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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Montjean - Montmorency.

Montjean (spr. mong-schāng), Flecken im franz. Departement Maine-et-Loire, Arrondissement Cholet, an der Loire, mit den Ruinen einer Priorei, Kohlengruben, Weinbau und (1881) 1643 Einw.

Montjoie (spr. mong-schŏa), Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Aachen, am Hohen Venn, an der Roer und der Bahnlinie Rote Erde-Montmédy, 404 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein altes Bergschloß, ein Amtsgericht, Tuch- und Buckskinfabrikation, Streichgarnspinnerei, Kunstwollfabriken und (1885) 2110 meist kath. Einwohner. Vgl. Pauly, Geschichte der Stadt M. (Köln 1862 ff.).

Mont-joie Saint-Denis (spr. mongschŏa ssäng-dönih, "Unser Hort der heilige Dionys"), Kriegsgeschrei der Franzosen im Mittelalter und Wahlspruch der Könige von Frankreich, von unsicherer Bedeutung.

Montlhéry (spr. mong-lerih), Stadt im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Corbeil, mit gewaltigen Burgruinen und (1881) 2309 Einw. Hier schlug Ludwig XI. die Ligisten unter dem Grafen Karl von Charolais 16. Juli 1465 zurück, räumte aber während der Nacht das Schlachtfeld, weshalb er als der Besiegte galt.

Montlivault (spr. mong-lĭwoh), Flecken im franz. Departement Loir-et-Cher, Arrondissement Blois, mit Schloß und 950 Einw.; hier 9. Dez. 1870 siegreiches Gefecht des 9. deutschen Armeekorps gegen die Franzosen.

Montlouis (spr. mong-lui), 1) Stadt und Festung zweiten Ranges im franz. Departement Ostpyrenäen, Arrondissement Prades, am Têt und am Fuß des Col de la Perche, 1513 m ü. M. gelegen, hat eine 1681 von Vauban erbaute Citadelle, welche den wichtigen Pyrenäenübergang sperrt, und (1881) 506 Einw. -

2) Flecken im franz. Departement Indre-et-Loire, Arrondissement Tours, an der Eisenbahn von Orléans nach Tours, welche hier die Loire überschreitet, hat ein Schloß, (1881) 579 Einw., Weinbau und Weinhandel; Geburtsort der Gabrielle d'Estrées und des Buchdruckers Christophe Plantin.

Montluçon (spr. mong-lüßóng), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Allier, am Cher, Ausgangspunkt des Berrykanals und Knotenpunkt der Orléansbahn, hat sich aus einer kleinen, noch heute erhaltenen Landstadt ganz mittelalterlichen Charakters in wenigen Jahrzehnten durch Aufschluß des nahen Kohlenbeckens von Commentry zu einer bedeutenden Industriestadt entwickelt, die sich um den Hügel, auf welchem die Altstadt mit mehreren Kirchen, dem Stadthaus und dem alten Schloß (jetzt Kaserne) liegt, in lebhaftestem Kontrast zu jener ausbreitet. Es blüht namentlich die Fabrikation von Glas und Spiegeln, Eisen- und Stahlwaren, Metallgießerei etc. Die Stadt zählt (1886) 24,859 Einw. und hat ein Lyceum, eine höhere Gewerbeschule, einen Gerichtshof und ein Handelsgericht.

Montluel (spr. mong-lüéll), Stadt im franz. Departement Ain, Arrondissement Trévoux, an der Eisenbahn von Lyon nach Vesoul, unfern des Rhône, hat Reste eines alten Schlosses, Fabrikation von Tuch, Decken, Shawls etc. und (1881) 2247 Einw.

Montmartre (spr. mong-mártr), höchster Punkt von Paris (130 m) und danach benannter nördlichster Stadtteil (18. Arrondissement) von Paris. Der Name ist auf einen ehemaligen Marstempel (Mons Martis, woraus später Mons Martyrum gemacht wurde) zurückzuführen. Seit 1133 stand dort eine reiche, in der Revolution aufgehobene Benediktinerabtei. Am 30. März 1814 hat die Erstürmung des M. durch die Verbündeten die Kapitulation von Paris herbeigeführt. Im Kommuneaufstand von 1871 ward die Anhöhe von den Aufständischen besetzt und mit Batterien versehen (s. Paris, Geschichte). Ein Boulevard und eine Hauptstraße von Paris sind nach M. benannt.

Montmartregips, s. Tertiärformation.

Montmédy (spr. mong-medih), Arrondissementshauptstadt und Festung dritter Klasse im franz. Departement Maas, am Chiers und an der Eisenbahn von Charleville nach Diedenhofen, zerfällt in die auf einem 65 m hohen Felsen gelegene Oberstadt oder Citadelle und die Unterstadt Medybas, die östlich im Thale liegt, hat einen Gerichtshof, ein Collège und (1881) 2587 Einw. Die Oberstadt wurde 1235 von Arnoux III., Grafen von Cos und Chiny, erbaut und mit Mauern und Türmen umgeben. 1542 ward die Stadt von dem Herzog von Guise eingenommen, 1544 aber von den Franzosen zurückgegeben. Als diese 1555 unter dem Herzog von Nevers über die Maas vordrangen, nahmen sie die Stadt von neuem ein, gaben sie jedoch 1559 an Philipp II. von Spanien zurück. Im Krieg Heinrichs IV. mit Spanien (1596) ward der Platz zum drittenmal von den Franzosen eingenommen, nach abgeschlossenem Frieden aber auch wieder geräumt. Nachdem sich aber 1657 unter Ludwig XIV. die Franzosen nach einer regelmäßigen Belagerung von 47 Tagen zum viertenmal der Stadt bemächtigt hatten, blieb sie unter französischer Herrschaft und ward 1659 derselben förmlich überlassen. Ludwig XIV. ließ die Festung von Vauban durch Herstellung neuer Bastione und Ravelins verstärken. 1815 ward sie von den norddeutschen Bundestruppen und Preußen belagert und nach Erstürmung der Unterstadt zur Kapitulation gezwungen. 1870 wurde sie als wichtiger Eisenbahnpunkt von den Deutschen unter General v. Kameke 7.-14. Dez. belagert und durch eine kurze, aber heftige Beschießung zur Übergabe gezwungen. Vgl. Jeantin, Histoire de M., etc. (1861-63, 3 Bde.); Spohr, Geschichte der Belagerung von M. (Berl. 1876).

Montmélian (spr. mong-melĭāng, ital. Montemigliano), Stadt im franz. Departement Savoyen, Arrondissement Chambéry, an der Isère und der Eisenbahn Valence-Chambéry, hat ausgezeichneten Weinbau und (1881) 1168 Einw. Das alte Schloß hat seine frühere strategische Wichtigkeit verloren.

Montmirail (spr. mong-miráj), Stadt im franz. Departement Marne, Arrondissement Epernay, am Petit Morin und an der Eisenbahn von Château-Thierry nach Romilly, mit schönem Schloß, Mühlsteinbrüchen, kalten Schwefelquellen und (1881) 2057 Einw. Hier 11. Febr. 1814 siegreiches Gefecht Napoleons I. gegen die Preußen unter Blücher und die Russen unter Sacken, woran eine Denksäule erinnert.

Montmorency (spr. mong-morangssi), 1) Stadt im franz. Departement Seine-et-Oise, Arrondissement Pontoise, 15 km nördlich von Paris, an der Nordbahn, mit neuerrichtetem Fort, einer Kirche mit Grabkapelle der 1831 gefallenen Polen, vielen Landhäusern, Obstbau (besonders Kirschen) und (1881) 4017 Einw. In der Nähe der von Parisern stark besuchte Wald von M. mit 2000 Hektar Fläche. In dem Thal von M. liegt das (später umgebaute) Landhaus Eremitage, in welchem Rousseau seinen "Émile" u. a. schrieb, und die unter dem Namen Enghien (s. d. 2) bekannten Schwefelbäder. Das Schloß M., aus welchem die Familie M. stammt, ist während der Revolution abgetragen worden. -

2) Fluß in Kanada, stürzt 10 km unterhalb Quebec mit einem 82 m hohen Fall in den St. Lorenzstrom.