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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Moldau

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Moldau (Geschichte).

sehr unbeständig; Gewitter und häufige Regen bei großer Hitze charakterisieren den Sommer, während die Kälte im Winter bis -22° C. steigt. Die Bevölkerung wird auf 2 Mill. Seelen geschätzt, darunter ca. 150,000 Juden, deren Hauptmasse in der nördlichen M. wohnt, wohin sie meist aus Galizien und Bessarabien eingewandert sind. Hauptbeschäftigung der Einwohner ist der Ackerbau, welcher seit der Aufhebung der Leibeigenschaft (1856) und dem Agrargesetz von 1862 mehr und mehr in Aufschwung kommt, zumal der Boden äußerst fruchtbar ist. Auch der begüterte Adel, der meist auf seinen Landsitzen lebt, widmet sich dem Ackerbau. Dem ausgedehnten Handel, dessen Zentrum Galatz (s. d.) bildet, dienen als Verkehrsadern die Flüsse Sereth und Pruth und mehrere Eisenbahnen: Braila-Roman mit Fortsetzung nach der Bukowina und Jassy; sowohl Braila als Jussy sind mit Bender in Bessarabien durch Schienenwege verbunden. Die M. zerfällt in die Kreise: Bakau, Botoschan, Covurlui, Dorogoi, Faltschi, Jassy, Neamtz, Putna, Roman, Suczawa, Tekutsch, Tutowa, Waslui. Hauptstadt ist Jassy. Weiteres s. Rumänien (mit Karte).

Geschichte. Über die älteste Geschichte der M. als Teil Daciens s. Rumänien. Die Gründung der M. als Staat fällt wahrscheinlich in die Jahre 1350-1361, wo Bogdan oder Dragosch, ein rumänischer Häuptling, aus der Marmaros mit seinem zahlreichen Kriegsgefolge nach der M. zog und, die vorhandenen Bewohner slawischen, rumänischen und tatarischen Ursprungs unterwerfend, von dem Gebiet der M., mit Einschluß der Bukowina und Bessarabiens, als Fürst desselben Besitz ergriff. Aus dem Dunkel der Überlieferung tritt die Geschichte der M. erst mit dem Regierungsantritt Alexanders I. (1401), welcher dem Land eine administrative Einteilung gab; Heer und Finanzen regelte, Schulen und Klöster stiftete, ein aus den Basiliken kompiliertes Gesetzbuch erließ und durch seine Weisheit und Milde sich den Namen des "Guten" erwarb. Neben dieser organisatorischen Thätigkeit im Land bewährte sich Alexander auch als mutiger und gewandter Feldherr in seinen Kämpfen mit Polen, Ungarn und Tataren. Mit dem Polenkönig Wladislaw schloß er ein Bündnis, nahm dessen Schwester zur Frau und schickte ihm Hilfstruppen, welche gegen die Deutschordensritter bei Marienburg heldenmütig kämpften. Auch die Herrschaft seines Enkels Stephan d. Gr. (1456-1504) bildete eine glorreiche Epoche der moldauischen Geschichte. Nachdem derselbe die Polen zum Abschluß eines Friedens- und Handelsbündnisses gezwungen, schlug er 1467 bei Baja den Ungarnkönig Matthias Corvinus und zog nach der Walachei, um seinen Lieblingsplan, die Vereinigung der stammverwandten Fürstentümer, in Ausführung zu bringen. Er belagerte und nahm die Hauptstadt Bukarest und zwang den Fürsten Radu den Schönen zur Flucht. Dieser kehrte jedoch bald in Begleitung eines großen türkischen Heers unter Soliman Pascha zurück; Stephan brachte dem überlegenen Feind in der denkwürdigen Schlacht bei Rakowa 1475 eine schwere Niederlage bei und zwang die Türken zum regellosen Rückzug. Von Feinden bedroht, hielt es Stephan für geratener, mit dem Fürsten Radu Frieden zu schließen gegen Abtretung des Distrikts Putna, wonach der Fluß Milkow für immer die Grenze der Fürstentümer wurde. Schon im Herbst 1479 mußte Stephan wieder im Verein mit Polen und Ungarn gegen die Türken kämpfen. In der Schlacht von Rebnik (Bukowina) 1481 wurden die Türken zurückgedrängt; 1484 hatte Stephan neue Kämpfe gegen Bajesid II., welcher Kilia und Akjerman eroberte, zu bestehen; 1497 rief er sogar, als der Polenkönig Johann Albrecht, um Stephan zu entthronen, in die M. einfiel und die Hauptstadt Suczawa drei Monate belagerte, die Türken zu Hilfe, welche die Polen auch vertrieben. Am 2. Juli 1504 starb der Held, ihm folgte sein Sohn Bogdan (1504-1517). Dieser schloß mit Sultan Selim 1513 die erste Kapitulation, in der sich die M. unter die Oberhoheit der Türkei stellte, letztere dagegen die M. als freien, nicht eroberten Staat mit dem Rechte der Wahl eigner Fürsten, selbständiger innerer Verwaltung und eigner Gesetze anerkannte und sich gegen einen Tribut von 4000 Dukaten, 24 Falken und 40 Pferden verpflichtete, die M. gegen alle fremden Angriffe zu schützen. Diese Kapitulation bildete die Grundlage der staatsrechtlichen Stellung der M. zur souveränen Macht und wurde von dem Nachfolger Bogdans, Peter Raresch, mit Soliman I. unter den Mauern von Ofen (1529) erneuert. Von 1546, dem Todesjahr des kühnen Raresch, folgt bis 1633 eine Reihe meist unbedeutender Herrscher, unter denen es der Pforte möglich war, den Tribut stark zu erhöhen und immer mehr Einfluß im Innern und beider Wahl des Fürsten zu gewinnen. Johann I. (1571-74) widersetzte sich den immer steigenden Ansprüchen der Türken und schlug sie wiederholt. Intrigen und Korruption führten zu raschem Fürstenwechsel und Verfall; zu der Willkür der Türkei gesellte sich polnischer Einfluß. Eine Verschwörung der Bojaren gegen den griechenfreundlichen Alexander Iliesch brachte Basil Lupu (1634-54) auf den Thron, einen Fürsten, der dem Verfall Einhalt gebieten wollte; er schuf viele wohlthätige Institute, gründete Schulen, begünstigte die Entstehung einer rumänischen Nationallitteratur und erneuerte mit Sultan Mohammed IV. die mit Bogdan abgeschlossene Kapitulation. Unter Lupus Nachfolgern verschwand immer mehr der alte trotzige Unabhängigkeitsgeist und der Mannesmut der moldauischen Fürsten, und mit Nikolaus Maurokordatos (1711) nahm die verhängnisvolle Periode der Fanariotenherrschaft ihren Anfang, mit ihr der geistige und politische Verfall der M. und Walachei. Während dieser Periode griff Rußland immer entschiedener in die Schicksale der Fürstentümer ein, die nunmehr der Spielball russischer Protektionspolitik wurden, welche sich in zahlreichen Besetzungen des Landes durch große Heere äußerte und zur Zerstückelung der M. durch den Verlust der Bukowina an Österreich (1777) und Bessarabiens an Rußland (1812) führte. Gregor Ghika legte Protest ein gegen den willkürlichen Verkauf eines Teils des Ländergebiets, büßte jedoch dafür mit seinem Leben. Als aber durch den Aufstandsversuch der Fanarioten unter Alexander Ypsilanti, welche 1821 in die M. einfielen, die Pforte mißtrauisch gegen die Griechen wurde, beschloß sie, dem Land keine fremden Herrscher mehr aufzudrängen. Johann Sturdza, der gewählte einheimische Fürst, wurde von der Pforte 19. Juli 1822 bestätigt. Sturdzas gute Absichten wurden jedoch durch die neue Schutzmacht, Rußland, vereitelt, deren Vertreter alle Reformen verhinderten und seit dem Frieden von Adrianopel (24. Sept. 1829) thatsächlich das Land regierten. 1834 ernannte die Pforte Michael Sturdza zum Fürsten der M., dieser, Rußland ganz ergeben, suchte durch einige Verbesserungen und Reformen seine habgierigen Pläne und systematischen Erpressungen für seinen Säckel und den seiner russischen Günstlinge zu verhüllen. Diese schamlose Mißwirtschaft bewirkte im