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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Mörikofer - Möris.

4. Juni 1875 in Stuttgart. Die bedeutendste litterarische Darbietung dieses eigentümlichen, unter den nachgoetheschen Lyrikern hoch hervorragenden Poeten war und blieb die Sammlung seiner "Gedichte" (Stuttg. 1838, 4. Aufl. 1867). Ihre dichterische Bedeutung beruht auf der vollendeten, auch vom leisesten Zug der Abstraktion oder falschen Rhetorik freien Unmittelbarkeit der Empfindung und Anschauung, auf dem Reichtum einer tief innerlichen Dichternatur, welcher Lieder im frischesten Volkston ebenso gemäß sind wie solche mit subjektivster Empfindung, welche den feierlichen Ton der Hymne ebensowohl trifft wie den schlichten und humoristischen des Idylls. Reizende Einzelheiten weisen auch "Das Stuttgarter Hutzelmännlein", Märchen (Stuttg. 1852, 2. Ausg. 1855), woraus die "Historie von der schönen Lau" später mit 7 Umrissen von Schwind (das. 1873) erschien, das "Idyll vom Bodensee", in 7 Gesängen (das. 1846, 2. Aufl. 1856), die Novelle "Mozart auf der Reise nach Prag" (das. 1856) auf. M. gab außerdem ein "Jahrbuch schwäbischer Dichter und Novellisten" (mit W. Zimmermann, Stuttg. 1836), "Iris", Sammlung erzählender und dramatischer Dichtungen (das. 1839; teilweise wieder abgedruckt in den "Vier Erzählungen", das. 1857), eine Übersetzung von Theokrits Idyllen (mit Notter, das. 1853-56), des Anakreon (das. 1864) heraus. Seine "Gesammelten Schriften" erschienen in 4 Bänden (Stuttg. 1878); seinen Briefwechsel mit Herm. Kurz gab Bächtold (das. 1885) heraus. Vgl. Notter, E. M. (Stuttg. 1875); Klaiber, E. M. (das. 1876); H. Fischer, E. M. (das. 1881).

Mörikofer, Johann Kaspar, schweizer. Litterar- und Kirchenhistoriker, geb. 11. Okt. 1799 zu Frauenfeld im Thurgau, studierte am Carolinum in Zürich, ward Lehrer in Frauenfeld, 1830 Rektor der Stadtschulen daselbst und wurde 1853 als Pfarrer nach Gottlieben, 1870 nach Winterthur, zuletzt nach Zürich berufen, wo er 17. Okt. 1877 starb. Seine Hauptschriften sind: "Die schweizerische Mundart im Verhältnis zur hochdeutschen Schriftsprache" (1838; neue Ausg., Leipz. 1864); "Klopstock in Zürich" (Bern 1851); "Die schweizerische Litteratur des 18. Jahrhunderts" (Leipz. 1861); "Bilder aus dem kirchlichen Leben der Schweiz" (das. 1864); "Ulrich Zwingli nach den urkundlichen Quellen" (das. 1867-69, 2 Bde.); "J. J. Breitinger und Zürich" (das. 1873); "Geschichte der evangelischen Flüchtlinge in der Schweiz" (das. 1876). In allen diesen Werken finden sich gründliche Forschung mit geschmackvoller Darstellung vereinigt.

Morīn (Morinsäure) C12H8O5 ^[C_{12}H_{8}O_{5}] findet sich im Gelbholz (Maclura aurantiaca) und scheidet sich als Kalkverbindung aus dem konzentrierten wässerigen Auszug aus. Das aus dieser Verbindung mit Hilfe von Oxalsäure abgeschiedene M. bildet farblose Kristalle, schmeckt schwach bitter, löst sich leicht in Alkohol, schwer in Wasser, mit gelber Farbe in Alkalien und verflüchtigt sich bei etwa 300°.

Morinda L., Gattung aus der Familie der Rubiaceen, Sträucher und Bäumchen in heißen Ländern, mit gegenständigen Blättern, achselständigen Blütenköpfchen und gedrängt stehenden, viersamigen Beeren. M. bracteata Roxb. ist ein 6-9 m hoher Waldbaum in Ostindien, mit weißen, inwendig behaarten Blüten und gelben, gewürzhaft, aber herb und bitter schmeckenden Früchten, die man den Kindern gegen Würmer gibt. Das Holz ist ziemlich hart und zäh, weißlich, innen rötlich. Die Wurzeln dienen zum Rotfärben. M. citrifolia L., ein schöner, 2,5-3 m hoher Baum in Ostindien, liefert in seiner Wurzel das Suringi oder Al, welches besonders aus Gudscharat auf die indischen Märkte kommt und zum Rot-, Gelb- und Orangefärben dient. Die Wurzel enthält in gelben Nadeln kristallisierendes Morindin C28H30O15 ^[C_{28}H_{30}O_{15}], welches in heißem Wasser und Alkohol, nicht in Äther, in Alkalien mit orangeroter Farbe löslich ist, bei 245° schmilzt und in Morindon und Zucker zerfällt.

Morindīn, s. Morinda.

Morinell (Mornell), s. Regenpfeifer.

Morīner (Morĭni), kelt. Volk in Gallia Belgica, an der Küste des Pas de Calais und der Nordsee wohnend, wurde von Cäsar 56 v. Chr. besiegt. Ihre wichtigsten Orte waren: der Hafen Gessoriacum ^[richtig: Gesoriacum] (jetzt Boulogne) und Portus Itius (Wissant), von wo Cäsar nach Britannien übersetzte.

Moringa Gärtn., Gattung aus der Familie der Kapparideen, Bäume mit doppelt oder dreifach gefiederten Blättern, großen, weißen oder roten Blüten und ziemlich langen, schotenförmigen Früchten mit zahlreichen haselnußgroßen Samen; drei Arten in Nordafrika, den wärmern Teilen von Westasien und in Ostindien. M. pterygosperma Gärtn. (M. oleifera Lam., Hyperanthera Moringa Vahl), in Ostindien, auf Martinique und Guadeloupe kultiviert, hat 2,5-4 cm lange, fingerdicke, der Länge nach gerillte, bräunliche Hülsen mit haselnußgroßen, geflügelten Samen (Behennüsse), aus welchen man das Behenöl (s. d.) preßt. Aus dem Stamm fließt ein rötlichbraunes bis braunschwarzes Gummi, welches viel Bassorin enthält. Die Wurzel besitzt Geruch und Geschmack des Meerrettichs und wird wie dieser verwendet, Blätter, Blüten und die unreifen Früchte ißt man als Gemüse. Die ungeflügelten Samen von M. aptera Gärtn. in Arabien und Nordafrika werden in noch größerer Menge als die vorigen auf Behenöl verarbeitet.

Moringaöl, s. Behenöl.

Moringen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Hildesheim, Kreis Northeim, an der Linie Soest-Nordhausen der Preußischen Staatsbahn, 140 m ü. M., hat ein Amtsgericht, ein Strafarbeitshaus für Männer, Tabaks- und Papierfabrikation, Branntweinbrennerei, Wollspinnerei und (1885) 2042 meist evang. Einwohner.

Morīngerbsäure, s. v. w. Maclurin, s. Gelbholz.

Morinsäure, s. Morin.

Morion, s. Helm.

Morion (spr. -ong), Mineral, s. Quarz.

Moris., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Rob. Morison, geb. 1620 zu Aberdeen, gest. 1683 als Professor der Botanik in Oxford. Hauptwerk: "Plantarum historia universalis" (1680-1699, 2 Bde.) mit guten Diagnosen.

Möris (ägypt. mr-uêr, m-uêr, "großer See"), berühmter Landsee im alten Ägypten, auf der Westseite des Nils, in der südöstlichen Ecke des Fayûm, wie die einen glauben, oder südwestlich von demselben, in der Rajandepression, wie Cope Whitehouse neuerdings meint, war zur Aufbewahrung und spätern Benutzung des überflüssigen Nilwassers bestimmt. Die Spuren der alten riesigen Kanalbauten, welche den M. mit dem Nil verbanden, lassen sich noch nachweisen, wenn auch der ehemalige See jetzt verschwunden ist. Sein Wasser erhielt er aus dem Bahr Jussef (Seitenkanal des Nils). Er stand in Verbindung mit dem noch vorhandenen Birket el Kerun, in den er sich teilweise entleerte, während man oft einen Teil seiner Wasser in den Bahr Jussef zurückströmen ließ, wenn dieser wenig Wasser besaß, wo-^[folgende Seite]