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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: More; Morēa; Moreau

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More - Moreau.

werden, und meist blond, mit blauen oder grauen Augen. Ihre Körpergröße ist eine mittlere, das Gesicht flach, breit mit etwas vorspringenden Backenknochen und leichtem Prognathismus. Sie tragen gern weiße Kleider mit roten Stickereien und lieben den Ackerbau. Eigentümlich ist, daß bei ihnen die Frauen selten vor dem 30. Jahr heiraten. Die M. zerfallen in drei Stämme: die Mokschanen, an der Mokscha, die Ersan (Ersjänen) und die Karatajen (Karatai), welch letztere nur noch im Kreise Sengilhej (Simbirsk) und im Kreis Tetjuschi (Kasan) vorkommen. Nur die in Tetjuschi lebenden M. bekennen sich zum Islam und sind überhaupt in Sprache und Sitte tatarisch geworden; die übrigen gehören der griechisch-katholischen Kirche an. Die mordwinische Sprache gehört zu dem finnisch-ugrischen Zweig des uralaltaischen Sprachstammes. Vgl. Wiedemann, Grammatik der ersa-mordwinischen Sprache (Petersb. 1865); Alquist, Versuch einer mokscha-mordwinischen Grammatik (das. 1861).

More (spr. mōr), Miß Hannah, engl. Schriftstellerin, geb. 2. Febr. 1745 zu Stapleton in Gloucestershire, trat bereits im 17. Jahr mit einem Schäferschauspiel: "The search after happiness", auf, dem im nächsten Jahr das Trauerspiel "The inflexible captive" folgte. Garrick bestimmte sie, sich in London litterarischer Beschäftigung zu widmen, und führte sie in jenen Kreis ein, der damals die hervorragendsten Geister Englands (Reynolds, Burke, Johnson u. a.) vereinigte. 1777 erschien ihre Tragödie "Percy", 1779 ihr letztes Trauerspiel: "The fatal falsehood", das wenig Beifall fand. Da um diese Zeit auch Garrick starb, zog sie sich von der Bühne zurück und errichtete in Barley-Grove mit ihren Schwestern eine Erziehungsanstalt für verwahrloste Kinder, war auch schriftstellerisch für Moral und Erziehung thätig. Vom Ertrag ihrer Werke vermachte sie mehr als 10,000 Pfd. Sterl. zu wohlthätigen Zwecken. Sie starb 7. Dez. 1833 in Elision. Eine Sammlung ihrer Schriften in 11 Bänden erschien London 1853. Ihre Biographie schrieben Roberts (Lond. 1838, 2 Bde.; deutsch, im Auszug, Hamb. 1849), Buckland (Lond. 1882) und Charl. Yonge (das. 1887). Vgl. auch "Letters of Hannah M. to Zachary Macaulay" (Lond. 1860).

Morēa, seit dem Mittelalter gebräuchlicher Name für die griechische Halbinsel Peloponnesos (s. Peloponnes); den Namen leitet man von der maulbeerblattähnlichen Gestalt der Halbinsel oder von dem slawischen Wort more ("Meer") oder von dem durch Umstellung der Konsonanten veränderten Wort Rhomäa oder endlich von der mittelalterlichen Stadt Morjas (jetzt Muria) in Elis ab.

Moreau (spr. -ro), 1) Jean Victor, franz. General, geb. 11. Aug. 1761 zu Morlaix (Finistère), Sohn eines Advokaten, studierte in Rennes seit 1778 die Rechte und ward Justizbeamter daselbst. Beim Ausbruch des Kriegs von 1792 von dem in Rennes gebildeten Freiwilligenbataillon zum Anführer gewählt, wohnte er dem Feldzug von 1792 unter Dumouriez bei, leitete 1793 als Brigadegeneral den Angriff auf die Preußen bei Pirmasens, eroberte 1794 als Divisionsgeneral Menin, zwang Ypern zur Kapitulation, besetzte Brügge, Ostende und Nieuport und befehligte 1795 bei der Eroberung Hollands unter Pichegru den rechten Flügel. 1796 erhielt er das Kommando über die Rhein- und Moselarmee. Er drängte Wurmser bis Mannheim zurück, überschritt 24. Juni bei Kehl den Rhein, schlug Latour 5. Juli bei Rastatt, den Erzherzog Karl 9. Juli bei Ettlingen, drang durch den Schwarzwald auf dem rechten Donauufer bis zur Isar vor, schloß mit Bayern 7. Sept. den vorteilhaften Vertrag von Pfaffenhofen, wurde aber durch die Niederlage und den Rückzug Jourdans ebenfalls gezwungen, zurückzuweichen. Auf diesem meisterhaft geleiteten, übrigens durch die Uneinigkeit der österreichischen Feldherren erleichterten Rückzug schlug er die ihn erreichenden Österreicher 2. Okt. bei Biberach, ging durch das Höllenthal des Schwarzwaldes und erreichte, nachdem er 24. Okt. bei Schliengen noch einmal mit Erzherzog Karl gekämpft, Ende Oktober den Rhein, den er bei Hüningen überschritt, u. an dem er Breisach u. Kehl bis Anfang 1797 behauptete. In demselben Jahr überschritt er abermals den Rhein u. drang bis nach Lichtenau vor, wo er die Kunde von den zu Leoben abgeschlossenen Friedenspräliminarien erhielt (23. April). M. hatte 1796 in einem österreichischen Bagagewagen eine zwischen Condé und Pichegru geführte verräterische Korrespondenz gefunden, dieses aber aus Freundschaft für letztern verschwiegen. Dies ward jetzt bekannt und gab dem Direktorium Anlaß, M. im September 1797 abzuberufen. Schon Ende 1798 aber ward er zum Inspecteur général bei der italienischen Armee ernannt. Im April 1799 übernahm er an General Schérers Stelle den Oberbefehl über die von Suworow bedrängte italienische Armee, führte dieselbe von der Adda über den Tessin und zog sich hierauf in die Gebirge bei Genua zurück. Von hier aus bewerkstelligte er seine Vereinigung mit Macdonald, der von Neapel heranzog. Im August wurde er abberufen, doch wohnte er auf Jouberts Veranlassung, der ihn im Kommando ablösen sollte, der Schlacht bei Novi 15. Aug. noch bei und übernahm nach dessen Tode, der gleich beim Beginn der Schlacht erfolgte, wiederum den Oberbefehl, konnte jedoch die völlige Niederlage der Franzosen nicht verhindern. Nach Paris zurückgekehrt, lehnte er den Antrag Sieyès', sich selbst der Diktatur zu bemächtigen, ab, nahm vielmehr am Staatsstreich des 18. Brumaire teil, ohne indes die Tragweite desselben zu erkennen, und bewachte die Direktoren im Luxembourg. Hierauf erhielt er den Oberbefehl über die Rheinarmee und schuf mit Carnot ein neues Heer von 90,000 Mann, mit welchem er zum drittenmal (Ende April 1800) über den Oberrhein ging. Im Mai drängte er die Österreicher unter Kray durch eine Reihe glücklicher Gefechte bei Stockach, Engen, Möskirch, Biberach und Ulm zurück, drang über die Donau und bahnte sich durch die Siege bei Höchstädt, Nördlingen und Neuburg den Weg bis zum Inn, worauf die Österreicher 15. Juli mit ihm den Waffenstillstand zu Parsdorf schlossen. Als sich aber im November die Friedensunterhandlungen zerschlugen, erfocht M. 3. Dez. den entscheidenden Sieg bei Hohenlinden, der ihm den Weg in das Herz von Österreich öffnete und zunächst den Waffenstillstand von Steyr 25. Dez., dann aber den Frieden zu Lüneville herbeiführte. M. zog sich hierauf auf sein Landgut Grosbois zurück. Da er durch seine republikanische Gesinnung und seinen dem Napoleons I. ebenbürtigen Kriegsruhm diesem verhaßt war, ward er, als in der Untersuchung über das angeblich von Pichegru und Cadoudal gegen Napoleon angezettelte Komplott mehrere Mitschuldige Aussagen gegen M. machten, 4. Febr. 1804 verhaftet, in den Temple gesetzt und angeklagt, daß er sich im Einverständnis mit Pichegru zum Diktator habe machen wollen, um die Bourbonen zurückzuführen. Am 9. Juni erfolgte zwar seine Freisprechung mit 7 gegen 5 Stimmen, allein Napoleon, dem es darauf ankam, ihn schuldig zu finden, ließ die Richter durch Savary so lange bearbeiten, bis sie ihn mit zwei Jahren Ge-^[folgende Seite]