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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mollakkord; Molléndo; Möllendorf; Moller

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Mollakkord - Moller.

Mollakkord (Molldreiklang, weicher Dreiklang, kleiner Dreiklang) ist der Zusammenklang eines Haupttons mit (reiner) Unterquinte und (großer) Unterterz oder nach der gewöhnlichen Definition im Sinn der Generalbaßlehre: der aus Grundton, reiner (Ober-) Quinte und kleiner (Ober-) Terz bestehende Akkord. Unter Molldreiklang versteht die praktische Harmonielehre im engern Sinn die dreitönige Gestalt des Akkords in enger Lage (s. Dreiklang), im Gegensatz zur ersten Umkehrung (2. Lage), dem sogen. Sextakkord, und der zweiten Umkehrung (3. Lage), dem sogen. Quartsextakkord. (c es g) Dreiklang, (es g c) Sext-Akkord, (g c es) Quartsext-Akkord ^[img] Dieselben Benennungen gelten dann auch für mehr als dreitönige Gestalten des Akkords, indem nur in Rücksicht gezogen wird, welcher Ton Baßton ist. Wird nun im M. der tiefste Ton des Dreiklanges, z. B. a in (a c e) ^[img], als Hauptton verstanden (daß a Grundton ist, ist unbestreitbar), so ist gar nicht einzusehen, wie die kleine Terz mit diesem Ton zur konsonantischen Einheit verschmelzen soll, da die Obertonreihe an ihrer Statt die große Terz aufweist, mit der die kleine kollidiert und heftige Schwebungen geben muß. Der M. muß daher in einer völlig verschiedenen und zum Durakkord absolut gegensätzlichen Weise aufgefaßt werden, indem das Terz- und Quintverhältnis nicht oberhalb, sondern unterhalb des Haupttons gesucht wird. In c es g ist also g Hauptton, es Terz und c Quinte (vgl. Klang). Obgleich diese Betrachtungsweise des Mollakkords bereits von Zarlino (1558) aufgestellt und von den bedeutendsten Theoretikern wiederholt erneuert worden ist (Tartini 1754, Hauptmann 1853), so ist für die praktische Harmonielehre doch noch immer nicht die nächstliegende Nutzanwendung gemacht worden, den M. nach seinem höchsten Ton zu benennen. Den Vorschlag dazu hat in neuester Zeit v. Öttingen gemacht, und Riemann hat anschließend an ihn eine neue Bezifferung entwickelt.

^[Abb.: Dreiklang, Sext-, Quartsext-Akkord.]

Molléndo, Hafenstadt an der Küste des Departements Arequipa (Peru), liegt auf steilem Fels, 11 km südlich von Islay, hat eine Wasserleitung, ist aber trotz seines lebhaften Handels ganz unansehnlich und hat nur (1876) 1434 Einw. Eine Eisenbahn verbindet M. mit Arequipa und Puno.

Möllendorf, Wichard Joachim Heinrich, Graf von, preuß. Generalfeldmarschall, geb. 7. Jan. 1724 zu Lindenberg in der Priegnitz, kam 1740 als Page an den Hof Friedrichs II., begleitete den König im ersten Schlesischen Krieg und war in den Schlachten bei Mollwitz und Chotusitz an seiner Seite. Als Fähnrich beim 1. Gardebataillon machte er den zweiten Schlesischen Krieg mit, ward 1746 wegen seiner in der Schlacht bei Soor bewiesenen Tapferkeit sofort zum Hauptmann und Flügeladjutanten des Königs ernannt und wohnte im Siebenjährigen Krieg 1757 den Schlachten bei Prag, Kolin, Roßbach und Leuthen bei, wo er den Kirchhof erstürmte, den Orden pour le mérite erhielt und zum Major ernannt wurde. Auch bei Hochkirch und Torgau zeichnete er sich an der Spitze des 1. Garderegiments durch hervorragende Waffenthaten aus, fiel aber in der letztern Schlacht 1760 in österreichische Gefangenschaft und ward erst 1761 ausgewechselt. Darauf zum Obersten ernannt, erwarb er sich durch die Erstürmung der Höhe von Burkersdorf 16. Aug. 1762 Generalmajorsrang. Im bayrischen Erbfolgekrieg kommandierte er als Generalleutnant eine Abteilung der Armee des Prinzen Heinrich in Sachsen und Böhmen und führte den Überfall bei Brüx aus, wofür er den Schwarzen Adlerorden erhielt. 1783 ward er Gouverneur von Berlin, 1787 General der Infanterie. Er befehligte die Truppen, welche 1793 nach Polen gesandt wurden, um die zweite Teilung dieses Landes zu vollenden. Nach seiner Rückkehr ward er zum Feldmarschall und Gouverneur im südlichen Teil der preußischen Lande ernannt; 1794 erhielt er den Oberbefehl über die preußische Armee am Rhein. Er erfocht die Siege von Kaiserslautern, 23. Mai und 20. Sept., riet aber dann selbst zum Baseler Frieden. Als Preußen 1806 wieder zu den Waffen griff, riet er auch diesmal vom Krieg ab, trat aber doch wieder in aktiven Dienst, ward bei Auerstädt verwundet und fiel in Erfurt in französische Gefangenschaft. Nachdem die Franzosen Preußens Hauptstadt besetzt hatten, erteilte ihm Napoleon I. die Freiheit sowie das Kreuz der Ehrenlegion und garantierte ihm seinen Gehalt. Später zog sich M. nach Havelberg zurück, wo er 28. Jan. 1816 starb. Er war ein Feldherr und Staatsmann der Fridericianischen Schule, dabei menschenfreundlich und mild, aber ohne höhere strategische Gaben und tiefere politische Einsicht. Da er unvermählt war, ging sein Name auf Seitenerben, die Familie Wilamowitz-Möllendorf, über.

Moller, 1) (gewöhnlich Heinrich von Zütphen genannt) einer der ersten Märtyrer der Protestanten, geb. 1488 in der niederländischen Grafschaft Zütphen, trat 1504 in den Augustinerorden, ging 1515 an die Universität Wittenberg, wo er sich an Luther anschloß, wurde 1516 Augustinerprior in Dordrecht, dann Subprior in Antwerpen und wirkte, nachdem er 1521-22 wieder in Wittenberg als Flüchtling gelebt, für die Ausbreitung der reformatorischen Prinzipien in Dordrecht und Antwerpen. Seit Anfang 1524 Pfarrer in Bremen, führte er hier den evangelischen Gottesdienst ein, ging im November d. J. nach Meldorf in Dithmarschen, ward aber vom Pöbel gefangen genommen und nach entsetzlichen Mißhandlungen 11. Dez. verbrannt.

2) Georg, Architekt, geb. 21. Jan. 1784 zu Diepholz im Hannöverschen, bildete sich unter Weinbrenner, dann drei Jahre lang in Italien und trat 1810 als Hofbaumeister in großherzoglich hessische Dienste. M. hat sowohl durch seine Bauten als durch seine litterarischen Arbeiten zur richtigen Würdigung des Mittelalters in architektonischer Beziehung beigetragen. Aus dem mittelalterlichen Stil wollte er jedoch nur die von ihm zuerst wieder aufgefundenen Grundgesetze desselben beibehalten wissen, deren wesentlichstes Prinzip er mit dem Namen des Netz- oder Knotensystems bezeichnet und in mehreren seiner Bauten angewendet hat. Namentlich gilt er als Meister in der Struktur des Daches. Er erbaute unter anderm das Kasino (1817), die katholische Kirche (1824) und die neue Kanzlei in Darmstadt (1826), die katholische Kirche zu Bensheim (1827), das Residenzschloß in Wiesbaden, den Viadukt im Ölsthal bei Aachen u. a. Die unter seiner Leitung 1828 gebaute Domkuppel zu Mainz sowie das Dach des dortigen Theaters (1833) sind Meisterwerke sinnreicher Einfachheit. Bei dem Mainzer Theater ließ er zuerst das innere Halbrund auch im Äußern hervortreten, ein Prinzip, welches später durch Semper u. a. allgemein angenommen wurde. M. starb 13. März 1852 in Darmstadt. Von seinen Veröffentlichungen sind hervorzuheben: "Denkmäler deutscher Baukunst" (Darmst. 1815-31, 2 Bde.; Bd. 3 von Gladbach,