Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Moritz

807

Moritz (Kurfürst von Sachsen, Marschall von Sachsen).

Kaisers Krieg gegen Frankreich. Das nächste Ziel seiner ehrgeizigen Wünsche bildete der Erbschutz über die Stifter Magdeburg und Halberstadt, allein der Kaiser zauderte, ihm diesen zuzugestehen. Erst 19. Juni 1546 kam zu Regensburg das geheime Bündnis mit dem Kaiser zum Abschluß, durch welches sich M. gegen Verleihung des Schutzrechts über die Stifter zum Dienste des Kaisers verpflichtete. Doch wurde bereits hier statt der Stifter das Ernestinische Sachsen und die Kur als Lohn für die zu leistende Hilfe in Aussicht genommen. Am 1. Aug. übertrug ihm Kaiser Karl V. die Vollstreckung der über den Kurfürsten von Sachsen verhängten Acht, aber erst nachdem M. der Zustimmung seiner Landstände sich vergewissert, durch den Vertrag mit König Ferdinand vom 14. (19.) Okt. sich den Rücken gedeckt und vom Kaiser 27. Okt. die formelle Zusage der sächsischen Kur erhalten hatte, brach er in das Ernestinische Sachsen ein und besetzte den größten Teil des Landes. Zwar mußte er dieses vor dem von der Donau herbeieilenden Kurfürsten Johann Friedrich schleunigst wieder räumen und wurde selbst bis an die böhmische Grenze zurückgedrängt, als aber der Kurfürst durch seine Niederlage und Gefangennahme bei Mühlberg gezwungen worden war, in der Wittenberger Kapitulation auf sein Land nebst der Kurwürde zu verzichten, übertrug der Kaiser beides 4. Juni 1547 versprochenermaßen auf M., der die Söhne des Gefangenen mit einigen thüringischen Ämtern abfand; die feierliche Belehnung fand 24. Febr. 1548 in Augsburg statt. Trotzdem war M. nicht gewillt, dem Kaiser als Werkzeug zur Unterdrückung der evangelischen Lehre und zur Aufrichtung einer erblichen Despotie zu dienen; vielmehr trachtete er danach, das Neugewonnene, das er jetzt nur durch kaiserliche Gunst besaß, durch Aussöhnung mit seinen Glaubensgenossen sich zu sichern; persönlich fühlte er sich verletzt durch die Gefangenhaltung seines Schwiegervaters, für dessen Freiheit er sich mit verbürgt hatte. Zunächst entschädigte er seinen Bruder August für das verlorne Hochstift Merseburg durch Abtretung der Ämter Weißenfels, Eisenberg und Schwarzenberg und entzog sich der Annahme des Augsburger Interim durch Aufstellung des Leipziger Interim; hierauf machte er sich mit größter Gewandtheit die von mehreren norddeutschen Fürsten gegen den Kaiser geschlossene Verschwörung dienstbar, bewirkte insgeheim seine von letzterm für unmöglich gehaltene Aussöhnung mit den Ernestinern und sicherte sich durch den ebenfalls geheimen Vertrag zu Friedwalde, 5. Okt. 1551, den Beistand König Heinrichs II. von Frankreich, dem er die Bistümer Metz, Toul, Verdun und Cambrai preisgab. Die Achtsvollstreckung gegen Magdeburg gab ihm einen erwünschten Vorwand zur Verdeckung seiner Rüstungen, während er den Kaiser durch seine Anstalten, das Tridentiner Konzil zu beschicken und zu besuchen, täuschte. Sobald seine Vorbereitungen beendet waren, führte er im März 1552 sein Heer windesschnell von Thüringen nach Süddeutschland, verkündigte von Augsburg aus in einem Manifest die Gründe seiner Schilderhebung und nötigte durch die Erstürmung der Ehrenberger Klause den ungerüsteten Kaiser, schleunigst von Innsbruck nach Villach zu fliehen und Unterhandlungen mit ihm anzuknüpfen. Diese führten Anfang August 1552 zu dem Passauer Vertrag, durch welchen der Landgraf von Hessen seine Freiheit erhielt, der Ausgleich des Zwiespalts in der Religion auf einen binnen sechs Monaten zu haltenden Reichstag verwiesen wurde. Nunmehr leistete er dem Kaiser die Türkenhilfe in Ungarn; als aber sein ehemaliger Kriegsgefährte, Markgraf Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, den Passauer Vertrag nicht anerkennend, im Reich den Krieg auf eigne Faust fortsetzte und den Verdacht erweckte, als ob er sich als Werkzeug der kaiserlichen Rache brauchen lassen wolle, so verbündete sich M. zur Abwehr desselben mit den Bischöfen in Franken, dann auch mit Heinrich dem jüngern von Braunschweig und schlug den Markgrafen 9. Juli 1553 bei Sievershausen, starb aber zwei Tage darauf an einer in dieser Schlacht erhaltenen Schußwunde im Feldlager, erst 32 Jahre alt. M. war ein Fürst von höchster Begabung, ein Meister in der sonst den damaligen Deutschen nicht eignen rücksichtslosen Staatskunst. Die Durchführung seiner weitern Pläne, in die er selbst seine nächsten Vertrauten nicht eingeweiht hat, die aber unzweifelhaft auf fernere Erhöhung seiner Machtstellung gerichtet gewesen sind, hat sein früher Tod unterbrochen, und seine Verdienste um die Rettung der protestantischen Glaubensfreiheit haben den auf ihm haftenden Schatten des an seinem Glauben und seinen Verwandten begangenen Verrats nicht zu tilgen vermocht. Da er keinen Sohn hinterließ, folgte ihm sein Bruder August. Seine Witwe vermählte sich 1555 mit Johann Friedrich dem Mittlern, seine einzige Tochter, Anna, mit Wilhelm von Oranien, endigte aber in Geistesstörung. Vgl. v. Langenn, M., Herzog und Kurfürst zu Sachsen (Leipz. 1841, 2 Bde.); G. Voigt, M. von Sachsen 1541 bis 1547 (das. 1876).

4) Graf von Sachsen, bekannt unter dem Namen Marschall von Sachsen, geb. 28. Okt. 1696 als der natürliche Sohn Augusts des Starken von Sachsen und der Gräfin Aurora von Königsmark zu Goslar, erhielt von seinem Vater während dessen Reichsvikariats den Titel eines Grafen von Sachsen und bald die Stelle eines Obersten in einem Kürassierregiment. 1709 focht er in Flandern unter Eugen und Marlborough mit Auszeichnung, und ebenso zeichnete er sich 1711 bei Stralsund unter den Augen seines Vaters aus. Kurz darauf vermählte ihn seine Mutter mit der reichen Gräfin Löben, doch war die Ehe nicht glücklich und wurde 1721 wieder getrennt. Bei allem Hang zu Ausschweifungen betrieb M. aufs eifrigste das Studium der Kriegskunst. 1717 nahm er in Ungarn unter Eugen an dem Kampf gegen die Türken teil, 1720 trat er in französische Militärdienste und erhielt 1722 ein deutsches Regiment. 1726 wählten ihn die Stände von Kurland auf Antrieb der Herzogin-Witwe Anna Iwanowna, der Tochter des Zaren Iwan Alexiewitsch, zum Herzog. Jedoch durch den Einfluß der Russen verdrängt, ging M. 1729 wieder nach Frankreich und wurde, nachdem er sich 1733 im polnischen Erbfolgekrieg am Oberrhein ausgezeichnet, 1736 zum Generalleutnant befördert. Im österreichischen Erbfolgekrieg nahm er 26. Nov. 1741 Prag mit Sturm, eroberte Eger und Elbogen und zog mit Broglie an den Rhein zurück, wo er sich der Linien von Lauterburg bemächtigte. Im März 1744 ward er zum Marschall von Frankreich ernannt. Sein Feldzug in Flandern (1744) unter dem nominellen Oberbefehl Ludwigs XV. galt als ein Meisterstück der Kriegskunst, indem er den an Zahl überlegenen Feind zur Unthätigkeit nötigte. Am 11. Mai 1745 erfocht er über die Engländer den Sieg bei Fontenoy, durch welchen Brüssel in französische Gewalt kam, und 11. Okt. 1746 einen neuen bei Raucoux und ward hierauf zum Generalfeldmarschall aller französischen Armeen und nach dem Sieg bei Laffeld (2. Juli 1747) und der Einnahme von