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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Monte Vergine; Monteur; Montevarchi; Monteverde; Montevidēo

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Monteur - Montevideo.

Rückkehr war er Minister des Innern, in welcher Stellung er den Ultrakonservativen zu den reaktionärsten Maßregeln die Hand bot. Nach der zweiten Restauration ward er im August 1815 zum Pair, 1821 zum Herzog ernannt. Er starb 4. Febr. 1832 auf dem Schloß Cirey.

2) Ambroise Anatole Auguste, Graf von, franz. Pair, Neffe des vorigen, geb. 8. Aug. 1788 zu Paris, trat 1806 in die Armee, wurde Ordonnanzoffizier Napoleons I. und 1813 Oberst. 1831 wurde er Maréchal de Camp, war in der Deputiertenkammer einer der eifrigsten Verteidiger der Julidynastie und erhielt 1841 die Pairswürde. Er begleitete im Februar 1848 die Herzogin von Orléans mit ihren Söhnen auf der Flucht von Paris über den Rhein. Er starb 21. Nov. 1867 in Marsan (Gers). Auch als Dichter hat er sich einen Namen gemacht durch: "Chants divers" (1843, 2 Bde.), "Moïse" (1850, 2 Bde.; neue Ausg. 1864), "Hercule" (1874, 2 Bde.), Übersetzung des Petrarca (1843-45, 3 Bde.) und der Gedichte Michelangelos (1875) u. einige Dramen.

Monteur (franz., spr. mongtör), ein Arbeiter, welcher Maschinen aufstellt (montiert) und in Thätigkeit setzt.

Montevarchi (spr. -wárki), Flecken in der ital. Provinz Arezzo, im Arnothal, an der Eisenbahn von Florenz nach Rom, mit Gymnasium, technischer Schule, einem ehemaligen Minoritenkloster (jetzt wissenschaftliche Akademie mit Naturaliensammlung), Seidenzucht, Ölbau und (1881) 3624 Einw.

Monteverde (spr. -wérde), 1) Claudio, Komponist, geb. 1568 zu Cremona, trat als Violaspieler in die Dienste des Herzogs von Mantua, studierte unter dem dortigen Kapellmeister Ingegneri den Kontrapunkt und wurde 1603 dessen Nachfolger, vertauschte aber diese Stelle 19. Aug. 1613 mit der Kapellmeisterstelle an der Markuskirche zu Venedig, welche er bis zu seinem Tod im Beginn des Jahrs 1643 bekleidete. M. ist eine der interessantesten Erscheinungen in der Geschichte der modernen Musik und hat namentlich auf dem Gebiet der Oper reformatorisch gewirkt (s. Musik, Geschichte). Außer den Opern: "Arianna" (1606) und "Orfeo" (1607), beide von Rinuccini gedichtet, u. a. hat er auch eine Anzahl früher komponierter Madrigale und Kirchenstücke hinterlassen, in denen er sich als tüchtig geschulter Tonsetzer bewährt.

2) Giulio, ital. Bildhauer, geb. 16. Okt. 1837 zu Bristagno ^[richtig: Bistagno] bei Acqui (Piemont), war anfangs Holzschnitzer, besuchte seit 1859 die Akademie in Genua und erlangte 1865 den Preis für Rom. Eins seiner ersten Werke waren die mit einer Katze spielenden Kinder. Noch mehr zeigte sich seine maßvolle naturalistische Richtung in der Gruppe: Jenner, der seinen eignen Knaben zur Probe impft, einem Werk voll kräftiger Empfindung und größter Feinheit individueller Durchbildung (1872, s. Tafel "Bildhauerkunst X", Fig. 5). Es folgten: die Statue des Architekten Sada für Turin und eine Statue, betitelt die erste Inspiration des Kolumbus (Museum zu Boston). 1878 führte er das Modell für ein Denkmal des Grafen Massari aus, und 1879 wurde sein Standbild des Komponisten Thalberg in Villa Communale bei Neapel enthüllt. Er ist seit 1874 Professor der Akademie San Luca in Rom.

Monte Vergine (spr. wérdschine), ein zum Neapolitanischen Subapennin gehöriger Berg in der ital. Provinz Avellino, 1320 m hoch, mit prachtvoller Aussicht. Am M. liegt das gleichnamige Kloster mit alter, 1182 geweihter und 1629 mit großer Pracht umgebauter Kirche, die einen berühmten Wallfahrtsort bildet. Am Fuß des Bergs in Loreto befindet sich die ehemalige Abtei des Klosters mit dem berühmten Archiv, welches jetzt einen Teil des Staatsarchivs in Neapel bildet.

Montevidēo, Hauptstadt des südamerikan. Staats Uruguay, an der Mündung des Rio de la Plata, am Eingang zur 1½ km breiten Bai von M. gelegen, ist eine der stattlichsten Städte Südamerikas, mit geraden, breiten Straßen (unter denen der Boulevard 18 de Julio die schönste), Gasbeleuchtung, Pferdebahnen, Wasserleitung (53 km lang) und im O. zahlreichen Villen. Das Klima ist gesund (mittlere Jahrestemperatur 13° C.), und auf 1000 Einw. kamen jährlich 208 Geburten und nur 98 Todesfälle. Die Altstadt erstreckt sich vom Fort San José, am Eingang in die Bai, östlich bis zur Plaza de Independenzia mit Markthalle und dem prachtvoll ausgestatteten Teatro de Solis (nach dem Entdecker des La Plata so genannt). In der Altstadt selbst liegen die Plaza Mayor mit dem Regierungsgebäude (Casa Fuerte oder Gobierno) und die Plaza de la Constitucion mit der Matriz oder Hauptkirche (1790-1804), aus Backsteinen erbaut, und dem Cabildo, in welchem der Kongreß seine Sitzungen hält. Sonst befinden sich in diesem Stadtteil noch das Universitätsgebäude, das große Hospital La Caridad und das Zollhaus, die Börse (eine Nachahmung der von Bordeaux), die Mauá und andre Banken. Die Neustadt enthält namentlich auch die Wohnhäuser der hier zahlreichen ausländischen Kaufleute. M. hatte 1860: 37,787, 1884 aber 104,472 Einw., unter denen zahlreiche Ausländer. Handel ist die wichtigste, ja fast einzige Erwerbsquelle der Stadt, die eine nicht zu verachtende Rivalin von Buenos Ayres im Handelsgebiet des La Plata geworden ist. Der hinter der Stadt in der Bai gelegene eigentliche Hafen ist nur 4,6 m tief und versandet immer mehr, aber eine englische Gesellschaft hat am gegenüberliegenden Ufer der Bai unter dem 148 m hohen Cerro de M. großartige Docks von 7,3 m Tiefe angelegt, und ebenda befinden sich auch ausgedehnte Saladeros, in denen jährlich 200,000 Rinder geschlachtet werden. Nicht nur steht M. durch Dampferlinien mit den Haupthäfen Südamerikas und Europas in Verbindung, sondern Eisenbahnen vermitteln den Verkehr auch mit seinem Hinterland. Im J. 1885 liefen 1249 Schiffe von 1,232,962 Ton.

^[Abb.: Situationsplan von Montevideo.]