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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Mosenthal; Moser

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Mosenthal - Moser.

lich griechischen Familie (Mosyn), Sohn eines Schullehrers, besuchte das Gymnasium zu Plauen, studierte seit 1822 in Jena die Rechte, reiste während seiner Studienzeit nach Italien, schloß nach seiner Rückkehr die Rechtsstudien in Leipzig ab und arbeitete dann längere Zeit bei einem Sachwalter in seiner Heimat. 1831 erhielt er eine Anstellung beim Patrimonialgericht zu Kohren; 1834 ließ er sich als Advokat in Dresden nieder, wo er bald zu litterarischem Ansehen gelangte. 1844 folgte er einem Ruf als Dramaturg an das Hoftheater zu Oldenburg. Leider ward hier schon seit 1848 seine Thätigkeit durch unheilbare Krankheit, die zuletzt in völlige Lähmung überging, unterbrochen. M. ward nach 1850 pensioniert, blieb bei schwerem Siechtum geistig frisch und starb, nachdem ihm die Herausgabe seiner "Sämtlichen Werke" eine letzte Genugthuung gewährt, 10. Okt. 1867 in Oldenburg. Als Dichter trat er zuerst mit dem epischen Gedicht "Das Lied vom Ritter Wahn" (Leipz. 1831), der freien Gestaltung einer uralten italienischen Sage, hervor, welche einen tiefsinnigen Gedanken allegorisch verkörperte. Die Kraft und Energie der Darstellung, die Stimmungsfülle einzelner Episoden waren glänzendes Zeugnis für Mosens Talent. Einen größern Anlauf nahm der Dichter in seinem "Ahasver" (Dresd. 1838), welcher sich durch großartige historische Anschauung, Pracht und Schwung der poetischen Bilder auszeichnete, aber dabei die Sprödigkeit der mehr philosophischen als poetischen Anlage nicht ganz überwand. In seinen "Gedichten" (Leipz. 1836, 2. Aufl. 1843) zeigte sich M. als Lyriker von der tiefsten Innerlichkeit, eine zart besaitete Natur mit seinem Verständnis für das geheimste Naturleben und doch wieder von so frischer Volkstümlichkeit, daß eine Reihe balladenähnlicher Gedichte, wie "Die letzten Zehn vom vierten Regiment", "Andreas Hofer" und "Der Trompeter an der Katzbach", in den Mund des Volkes übergingen. Als Erzähler trat M. mit der Novelle "Georg Venlot" (Leipz. 1831), den "Novellen" (das. 1837), dem historisch politischen Roman "Der Kongreß von Verona" (Berl. 1842, 2 Bde.) und den reizenden, frischen und stimmungsvollen "Bildern im Moose" (Leipz. 1846, 2 Bde.) hervor. Die "Bilder im Moose" enthielten Meisterstücke voll idyllischen Hauchs und zartester Färbung, wenn auch unleugbare Nachklänge der falschen Romantik in einzelne Erzählungen hineintönten. Mosens Hauptbestrebungen wandten sich inzwischen dem Drama zu. Hier aber erlag er dem verhängnisvollen Irrtum der jungdeutschen Periode, daß das Drama neue Grundlagen haben müsse und überhaupt andre Grundlagen haben könne als die lebendige Darstellung vollen und ganzen Lebens. M. meinte das Verständnis historischer und politischer Ideen durch seine Dramen erschließen zu müssen, benutzte dabei seine Gestalten nicht zu lebendigen, vollbeseelten Trägern, sondern zu bloßen Sprechern seiner allgemeinen Ideen und schuf auf diese Weise Stücke, in denen das rhetorische Element die dramatischen Gestalten weit überwog. Die Dramen: "Heinrich der Finkler" (Leipz. 1836); "Cola Rienzi", "Die Bräute von Florenz", "Wendelin und Helene", "Kaiser Otto III." (diese vier gesammelt als "Theater", Stuttg. 1842), unter denen die letztgenannte Tragödie die bedeutendste war, erwiesen gleichzeitig das Talent und die falsche Richtung des Verfassers. In einer Reihe späterer Dramen: "Don Johann von Österreich", "Herzog Bernhard" (Leipz. 1855), "Der Sohn des Fürsten" (Oldenb. 1858) versuchte M. die Bühnenmängel seiner rhetorischen Behandlungsweise durch äußerliche theatralische Effekte auszugleichen. Noch ist das geistvolle Werkchen "Die Dresdener Gemäldegalerie" (Dresd. 1844) zu erwähnen. Mosens "Sämtliche Werke" erschienen in 8 Bänden (Oldenb. 1863); eine neue vermehrte Ausgabe mit Biographie gab sein Sohn heraus (Leipz. 1880, 6 Bde.). Vgl. "Julius M., eine biographische Skizze" (Oldenb. 1878).

Mosenthal, Salomon Hermann, dramatischer Dichter, geb. 14. Jan. 1821 zu Kassel, israelitischer Abkunft, studierte in Marburg, kam als Erzieher nach Wien, ward daselbst 1850 als Offizial bei einem der Hilfsämter des Unterrichtsministeriums angestellt und erhielt bald darauf die Bibliothekarstelle in demselben. 1871 durch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone in den österreichischen Ritterstand erhoben, starb er 17. Febr. 1877 in Wien. M. trat als Dramatiker zuerst mit dem Schauspiel "Deborah" (Pest 1849, 5. Aufl. 1876) auf, dessen ungemeiner Erfolg seinen spätern Dramen: "Cäcilie von Albano" (das. 1851), "Der Sonnenwendhof" (Leipz. 1857, 3. Aufl. 1875), "Düweke" (das. 1860), "Die deutschen Komödianten" (das. 1863), "Das gefangene Bild" (Stuttg. 1858), "Pietra", Tragödie (Leipz. 1865), "Der Schulz von Altenbüren", Volksschauspiel (das. 1868), "Isabella Orsini", Drama (das. 1870), "Maryna", historisches Drama (das. 1871), "Die Sirene", Komödie (das. 1875), sowie den als Manuskript gedruckten Stücken: "Ein deutsches Dichterleben" (Bürger und Molly), "Gabriele von Precy", "Lambertine" u. a. rasche Aufnahme bei den Bühnen verschaffte. Sämtliche Mosenthalsche Dramen sind durch ein gewisses theatralisches Geschick und effektvolle Höhepunkte ausgezeichnet, aber psychologisch unwahr und äußerlich rhetorisch. M. schrieb außerdem zahlreiche Operntexte (unter andern zu Nicolais "Lustigen Weibern von Windsor", Flotows "Müller von Meran", Marschners "Goldschmied von Ulm", Kretschmers "Folkungern") und gab "Gedichte" (Wien 1847) und "Gesammelte Gedichte" (das. 1866) heraus. Seine "Gesammelten Werke" erschienen Stuttgart 1877-78 in 6 Bänden.

Moser, 1) Johann Jakob, einer der fruchtbarsten Publizisten Deutschlands, geb. 18. Jan. 1701 zu Stuttgart, studierte in Tübingen und wurde schon 1720 Professor der Rechte daselbst, ging 1721 nach Wien, wo er jedoch die gehoffte Anstellung nicht erhielt, da er sich nicht zum Übertritt zur katholischen Kirche entschließen konnte, ward 1726 als Regierungsrat nach Stuttgart berufen und 1727 als ordentlicher Professor der Rechte bei der Universität in Tübingen angestellt. Streitigkeiten mit der Zensur bewogen ihn aber 1732 zur Niederlegung der Lehrstelle und zum Wiedereintritt in das Regierungskollegium, aus dem er 1736 abermals austrat, um einem Ruf als preußischer Geheimrat, Direktor der Universität und Ordinarius der Juristenfakultät nach Frankfurt a. O. zu folgen. Auch dieses Verhältnis löste sich jedoch nach mehrfachen Differenzen mit König Friedrich Wilhelm I. schon 1739 wieder, und M. lebte nun acht Jahre lang zu Ebersdorf im reußischen Vogtland, seine Zeit schriftstellerischer Thätigkeit widmend. 1747 trat er als Geheimrat und Chef der Kanzlei in die Dienste des Landgrafen von Hessen-Homburg. Schon 1749 aber finden wir ihn wieder in Hanau, wo er eine "Staats- und Kanzleiakademie" gründete, endlich 1751 als Landschaftskonsulenten in Stuttgart. Nachdem er acht Jahre lang unter beständigen Kämpfen gegen den die Landesrechte mit Füßen tretenden Herzog Karl