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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Morbilli; Morbleu!; Morbosität; Morbus; Morcellement; Morchel; Morchella; Morchenstern; Mord

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Morbilli - Mord.

Golfe und kleinen Buchten, ihre Vorgebirge sowie ihre bepflanzten Felsplateaus berühmt. Zahlreiche Inseln sind derselben vorgelagert, unter denen Groix, Belle-Isle (s. d.), Houat und Hoedic die bedeutendsten sind. Von den sämtlich dem Atlantischen Ozean zuströmenden Flüssen sind zu erwähnen: der Blavet, Auray und die Vilaine mit dem Oust. Das Klima ist gemäßigt und feucht, die Luft meist nebelig. Die Bevölkerung beträgt (1886) 535,256 Seelen. Ein großer Teil (mehr als ein Drittel) des Landes besteht noch aus Heiden, aber auch hier rücken die Bodenkultur und der Kleinbesitz beständig vor. Auf Cerealienbau kommen von der Gesamtfläche 32 Proz.; Hauptprodukte sind: Getreide (durchschnittlich 4 Mill. hl), insbesondere der in der Bretagne sehr beliebte Buchweizen, dann Roggen, Hafer und Weizen, außerdem Kartoffeln, sehr viel Hanf und Obst (besonders Äpfel zur Ciderbereitung) sowie etwas Wein. Das ausgedehnte Weideland begünstigt in hohem Maß die Viehzucht. In Bezug auf den Rindviehstand, welcher sich 1881 auf 322,900 Stück belief, nimmt das Departement neben den übrigen Departements der Bretagne den ersten Rang in Frankreich ein. Minder bedeutend ist die Zahl der Pferde und Schafe, wogegen wieder die Bienenzucht (mit 68,575 Stöcken) sehr ausgebreitet ist. Mineralquellen finden sich zu Hennebont, Loyat und Pargo. Von Bedeutung ist die Produktion von Seesalz, dagegen leidet das Land Mangel an Holz. Neben Ackerbau, Viehzucht und Fischerei (mit Einschluß der Zubereitung von Sardinen und der Austernzucht) als Haupterwerbszweigen tritt die Industrie sehr in den Hintergrund; nur die Eisenindustrie und etwas Schiffbau sind erwähnenswert. Der Handel findet zur See an den Häfen (Lorient, Hennebont, Vannes u. a.), im Innern an den schiffbaren Flüssen, dem Kanal von Nantes nach Brest und an der dieselben Städte verbindenden Eisenbahn mit Abzweigungen nach St.-Brieuc und Quiberon seine Förderungsmittel. Das Departement zerfällt in die vier Arrondissements: Lorient, Ploërmel, Pontivy und Vannes. Hauptstadt ist Vannes. Vgl. Rosenzweig, Dictionnaire topographique du M. (Par. 1870); Fouquet, Guide des touristes et des archéologues dans le M. (Vannes 1874).

Morbilli (lat.), s. Masern.

Morbleu! (franz., spr. -blöh), potztausend!

Morbosität (lat.), Kränklichkeit, Siechtum.

Morbus (lat.), Krankheit; M. Addisoni, Addisonsche Krankheit; M. anglicanus, Rhachitis; M. attonitus, Melancholie; M. aulicus, Krankheit der höhern Stände, durch Schlemmerei hervorgerufen; M. Basedowii, Basedowsche Krankheit; M. Brightii, Brightsche Nierenkrankheit; M. cerealis, Kriebelkrankheit; M. coeruleus, Blausucht; M. comitialis, daemonicus, divinus, major, sacer, Epilepsie; M. Dithmarsicus, hereditäre Syphilis; M. gallicus, neapolitanus, venereus, Syphilis; M. haematicus, Bluterkrankheit; M. maculosus Werl. Kofii, Blutfleckenkrankheit; M. miliaris, Schweißfieber; M. nauticus, Seekrankheit; M. niger Hippocratis, Blutbrechen; M. regius, Gelbsucht; M. solstitialis, Sonnenstich.

Morcellement (franz., spr. -ssälmāng, "Zerstückelung"), das partienweise Abtragen großer Geschwülste nach vorheriger Umschnürung der einzelnen Teile mit Draht.

Morchel, s. Morchella.

Morchella Dill. (Morchel), Pilzgattung aus der Unterordnung der Diskomyceten, charakterisiert durch große, gestielte, hutförmige Fruchtkörper mit fast stets hohlem Stiel oder Strunk und häutigem oder wachsartig fleischigem, eirundem oder kegelförmigem Hut oder Mütze, welcher auf der Spitze des Strunks befestigt ist und daher glockenförmig herabhängt oder auch mit seinen Rändern an den Strunk angewachsen ist, und dessen buchtig faltige oder netzig zellige äußere Oberfläche das Hymenium darstellt, welches aus den Sporenschläuchen mit je 6-8 Sporen besteht. Es sind ansehnliche, zart fleischige Pilze, welche meist im Frühjahr auf der Erde, besonders in Gebirgswäldern, wachsen, sämtlich nahrhafte, wohlschmeckende, beliebte Pilze, die leicht kenntlich sind und allgemein für die Küche gesammelt werden. Man benutzt sie als Gemüse, Zusatz zu Suppen, Frikassees, Saucen und Ragouts. An der Luft und der Sonne oder in der Ofenwärme getrocknet, sind sie sehr haltbar. M. esculenta Pers. (gemeine Morchel, Speisemorchel, s. Tafel "Pilze"), mit 2,5-4 cm hohem, 9-12 mm breitem Strunk und 2,5-8 cm hoher, 2,5-5 cm breiter, rundlicher, eiförmig hohler, gelblicher Mütze, die mit ihrem untern Rand an den Strunk angewachsen, mit vielen netzförmig verbundenen und gefalteten, schwarzbraunen Rippen besetzt ist; ist weit über Europa, Asien und Nordamerika verbreitet und die häufigste Art. Eine zweite Art mit dünnerer, kugelförmiger Mütze mit schmalen, länglichen Feldern wird als Spitzmorchel bezeichnet. M. patula Pers. (Glockenmorchel), mit glockenförmig über den Strunk herabhängender, auswendig ebenfalls netzförmig gerippter, brauner oder gelbbrauner Mütze, in Gebirgsgegenden, ist der vorigen an Güte gleich. Die Faltenmorchel oder Lorchel bildet eine eigne Gattung, Helvella (s. d.). Die Morchel enthält einen giftigen Bestandteil, welcher die Blutkörperchen auflöst und schwere diffuse Nierenentzündung und Ikterus erzeugt. Im Anfang entstehen Verdauungsbeschwerden und Blutharnen, schließlich aber versagen die Nieren ihren Dienst, es tritt Harnverhaltung und der Tod ein. Dieser giftige Bestandteil findet sich nur in frischen Morcheln, von welchen 1,5-1,75 Proz. des Körpergewichts bei einem Hunde tödlich wirken. Bei etwa vierwöchentlicher Trocknung verflüchtigt sich das Gift, während nach 10-20tägiger Trocknung immer noch schädliche Wirkungen zu beobachten sind. Durch kaltes Waschen wird die Schädlichkeit der Morcheln auf etwa ¼-⅙ reduziert. Dagegen nimmt heißes Waschwasser einen großen Teil des Gifts auf, und die Abkochung der Morcheln wirkt sehr viel heftiger als der frische Pilz, während der gehörig ausgekochte Pilz vollkommen unschädlich ist. Ort, Zeit und sonstige Umstände der Einsammlung, die man zur Erklärung der schon früher beobachteten rätselhaften Erkrankungen nach Genuß von Morcheln herbeigezogen hatte, sind ohne Bedeutung. Bei der Zubereitung müssen mithin die gut gewaschenen Pilze mit reinem Wasser wiederholt aufgekocht und dann abgespült werden. Die Abkochung ist fortzugießen. Über die chemische Natur des Morchelgifts ist nichts Näheres bekannt, doch dürfte dasselbe zu den flüchtigen Alkaloiden gehören.

Morchenstern, Marktflecken in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Gablonz, mit Schloß, schöner Kirche und (1880) 5346 Einw., bildet einen Hauptsitz der nordböhmischen Glas- und Glaskurzwarenindustrie und hat außerdem 2 Baumwollspinnereien, eine Weberei, Chemikalienfabrik und Bierbrauerei.

Mord, die mit Überlegung vorsätzlich ausgeführte rechtswidrige Tötung eines Menschen. Das Erfordernis der Überlegung unterscheidet den M. wesentlich von dem Totschlag, der ohne Überlegung ausgeführten Tötung, sowie auch von der Tötung durch