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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mongolen

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Mongolei - Mongolen.

ten. Anfangs herrschten noch die Abkömmlinge Dschengis-Chans; aber bald trennte sich das Volk in unabhängige Horden, die verschiedene Namen erhielten (s. oben). In Persien hatte Hulagu eine Dynastie gegründet, allein die Mongolen nahmen hier ganz die Sitten und die Sprache des Landes an. Die Sultane bekannten sich zum Islam; selbst die arabisch-persische Verfassung ward eingeführt, und die höchsten Emire rissen bald alle Gewalt an sich. Die ganze Geschichte der Mongolen in Persien ist eine Kette von innern Kriegen und Empörungen, bis ein neuer. Eroberer mongolischen Stammes, Timur, das verwirrte Reich unterjochte. In dem Land nördlich vom Kaspischen Meer zwischen dem Jaik und der Wolga (Kaptschak) hatte Tudschi ein Reich gestiftet, das sich bis an den Dnjepr erstreckte, sich aber bald in mehrere kleine Chanate auflöste, die nach und nach sämtlich von den Russen unterjocht wurden. Ihrer ursprünglichen nomadisierenden Lebensart am getreuesten blieben die Mongolen in der Bucharei, wo Dschaggatai eine Herrschaft gegründet hatte, die sich vom Gihon bis an den Irtisch erstreckte. Unter ihnen erstand auch jener zweite große Eroberer, Timur (s. d.), der die Macht der Mongolen vereinigte und sie zu neuen Eroberungen führte. Timurs erste Siege unterwarfen ihm 1380 ganz Chowaresmien; dann eroberte er Persien und Indien, drang bis Vorderasien vor, unterjochte auf dem Rückweg nach Osten Georgien und war eben im Begriff, in China einzufallen, als er 1405 starb. Die Zerwürfnisse unter seinen Verwandten über die Nachfolge führten bald eine gänzliche Auflösung des Reichs herbei. Nur in Dschaggatai erhielt sich die Dynastie Timurs, und von hier aus gründete Baber (s. d. 2) 1519 in Hindostan ein neues mongolisches Reich (das großmogulische, s. Ostindien, Geschichte). So verloren die Mongolen seit dem Anfang des 16. Jahrh. alle welthistorische Bedeutung und wurden zum größten Teil den benachbarten Völkern, den Russen, Türken, Persern und Chinesen, unterthan. In Dschaggatai (s. Turkistan) allein behaupteten sich die mongolischen Herrscher, und dort herrschen noch jetzt als Chane Nachkommen Dschengis-Chans und Timurs unter chinesischer Oberhoheit. Die Mongolen selbst sind, seit sie den buddhistischen Lamaismus angenommen, ein friedliches Volk geworden. Eine Verschmelzung der Mongolen mit der herrschenden Rasse der Chinesen hat nirgends stattgefunden, Mischheiraten kommen selbst in den an China angrenzenden mongolischen Distrikten nicht vor; je weiter entfernt die Mongolen von den Mittelpunkten chinesischen Lebens sind, desto mehr tritt unter ihnen der Haß und die Verachtung gegen ihre Gebieter hervor. Die Russen unterhalten Konsulate in Kobdo und Urga (s. d.), der wichtigsten Stadt der M.; diesen ist eine militärische Bedeckung beigegeben, welche 1870 während des Aufstandes der Dunganen (s. d.) in Urga verstärkt, aber 1872 nach Beseitigung der Gefahr durch die Chinesen für diesen Teil der M. wieder auf ihren frühern niedrigen Stand zurückgebracht wurde.

Vgl. außer den ältern Werken von Gerbillon, Timkowski, Pallas, Bergmann, Hyacinth, v. Richthofen in "Petermanns Mitteilungen" 1872; Prschewalskij, Reisen in der M. 1870-73 (deutsch, Jena 1876); zur Geschichte: Hüllmann, Geschichte der Mongolen bis 1206 (Berl. 1796); d'Ohsson, Histoire des Mongols etc. (2. Aufl., Amsterd. 1852, 4 Bde.); I. ^[Isaak Jacob] Schmidt, Forschungen im Gebiet der ältern religiösen, politischen und litterarischen Bildungsgeschichte der Mongolen etc. (Petersb. 1824); Hammer-Purgstall, Geschichte der Goldenen Horde, d. i. der Mongolen in Rußland (Pest 1840); Derselbe, Geschichte der Ilchane, d. h. der Mongolen in Persien (Darmst. 1843, 2 Bde.); Schott, Älteste Nachrichten von Mongolen und Tataren (Berl. 1846); Wolff, Geschichte der Mongolen (Bresl. 1873); Howorth, History of the Mongols (Lond. 1876-80, 2 Bde.).

Mongolen, im weitesten Sinn die größte der sieben Gruppen, in welche Peschel das ganze Menschengeschlecht teilt, und welche alle mongolenähnlichen Völker, also die polynesischen und asiatischen Malaien, die Bevölkerungen im Südosten und Osten Asiens, die Bewohner Tibets sowie etliche Bergvölker des Himalaja, ferner alle Nordasiaten samt ihren Verwandten in Nordeuropa, endlich die amerikanische Urbevölkerung, einschließt. Als allen gemeinsame Körpermerkmale sind zu bezeichnen das lange, straffe, im Querschnitt walzenförmige Haar, Armut oder gänzlicher Mangel an Bartwuchs wie an Leibhaaren, eine Trübung der Hautfarbe, von Ledergelb bis zum tiefen Braun, bisweilen ins Rötliche spielend, vorstehende Jochbogen, begleitet bei den meisten von einer schiefen Stellung der Augen. Als zur eigentlichen mongolischen Rasse (wofür Fr. Müller mittel- oder hochasiatische Rasse setzen möchte) gehörig begreifen wir jene Völker, welche das ganze östliche, mittlere und nördliche Asien, mit Ausnahme der in dem letztern Teil von Hyperboreern eingenommenen Striche, bewohnen und sich über einen ansehnlichen Teil des nördlichen Europa verbreiten. In physischer Beziehung durch gewisse leicht in die Augen springende Merkmale von ihrer Umgebung geschieden, bilden sie trotz ethnischer Verschiedenheit eine durch gewisse physisch-psychische Merkmale ausgezeichnete Rasseneinheit. Als Stammland der mongolischen Rasse ist Mittelasien anzusehen. Nach der Sprache kann man die hierher gehörigen Völker in solche mit mehrsilbigen und in solche mit einsilbigen Sprachen teilen. Zur ersten Gruppe gehören die Uralier, Altaier, Japaner und Koreaner, zur zweiten die Tibeter und Himalajavölker, die Birmanen und Lohitavölker, die Thai- oder Schanvölker, die Anamiten, Chinesen und die isolierten Völker Hinterindiens. Mehrere dieser Völker spalten sich wiederum in verschiedene Zweige, der uralische Volksstamm in den samojedischen und finnischen Zweig, von denen der letztere wieder in vier Familien zerfällt: die ugrische, die bulgarische oder Wolgafamilie, die permische und die finnische (Lappen, Finnen, Esthen, Liven) Familie. Der altaische Volksstamm zerfällt in drei Zweige: den tungusischen (Tungusen und Mandschu), den mongolischen, auf den wir weiter unten näher eingehen werden, und den türkischen (Jakuten, Tataren, Kirgisen, Uzbeken, Osmanen u. a.). Die noch zu dieser Gruppe gehörigen Japaner und Koreaner bilden einheitliche, in sich geschlossene Völkerfamilien. Sie finden, ebenso wie die Völker der einsilbigen Sprachengruppe, eingehende Besprechung in den ihnen besonders gewidmeten Artikeln. Der eigentliche mongolische Zweig zerfällt in drei Familien: die Ostmongolen, die Westmongolen oder Kalmücken und die Buräten. Über die beiden letztern s. die betreffenden Artikel. Die Ostmongolen, welche die Mongolei, das eigentliche Stammland der M., bewohnen und daher vorzugsweise als M. bezeichnet werden, zerfallen in zwei Abteilungen: die Khalka- oder Chalka-M., im Norden der Gobi, und die Schara-M., im Süden bis gegen Tibet. Mit den übrigen Mitgliedern der mongolischen Rasse haben sie die durchschnittlich mittelgroße, bei den Frauen kleine