das. 1880; "Mnemonische Unterrichtsbriefe", Bresl., seit 1882). Mehrere der Genannten empfahlen als Reisende ihre Theorien durch praktische Vorstellungen, bei denen teilweise außerordentliche Leistungen zu Tage traten. In dieser Beziehung ist als verwandte Erscheinung der Schnellrechner Zacharias Dase (s. d.) zu nennen. Die Pädagogik, der man immer wieder die M. angepriesen hat, kann wohl von einigen mnemonischen Kunstgriffen, z. B. im Gebiet der Chronologie, fruchtbare Anwendung machen, wird aber, je mehr sie sich auf wissenschaftlich-psychologischer Grundlage aufbaut und die innere Aneignung des Unterrichtsstoffs von seiten des Schülers anstrebt, desto entschiedener das verständige Gedächtnis bevorzugen und die systematische Verwendung der M. den Polyhistoren und Gedächtnisvirtuosen überlassen müssen. Vgl. Drbal, Empirische Psychologie (4. Aufl., Wien 1885).

Mnemosyne, in der griech. Mythologie die Tochter des Uranos und der Gäa, eine Titanin, die Göttin des Gedächtnisses, von Zeus, bei dem sie neun Nächte in Pierien weilte, Mutter der neun Musen (Mnemoniden). Hauptsitze ihrer Verehrung waren Eleutherä und Thespiä in Böotien.

Mnesĭkles, griech. Architekt, erbaute die Propyläen auf der Burg von Athen, welche 437 v. Chr. begonnen und in fünf Jahren vollendet wurden.

Mnioch, Johann Jakob, Schriftsteller, geb. 13. Okt. 1765 zu Elbing, studierte in Jena, war dann