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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mosaīkdruck; Mosaīkemail; Mosaīkfenster; Mosaīkgläser; Mosaïsches Gold; Mosaismus; Mosambik

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Mosaikdruck - Mosambik.

diente sie zuweilen zur Kopierung von Originalgemälden alter Meister, wie noch in neuerer Zeit das Abendmahl Leonardo da Vincis auf Veranlassung Napoleons I. in der Größe des Originals in M. nachgebildet wurde. Im 18. Jahrh. entstand sogar in Rom eine neue Schule Mosaizisten, die bis auf die neueste Zeit insofern wirksam gewesen ist, als sie den modernen römischen Mosaiken, im Gegensatz zu der mehr industriellen Fabrikmosaik der Florentiner, einen mehr künstlerischen Charakter bewahrt hat.

Mit der Gründung dieser römischen Schule hebt die vierte Periode der Mosaikmalerei an, welche einen dem der frühern Periode ganz unähnlichen Charakter angenommen hat. Beide, die heutige römische und die florentinische M., beschäftigen sich, außer (in Rom) mit Nachbildung älterer Meisterwerke, nur noch mit kleinern Arbeiten, und zwar die römische mit musivischen Verzierungen von Schmuckgegenständen, wie Broschen, Halsbändern etc., die florentinische mit Herstellung musivischer Tischplatten, Thürpfosten, Kamine, Vasen u. dgl. Das technische Verfahren ist ebenfalls bei beiden wesentlich verschieden. In Rom ist seit längerer Zeit eine offizielle Fabrik im Vatikan errichtet, aus welcher namentlich für Kirchen zahlreiche Werke hervorgehen. In Venedig gründete Salviati eine große Glasmosaikfabrik, die sich auch mit Nachbildung großer Werke der Malerei befaßt und bei wesentlich vervollkommter Technik einen großen Aufschwung genommen hat. - Auch in der arabischen und maurischen Baukunst spielt die M. eine große Rolle bei der Bekleidung von Wänden und Fußböden durch glasierte Thonplatten und Ziegel, die zu geometrischen Mustern verbunden wurden (s. Tafel "Ornamente II", Fig. 7 u. 13).

Bei der mittelalterlichen M. wurden die darzustellenden Gegenstände auf die Putzfläche gemalt und die Glaspasten an Ort und Stelle fertig eingefügt. Dies Verfahren wird jetzt dadurch ersetzt, daß der Künstler das ganze Bild in seinem Atelier auf einem horizontalen Boden aus den Pasten zusammensetzt, wobei ein Verbessern fortwährend möglich ist, und dann mit starkem Papier überklebt. Das auf diese Weise zu einem Ganzen vereinigte Werk wird hierauf in einzelne Stücke zerschnitten, welche numeriert, verpackt, versendet, am Verwendungsort auf die Rüstung geschafft und dort ihren Nummern entsprechend in den weichen Mörtel gedrückt werden. Nach Erhärtung des Mörtels wird das Papier abgeschabt, die störende Helligkeit der weißen Mörtelfugen dadurch gedämpft, daß die einzelnen Teile in ihrer Hauptfarbe übermalt werden, und dann das Ganze abgewaschen, wobei die Farbe an dem Mörtel haften bleibt. Von dem Festhalten der Pasten überzeugt man sich durch mäßiges Anschlagen mit dem Hammer. Das größte derartige seit dem Mittelalter ausgeführte Werk sind die nach zweijähriger Arbeit von Salviati, welchem man auch die Herstellung der nach A. v. Werners Karton ausgeführten Mosaiken der Berliner Siegessäule verdankt, vollendeten Mosaiken an der Kuppel des Münsters zu Aachen. Man hat sich hierbei streng an die geringen Reste des ursprünglichen Bildes angeschlossen, welches die im 4. Kapitel der Offenbarung St. Johannis enthaltene Vision darstellt. Fast in allen größern Städten Europas haben Salviati u. Komp. außerdem Glasmosaiken ausgeführt, in Deutschland besonders zum Schmuck von Häuserfassaden, da das Glasmosaik durch seine Wetterfestigkeit den Vorzug vor jeder Malerei verdient. In Frankreich sind große Dekorationen in Glasmosaik von Salviati und andern venezianischen Ateliers in der Pariser Oper, in der Apsis des Pariser Panthéons und in der Kathedrale zu Marseille ausgeführt worden. Vgl. B. Bucher, Geschichte der technischen Künste, Bd. 1 (Stuttg. 1876, mit Litteraturnachweisen); Gerspach, La mosaïque (Par. 1881). Die musivische Technik, d. h. das Zusammensetzen von verschiedenfarbigen Plättchen zu dekorativen Mustern, ist auch auf andre Materialien als Glas und Stein ausgedehnt worden, so besonders auf Holz und Leder. Die Holzmosaik (Marketerie) hat ihre höchste künstlerische Ausbildung in der Intarsia (s. d.) erfahren (s. Tafel "Ornamente III", Fig. 14; Tafel IV, Fig. 14 u. 15). Die Ledermosaik wird vornehmlich von der modernen Buchbinderei und Albumfabrikation geübt.

Mosaīkdruck, s. Senefelder.

Mosaīkemail, eine Nachahmung des Zellenschmelzes durch Zusammensetzung verschiedenfarbiger Glaspasten, die in Metall gefaßt sind.

Mosaīkfenster, aus farbigen Glastäfelchen zusammengesetzte Fenster, welche vor der Erfindung der Glasmalerei (s. d., S. 402) als Kirchenschmuck dienten.

Mosaīkgläser, s. Millefiori.

Mosaïsches Gold, s. v. w. Chrysorin oder Musivgold (Schwefelzinn).

Mosaismus, der Inbegriff aller religiösen und sittlichen Ideen, Gewohnheiten und Gesetze, welche sich aus der auf die Stiftung des Moses zurückgeführten religiös-politischen Entwickelung des israelitischen Volkes ergeben haben; s. Judentum.

Mosambik (Mozambique), portug. Kolonialbesitz an der Ostküste von Afrika (s. Karte "Äquatorialafrika" bei Art "Congo") zwischen dem Kap Delgado (10° 24' südl. Br.) und der Delagoabai mit einer noch unbestimmten Ausdehnung ins Innere. Das Gebiet wird auf 991,150 qkm (17,990 QM.) mit 2 Mill. Einw. berechnet; in Wahrheit aber hält Portugal nur einige feste Plätze an der Küste und im Innern besetzt, und seine Macht in dem übrigen Gebiet ist meistens nur imaginär. Die Inseln (Ouerimba-, Mosambik- und Angosainseln), welche die Küste besäumen, sind unbedeutend. Die Küste ist flach, sumpfig und ungesund, das nach innen ansteigende Land meist bewaldet. Im Innern hat man Gold-, Eisen- und Kohlenlager gefunden. Unter den Flüssen sind die ansehnlichsten: der Sambesi und Rovuma, welche in den Kanal von M. münden, und der Sabi und Limpopo. Die einheimische Bevölkerung gehört den Bantu an. Längs der Küste vom Kap Delgado bis zum Angosafluß (Ngudja) wohnt vorzugsweise der große Stamm der Makua; sie stehen mit den Portugiesen in Handelsverkehr und treten bei denselben vielfach in Dienst. Die Regenzeit beginnt im November und dauert bis zum Ende des März. Im Sommer ist die Hitze außerordentlich, und die vielen Sümpfe machen fast die ganze Küstengegend, besonders für die Europäer, sehr ungesund. Hauptbeschäftigung ist Ackerbau. In dem Küstendistrikt von Quillimane nach Tete wird das Land auf einer Länge von 1300 km alle drei Jahre an Unternehmer verpachtet, welche von den dortigen Eingebornen einen willkürlichen Pachtzins erheben und dieselben als Arbeitskräfte benutzen dürfen. Die hauptsächlichsten Produkte der Kolonie und des Hinterlandes, die in den Handel kommen, sind: Gummi, Kopra, Indigo, Baumwolle, Elfenbein, Wachs, Ölsamen (Sesam), Tabak, Zucker, Kautschuk und Kafferkorn. Mais bildet die Hauptnahrung der Eingebornen und wird in bedeutenden Mengen auch nach Sansibar ausgeführt. Der frühere, für die portugie-^[folgende Seite]