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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Morendo - Morgagni.

zu Zeus ist nicht genau fixiert: bald sind sie von seinem Willen abhängig, bald stehen sie über ihm. In der antiken Kunst wurden die M. anfänglich nur mit dem Zepter als Zeichen der Herrschaft (so auf dem archaisierenden Altar des Louvre), später mit allerlei allegorischen Symbolen ausgestattet. In der Regel erscheint die Klotho als spinnend, die Lachesis als das Geschick am Globus bezeichnend, die Atropos spinnend. Lachesis findet sich auch schreibend oder mit einer Rolle, Atropos die Stunde an einer Sonnenuhr zeigend oder die Wage haltend. Eine der schönsten Darstellungen enthält das Humboldtsche Parzenrelief in Tegel (s. Abbildung, S. 801). Vgl. Lehrs, Populäre Aufsätze aus dem Altertum (2. Aufl., Leipz. 1875).

Moréndo (ital.), in der Musik s. v. w. hinsterbend, zur kaum hörbaren Schwäche des Tons abnehmend.

Morenu (hebr., "unser Lehrer"), seit dem 14. Jahrh. Titel der Rabbiner, welche denselben und damit die Erlaubnis zur Ausübung rabbinischer Funktionen durch eine bestimmte Ermächtigung zum Lehren von rabbinischen Autoritäten erwerben mußten.

Mores (lat., Plural von mos), Sitten.

Moresbyinseln (spr. mōrsbi-), Inselgruppe an der Südostspitze von Neuguinea, unter 10° 30' nördl. Br. und 150° 35'-151° 15' östl. L., besteht aus den Inseln Moresby, 190 qkm (3,46 QM.), und Basilisk oder Murilyan, 90 qkm (1,63 QM.), nebst 63 ganz kleinen Eilanden. Sie wurden 1876 von Moresby aufgefunden.

Morésken (ital.), s. Arabesken.

Moresnet (spr. moränä), kleines neutrales Gebiet auf der belgisch.-preuß. Grenze, 7 km südwestlich von Aachen, wird im W. von der belg. Bahnlinie Lüttich-Bleiberg, im O. von der preuß. Linie Herbesthal-Aachen durchschnitten und umfaßt 27,7 Hektar. Der einzige Ort ist das Dorf Neutral M. (auch Kelmis genannt) mit dem großartigen Galmeibergwerk Altenberg und 2800 Einw.; dicht daneben auf preußischem Gebiet liegt, der Ort Preußisch-M. (650 Einw.) und 3 km südlich auf belgischem Boden Belgisch-M. (982 Einw.). Das Gebiet wurde 1816 gebildet u. anfangs von Preußen u. Belgien gemeinsam verwaltet, später aber zu einer besondern Bürgermeisterei erhoben, an deren Spitze abwechselnd der Bürgermeister von Preußisch-M. u. Belgisch-M. steht.

Moretonbai (spr. mohr'tön), große Bai des Stillen Ozeans an der südlichsten Küste von Queensland, gebildet durch die vorliegenden Inseln Stradbroke und Moreton. Der südliche Teil der Bai, in den die Flüsse Logan und Brisbane münden, ist voll von kleinen Inseln und Sandbänken; in den nördlichen, tiefen führt ein durch zwei Leuchttürme (auf der Moretoninsel) und ein Leuchtschiff gesicherter breiter Kanal. Die Bai wurde 1770 von Cook entdeckt und benannt, 1799 von Flinders und 1823 von King genauer untersucht. S. Karte "Australien".

Moretonbainüsse, s. Castanospermum.

Morēto y Cabaña (spr. -wánja), Don Agustin, span. dramatischer Dichter, geboren um 1618 zu Madrid, aus einer aus Valencia stammenden Familie, studierte in Alcalá und starb 28. Okt. 1668 als Rektor des Hospitals del Refugio in Toledo. Weiter ist von seinen Lebensumständen nichts bekannt. Seine zahlreichen Komödien, die er teils allein, teils im Verein mit andern abfaßte, zeichnen sich durch verständige Komposition, geschickte Durchführung und treffliche Charakteristik aus. Seine Lustspiele insbesondere gehören an komischer Wirkung zu den besten des spanischen Theaters. Sein Meisterstück: "El desden con el desden", eins der vier klassischen Stücke der ältern spanischen Bühne, wurde von Schreyvogel (West) als "Donna Diana" für die deutsche Bühne bearbeitet und auch von Dohrn ("Spanische Dramen", Bd. 3, Berl. 1843) ins Deutsche übertragen. Nächst diesem sind das Charakterlustspiel "El lindo Don Diego" und "Trampa adelante" als besonders gelungen hervorzuheben. Unter seinen ernstern Dramen gelten "El Valiente justiciero" (deutsch von Rapp in "Spanisches Theater", Bd. 5, Hildburgh. 1870) und "La fuerza de la sangre" (von Jeitteles deutsch bearbeitet) für die vorzüglichsten. Ein Teil seiner Stücke erschien zusammengedruckt in 3 Bänden (Madr. 1654 bis 1681); andre finden sich in verschiedenen Sammlungen. Eine Auswahl der besten erschien in der "Biblioteca de autores españoles", Bd. 39 (Madr. 1856).

Moretto da Brescia, eigentlich Alessandro Bonvicino, genannt M., ital. Maler, geb. 1498 zu Brescia, war Schüler des Fioravante Ferramola in Brescia, erhob sich aber durch selbständiges Studium nach Tizian, Palma Vecchio und Romanino zu edler Eigentümlichkeit und war bereits 1516 als Künstler thätig. Er starb 1555 in Brescia, wo er vorzugsweise lebte. In seinen Werken vereinigt er seelenvollen Ausdruck, freie und anmutige Haltung mit großer Frische und Zartheit des Fleischtons, einer silbernen Färbung und einem anmutigen Spiel von Hell und Dunkel. Besonders charakterisieren seine Bilder helle Hintergründe, aus welchen die Figuren dem Beschauer mit vollem Leben entgegentreten, und die geschickte Nachahmung von Atlas, Samt, Gold- und Silberstoffen. Seine zahlreichen kirchlichen Bilder zeugen von tief religiösem Gefühl. Die vorzüglichsten besitzt des Künstlers Vaterstadt Brescia. In der Kirche San Elemente befindet sich ein großes Altarbild, die Heiligen Klemens, Dominicus und Florian, Katharina und Magdalena, darüber inmitten eines Chors von Engeln Maria mit dem Kinde darstellend, und in San Nazaro e Celso eine Himmelfahrt Mariä. Außerdem besitzen treffliche Bilder Morettos das Berliner Museum (Maria und die heil. Elisabeth mit dem Jesuskind und dem heil. Johannes, darunter zwei Geistliche knieend; eine Anbetung der Hirten), das Städelsche Institut zu Frankfurt a. M. (eine Madonna auf dem Thron zwischen St. Antonius und St. Sebastian, und die vier lateinischen Hauptkirchenväter auf den Stufen des Throns der Maria mit dem Jesuskind), die Brera zu Mailand, das Belvedere zu Wien (die heil. Justina, ein Hauptwerk des Meisters), die Eremitage zu St. Petersburg und das Louvre in Paris. M. hat auch Bildnisse von gleicher Größe der Auffassung und Kraft des Kolorits gemalt.

Morez (spr. -rä), Stadt im franz. Departement Jura, Arrondissement St.-Claude, an der Bienne, mit Uhrmacherschule, Eisenbergbau und Eisenhütten, sehr bedeutender Industrie in Uhren, optischen Gläsern, Werkzeugen etc. und (1881) 5491 Einw.

Morfil (Marfil, span.), unverarbeitetes Elfenbein als Handelsartikel.

Morgagni (spr. -gannji), Giovanni Battista, der Begründer der pathologischen Anatomie, geb. 25. Febr. 1682 zu Forli im Kirchenstaat, studierte zu Bologna Heilkunde, zu Venedig und Padua vergleichende Anatomie, wirkte hierauf in seiner Vaterstadt als Arzt und ward 1711 Professor der Anatomie zu Padua, wo er 5. Nov. 1771 starb. Sein Hauptwerk: "De sedibus et causis morborum per anatomen indagatis" (Vened. 1761, 2 Bde.; neueste Ausg., Leipz. 1827-29, 6 Bde.; deutsch, Altenb. 1771-76, 5 Bde.), ist die erste bahnbrechende Arbeit auf pathologisch-anatomischem Gebiet gewesen. Auch philologischen und archäologischen Studien widmete er sich, wie