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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Möris; Morisken; Morisonsche Pillen; Moritūri te salutant; Moritz

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Möris - Moritz.

durch dann das Land bis in die Nähe von Alexandria bewässert werden konnte. In der Mitte des Sees befanden sich zwei 400 Ellen hohe Pyramiden, und auf beiden Seiten derselben Kolossalstatuen des Vollenders dieses Riesenwerkes, welches nach Herodot noch größere Bewunderung erregte als das benachbarte Labyrinth, nämlich des Amenemha III. aus der 12. Dynastie und seiner Gemahlin. Vgl. Linant de Bellefonds, Mémoire sur le lac M. (Alex. 1843).

Möris, Älios, griech. Grammatiker, lebte wahrscheinlich im 2. Jahrh. n. Chr., verfaßte ein alphabetisches Verzeichnis von Ausdrücken und Formen attischer Schriftsteller mit Gegenüberstellung der in seiner Zeit üblichen. Ausgaben besorgten Pierson (Leiden 1759; neu hrsg. von Jacobitz, Leipz. 1830, 2 Bde.), Koch (das. 1830-31, 2 Bde.), Bekker (mit Harpokration, Berl. 1833).

Morisken, s. Mauren.

Morisonsche Pillen, s. Geheimmittel, S. 1022.

Moritūri te salutant (lat.), s. Ave, Caesar etc.

Moritz (Moriz, franz. Maurice, ital. Maurizio, "der Dunkelfarbige"), männlicher Name, germanisiert für lat. Mauritius. Die hervorragendsten Träger desselben sind:

1) Prinz von Anhalt-Dessau, geb. 31. Okt. 1712 zu Dessau, Sohn des Fürsten Leopold und seiner Gemahlin Anna Luise, trat, nachdem er schon seit 1723 bei seinem Vater Adjutantendienste gethan, 1727 in die preußische Armee und machte 1734-35 den Feldzug am Rhein sowie die Schlesischen Kriege mit, in deren zweitem er sich bei Hohenfriedeberg und Kesselsdorf auszeichnete. Nachdem er dann im Auftrag des Königs Friedrich II. die Kolonisation wüster Landstriche an der Oder und in Pommern geleitet hatte, wurde er 1752 zum Gouverneur von Küstrin ernannt. An den hauptsächlichsten Schlachten des Siebenjährigen Kriegs nahm er teil: bei Kolin zwar griff er infolge eines Mißverständnisses nicht zur rechten Zeit und an der rechten Stelle an und verschuldete mit die Niederlage, zeichnete sich aber bei Roßbach und besonders bei Leuthen, wo er den rechten preußischen Flügel führte, so sehr aus, daß ihn der König auf dem Schlachtfeld zum Feldmarschall ernannte. Desgleichen kämpfte er bei Zorndorf und Hochkirch und wurde hier, als er sich schwer verwundet nach Bautzen wollte schaffen lassen, von Panduren gefangen. Aus der Gefangenschaft durfte er nach Dessau zurückkehren, starb aber schon 11. April 1760 an einem Krebsgeschwür an der Lippe. Er war unvermählt geblieben.

2) Prinz von Oranien, Graf von Nassau, Statthalter der Niederlande, zweiter Sohn Wilhelms I. von Oranien und Annas von Sachsen, durch letztere Enkel von M. 3), geb. 13. Nov. 1567 zu Dillenburg, studierte in Heidelberg und Leiden und ward nach der Ermordung seines Vaters 1585 von den Provinzen Zeeland und Holland und 1590 auch von Utrecht, Overyssel und Gelderland zum Statthalter sowie gleichzeitig zum Oberbefehlshaber der Land- und Seemacht der Vereinigten Niederlande erwählt. Als Befehlshaber des niederländischen Heers, welches er auf eine bedeutende Stärke brachte, vorzüglich organisierte und einübte, führte er den Krieg mit Spanien mit genialem Geschick und außerordentlichem Erfolg. In vier Jahren säuberte er den Boden der sieben Provinzen von den Spaniern und trug dann den Krieg in die spanischen Niederlande, wo er namentlich 2. Juli 1600 den glänzenden Sieg von Nieuwpoort erfocht. Am berühmtesten wurde seine Verteidigung von Ostende, vor welchem Platz er vier Jahre lang den größten Teil der spanischen Armee beschäftigte. Da er sich fast ausschließlich mit den militärischen Angelegenheiten beschäftigte und politischer Ehrgeiz ihn nicht beseelte, überließ er die Leitung der Staatsangelegenheiten dem Führer der aristokratischen Partei, Oldenbarneveld (s. d.), mit dem er lange Zeit in freundschaftlichem Einvernehmen stand, bis derselbe sehr gegen seinen Willen 1609 den zwölfjährigen Waffenstillstand mit Spanien abschloß. Der Gegensatz zwischen der kriegerisch gesinnten, nach einer monarchischen Einheit des Staats strebenden oranischen Partei, deren Haupt, doch nicht geistiger Leiter M. war, da er als Politiker ebenso unbedeutend wie hervorragend als Feldherr war, und der republikanischen partikularistischen Aristokratie Hollands unter Oldenbarneveld kam infolge der religiösen Streitigkeiten der Arminianer und Gomaristen 1618 zum Ausbruch und endete 1619 mit dem Sieg M.' und der Hinrichtung Oldenbarnevelds. Trotzdem ließ sich M. nicht die Alleinherrschaft übertragen, sondern begnügte sich, 1621 den Krieg gegen Spanien wieder zu eröffnen, in welchem er übrigens weniger glänzende Erfolge als früher errang. Er starb unvermählt 23. April 1625 im Haag und hatte seinen Bruder Friedrich Heinrich zum Nachfolger. M. ist einer der größten Meister der Kriegskunst gewesen. Vgl. v. d. Kemp, Maurits van Nassau, Prins van Oranje (Rotterd. 1843, 4 Tle.); Groen van Prinsterer, Maurice et Barneveldt (Utrecht 1875).

3) M., erst Herzog, seit 1547 Kurfürst von Sachsen, der älteste Sohn Herzog Heinrichs des Frommen, geb. 21. März 1521 zu Freiberg, erhielt seine Erziehung an den Höfen seines Oheims Georg des Bärtigen in Dresden, dann des Kurfürsten Albrecht von Mainz zu Halle, hierauf des Kurfürsten Johann Friedrich in Torgau und eignete sich unter diesen verschiedenen Umgebungen frühzeitig ebensoviel Selbständigkeit des Charakters wie diplomatische Klugheit an. Von ersterer gab er einen Beweis, indem er sich ohne Vorwissen seiner Eltern 9. Jan. 1541 mit Agnes, der Tochter Landgraf Philipps von Hessen, vermählte. Noch in demselben Jahr folgte er seinem Vater in der Regierung der Albertinischen Lande während er seinen Bruder August durch die Ämter Freiburg, Laucha, Sangerhausen, Weißensee, Kindelbrück und Sachsenburg entschädigte und ihm die Administration des Hochstifts Merseburg verschaffte. Ebensowenig war er willens, gleich seinem Vater eine Bevormundung durch den Kurfürsten Johann Friedrich zu dulden. Obgleich der evangelischen Lehre zugethan, verweigerte er deshalb den Beitritt zum Schmalkaldischen Bunde, trat auch der Eigenmächtigkeit, mit welcher jener in dem Stift Wurzen die Türkensteuer ausgeschrieben und das Kirchenwesen geändert hatte, mit bewaffneter Hand entgegen (s. Fladenkrieg). Dagegen befestigte er das neue Kirchenwesen in seinem Gebiet und errichtete zu Leipzig und Meißen Konsistorien, von denen das letztere später nach Dresden verlegt ward; einen Teil der eingezogenen Klostergüter verwendete er zur reichlichern Ausstattung der Universität Leipzig und 1543 zur Stiftung der Fürstenschulen zu Meißen, Pforta und (1550) Grimma, von denen der Flor des höhern Schulwesens in Sachsen ausging. Ehrgeizig und begierig nach Vergrößerung seines Gebiets, suchte er bereits damals sich dem Kaiser zu nähern. Er leistete ihm Hilfe gegen die Türken in Ungarn 1542, wo ihm vor Pest nur die Aufopferung seines Edelknechts Sebastian v. Reibisch das Leben rettete, und beteiligte sich 1544 an des