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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mohave; Mohavewüste; Mohawk; Móhawk; Mohel; Moheli; Mohikaner; Mohiléw

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Mohave - Mohilew.

trag, insbesondere ein Scheinverkauf mit hohem Preis unter sofortigem billigen Zurückkauf, der zur Verdeckung eines Wuchergeschäfts dienen soll.

Mohave (Mojave), nordamerikan. Indianerstamm der Yuma (Pima-Apatschen), in Kalifornien und Arizona; in dem letztern leben auf einer großen Reservation 828, der ganze Stamm soll 4000 zählen. Die zivilisiertern bauen Weizen, Bohnen, Mais und Melonen, die übrigen schweifen unstet umher. Während des Sommers bewohnen sie Hütten aus Baumzweigen, im Winter Erdhöhlen. Töpferei und Korbflechten sind bei ihnen uralte Künste. Die Leichen werden verbrannt. Versuche, die M. zum Christentum zu bekehren, waren von geringem Erfolg. In ihrem Gebiet liegt Fort M. (35° nördl. Br.). Nach ihnen benannt ist die Mohavewüste (s. d.).

Mohavewüste, die größte eigentliche Wüste in den Vereinigten Staaten, 125,000 qkm groß, liegt im südöstlichen Kalifornien und erstreckt sich bis zum Colorado. Ihre Mitte durchzieht der fast immer trockne Mohavefluß, der in der San Bernardinokette entspringt und sich in einem Salzsumpf, Mohave Lake (305 m ü. M.), verliert. Ein Zweig der Süd-Pacificbahn führt durch dieselbe.

Móhawk (spr. -hahk), Fluß im nordamerikan. Staat New York, mündet nach 257 km langem Lauf oberhalb Troy in den Hudson. Er bildet kurz vor der Vereinigung die 21 m hohen Cohoesfälle. Der Eriekanal läuft eine Strecke weit mit demselben parallel.

Mohawk (spr. -hahk, Gancagaono, "Volk mit dem Feuerstein"), zu den nördlichen Irokesen gehöriger nordamerikan. Indianerstamm, eine der sogen. Sechs Nationen, einst mächtig und gefürchtet und im S. des St. Lorenzstroms und Ontariosees wohnend, jetzt nur noch wenige hundert Köpfe stark, an der Bai von Quinte nördlich vom Ontariosee und im Innern von Oberkanada zerstreut.

Mohel (hebr.), der die Beschneidung (s. d.) Vollziehende.

Moheli, Insel, s. Comoroinseln.

Mohikaner (Mohegan), jetzt ausgestorbener Indianerstamm von der Gruppe der östlichen Algonkin, der mit den Narraganset und Massachusett die Gebiete zwischen Saco und Hudson, dann die Gegend des heutigen New York bewohnte.

Mohiléw, 1) (russ. Mogilew) Gouvernement im westlichen Rußland, grenzt im N. an das Gouvernement Witebsk, im O. an Smolensk, im SO. und S. an Tschernigow, im W. an Minsk und umfaßt 48,046 qkm (872,6 QM.). Das Land besteht im N. aus einem Plateau, das bis 274 m Höhe ansteigt und die Wasserscheide zwischen Düna und Dnjepr bildet, im S. aus einer weiten Ebene von 150-190 m Höhe. Bewässert wird M. von mehr als 1000 Flüssen und Bächen, die alle dem Stromgebiet des Dnjepr und der Düna angehören; in erstern münden allein 250 Flüsse, darunter der bedeutendste der Sosh. Die vielen Seen sind alle unbedeutend. Von Sümpfen sind hervorzuheben: der Wereteja, Massalskoje, Junowo; die meisten derselben sind nur gefroren passierbar und erzeugen Fieber und andre Krankheiten. In einigen Kreisen herrscht Lehmboden, in andern steiniger Grand- und Kiesboden vor; sonst findet sich überall sandiger Boden, Humus ist nur sehr selten anzutreffen. In geognostischer Hinsicht treten drei verschiedene Formationen auf: im N. die Devon-, im W. und S. die Eocän- und im O. die Kreideformation. Das Mineralreich liefert Eisen, Kalkstein, Lehm, Fayenceerde, Torf, Salz und Mineralquellen (letztere bei Sjenno und Gorki). Das Klima ist unfreundlich, feucht, mit vorherrschenden Nord- und Nordwestwinden und kalten Sommernächten. Die mittlere Jahrestemperatur ist 4,5° C. (Januar -9,2°, Juli +17,4°); die Regenmenge beträgt 48 cm. Die Bevölkerung zählt (1883) 1,170,495 Einw., 24 pro QKilometer, und besteht vorzugsweise aus Weißrussen, außerdem Juden, Polen (hauptsächlich der Adel), Groß- und Kleinrussen und Litauern; Deutsche sind in geringer Zahl vorhanden. Der Konfession nach kommen 80 Proz. (darunter gegen 6 Proz. Sektierer) auf die Griechisch-Katholischen, 3 Proz. auf die Römisch-Katholischen, 17 Proz. auf die Juden. Vom Gesamtareal entfallen 38 Proz. auf Wald, 29 auf Äcker und 16 auf Wiesen. Der Ackerbau erzeugt Roggen, im S. auch Weizen im Überfluß, sonstiges Getreide nur für den innern Bedarf. Allgemein ist der Hanfbau, besonders auf dem linken Ufer des Dnjepr; im südlichen Teil werden auch Runkelrüben und Tabak gezogen. Die Ernte betrug 1884: 3,1 Mill. hl Roggen, 2 Mill. hl Hafer, 3,5 Mill. hl Kartoffeln; Weizen, Gerste, Hirse, Erbsen, Buchweizen in geringern Mengen. Das Tierreich liefert sehr viel Flugwild und Fische, Bären, Wölfe, Füchse, Hasen, Iltisse, seltener auch Rehe und Biber. Der Viehstand betrug 1883: 369,000 Pferde, 371,000 Stück Hornvieh, 330,000 Schafe, darunter 5000 Merinos, 322,000 Schweine und 58,000 Ziegen. Die Industrie ist sehr unbedeutend und produzierte 1883 für 3,4 Mill. Rubel, namentlich Branntwein, Papier, Leder, Mehl, Tabak, Bier und Zündhölzchen. Der Handel, dessen die Juden sich ganz bemächtigt haben, ist recht lebhaft und wird durch die schiffbaren Flüsse (namentlich Düna, Dnjepr und Sosh) sowie durch die drei das Gouvernement durchschneidenden Eisenbahnen (die Linien von Smolensk nach Dünaburg und nach Minsk im N. und die Linie Wilna-Romny im S.) begünstigt. Wesentliche Artikel der Ausfuhr sind: Leder, Holz, Holzprodukte, Kalk und Getreide; der Einfuhr: Getreide, Salz, Fische, Manufaktur-, Galanterie- und Drogueriewaren. Die Volksbildung ist höchst mangelhaft; die Zahl der Lehranstalten war 1883: 276 mit 13,233 Schülern, darunter 9 Mittelschulen mit 1878 Schülern. M. zerfällt in die elf Kreise: Gorki, Homel, Klimowitschi, M., Mstiszlawe, Orscha, Rogatschew, Sjenno, Staryj-Bychow, Tschauszi und Tscherikow.

Die gleichnamige Hauptstadt des Gouvernements, in schöner Gegend am Dnjepr gelegen, hat ein altes Schloß, 29 griechisch-kath. Kirchen (darunter die schöne Kathedrale, zu der Katharina II. und Joseph II. von Österreich 1780 den Grundstein legten), 4 römisch-kath. Kirchen (darunter die Karmeliterkathedrale, 1692 erbaut), eine protestantische Kirche, 3 Synagogen und 33 jüdische Bethäuser, ein katholisches und ein griech. Priesterseminar, 2 Gymnasien für Knaben und Mädchen, ein 1679 erbautes Rathaus mit gotischem Turm, Armen-, Irren- und Krankenhäuser, große Kasernen, über 100 Gerbereien, regen Handel mit Leder, Cerealien, Salz, Zucker, Branntwein, Fischen, Hanf und Holz und (1880) 40,536 Einw., davon etwa zwei Drittel Juden. Die Stadt ist Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs (seit 1863 vakant), eines griechisch-katholischen Erzbischofs und eines Zivilgouverneurs. M. wird urkundlich zuerst im 14. Jahrh. erwähnt, erhielt 1561 von Siegmund August und 1577 von Stephan Báthori das Magdeburger Recht. 1654 ergab sich die Stadt dem Zaren Alexei Michailowitsch; die Bewohner massakrierten jedoch 1661 die ganze russische Garnison und schlossen sich den Polen an. 1703 wurde M. von Peter d. Gr. aus strategischen Gründen niedergebrannt. Hier 23. Juli 1812 Gefecht zwi-^[folgende Seite]